Aktien Frankfurt Schluss: Dax zollt erneut jüngster Kursstärke Tribut

FRANKFURT (awp international) - Der Dax hat am Montag abermals seiner zuletzt starken Kursentwicklung Tribut gezollt. Der am Wochenende gescheiterte Putschversuch in der Türkei durch Teile des Militärs liess den deutschen Leitindex letztlich kalt.
18.07.2016 18:00

Zum Handelsstart hatte das Börsenbarometer sogar um bis zu knapp 1 Prozent zugelegt, konnte diese Gewinne aber nur kurz behaupten. Am Ende notierte der Dax 0,04 Prozent tiefer bei 10 063,13 Punkten. In der vergangenen Woche hatte er per saldo gut viereinhalb Prozent gewonnen und war am Freitag ebenfalls kaum verändert aus dem Handel gegangen.

MILLIARDEN-ÜBERNAHME IN DER TECHNOLOGIEBRANCHE

Der MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen behauptete indes am Montag ein Plus von 0,36 Prozent auf 20 629,02 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es sogar um 1,15 Prozent auf 1644,31 Punkte hoch. Hier sorgte die geplante Übernahme des Chipdesigners ARM Holdings durch den japanischen Telekommunikations-Anbieter Softbank für gute Laune.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schloss 0,32 Prozent tiefer bei 2949,17 Zählern. Die nationalen Indizes in Paris und London präsentierten sich uneinheitlich. In New York notierte der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsende nur knapp in der Gewinnzone.

'SITUATION IN DER TÜRKEI NOCH NICHT AUSGESTANDEN'

"Die Situation in der Türkei ist noch nicht ausgestanden", warnte indes Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. So könnten die von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angekündigten Säuberungsmassnahmen Experten zufolge für eine Belastung des ohnehin nicht einfachen Verhältnisses des Landes mit Europa und den USA sorgen.

Der Brexit hingegen sei als mögliche Gefahr zunächst aus den Köpfen der Anleger verschwunden, so Halver weiter. Schliesslich würden die Briten wohl erst Ende des Jahres den Antrag auf den Austritt aus der Europäischen Union einreichen.

ARM-ÜBERNAHME GIBT INFINEON UND DIALOG AUFTRIEB

Am deutschen Aktienmarkt gehörten die Halbleiterunternehmen Infineon und Dialog Semiconductor dank der angekündigten ARM-Übernahme zu den Favoriten der Anleger: Als bester Dax-Wert legten Infineon um 2,06 Prozent zu. An der TecDax-Spitze sprangen die schwer gewichteten Aktien des Apple-Zulieferers Dialog um 6,32 Prozent hoch.

Die Übernahme von ARM für rund 24 Milliarden Pfund wäre die bisher grösste Übernahme in Europa im Technologie-Geschäft - und einem Händler zufolge eventuell nur der erste Schritt der Japaner, um chinesischen Unternehmen bei ihrer Einkaufstour in Europa in die Quere zu kommen. Insofern hätten die Bewertungen der europäischen Technologieaktien noch Luft nach oben.

ZAHLEN TREIBEN WACKER CHEMIE UND KION AN

Ansonsten richteten sich die Blicke verstärkt auf die Unternehmensberichtssaison. Im MDax besetzten die Anteilsscheine des Spezialchemiekonzerns Wacker Chemie mit plus 3,05 Prozent den ersten Platz. Das Unternehmen hatte laut vorläufigen Berechnungen im zweiten Quartal einen geringeren operativen Gewinnrückgang als von Analysten erwartet verbucht und ist nun mit Blick auf das Gesamtjahr etwas optimistischer als bisher.

Auch der Gabelstapler-Hersteller Kion sorgte mit seinen Quartalsresultaten für eine positive Überraschung: Dank des starken Wachstumstrends bei Elektrostaplern und Lagertechnikgeräten lag der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) über den Schätzungen, was die Aktien um 1,38 Prozent steigen liess.

HAPAG-LLOYD SACKEN ANS SDAX-ENDE

Beim Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise konnten sich die Anleger über einen Kursgewinn von 2,03 Prozent freuen. Sie profitierten von positiv aufgenommene Zahlen des schweizerischen Konkurrenten Givaudan .

Klares Schlusslicht im SDax der geringer kapitalisierten Unternehmen waren indes die Papiere von Hapag-Lloyd mit minus 8,86 Prozent. Die Container-Reederei hatte wegen des Preiskampfes in der Schifffahrt seine Gewinnprognose für dieses Jahr gekappt. Ein Händler sprach von einem weiterhin schwierigen Umfeld für die Branche. Hinzu kämen die Belastungen durch die Fusion mit der arabischen UASC. So wollen die beiden Container-Reedereien ihre gemeinsame Zukunft mit einer Kapitalerhöhung absichern./gl/he

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)