Aktien Frankfurt Schluss: Erholung nach Talfahrt - Unsicherheit bleibt

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch nach seiner jüngsten Talfahrt einen Erholungstag eingelegt. Der Dax gewann 0,92% auf 9606,71 Punkte. Zuvor war der deutsche Leitindex stark unter Druck geraten und hatte alleine in den vergangenen fünf Handelstagen rund 7,5% verloren. Ängste vor den Folgen eines möglichen Austritts Grossbritanniens aus der Europäischen Union - dem Brexit - hatten die Aktienkurse auf breiter Front nach unten gezogen.
15.06.2016 18:14

Der MDax-Index erholte sich am Mittwoch um 0,70% auf 19'674,36 Punkte. Wie der Dax hatte das Barometer der mittelgrosser Werte im späten Geschäft allerdings Schwierigkeiten, seine zuvor stärkeren Gewinne zu halten. Der TecDax , der Auswahlindex für Technologiewerte, gewann schliesslich 0,50% auf 1582,55 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um fast eineinhalb Prozent vor.

Einige Anleger seien schon wieder auf Schnäppchenjagd gegangen, sagte Aktienhändler Markus Huber vom Broker City of London Markets. Das habe die Kurserholung begünstigt. Huber warnte aber vor übertriebenem Optimismus. Je nachdem, ob die Währungshüter in den USA die internationalen Kapitalmärkte mit Blick auf die Folgen eines möglichen Brexit beruhigten oder nicht, könnten die Börsen laut Huber auch schnell wieder unter Druck geraten.

VERSORGER FÜHREN MARKTERHOLUNG AN

Versorgerwerte avancierten zu den Favoriten im Dax: Tagesgewinner waren Eon-Aktien mit plus 2,60 Prozent, RWE legten um 2,11 Prozent. Aktienhändler sprachen zudem von einer Reaktion auf die jüngsten Kursverluste im Sektor. Zudem würden die Papiere wieder zunehmend als "Sicherer Hafen" angesehen. In unsicheren Zeiten würden sie entsprechend von risikoscheuen Anlegern als defensiv eingestufte Branche wieder mehr und mehr bevorzugt. Aus dem Industriebereich gewannen zudem die schwergewichtigen BASF-Aktien 2,29 Prozent.

Bei Bankaktien war die Kurserholung dagegen nur von kurzer Dauer. Aktien der Deutschen Bank , die am Vormittag an der Dax-Spitze gestanden hatten, retteten ein Plus von 0,95 Prozent über die Ziellinie. Commerzbank-Titel legten schliesslich nur um 0,11 Prozent zu. Seit Ende Mai war die Branche im Zuge des freien Falls der Anleiherenditen und belastet von Brexit-Sorgen besonders schwer unter Druck geraten, wie der europaweite Branchenindex zeigt. Der Aktienkurs der Deutschen Bank befindet sich nahe seines Rekordtiefs. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 40 Prozent verloren und ist damit schlechtester Dax-Wert 2016.

KUKA VON NEUEN SPEKULATIONEN BEFLÜGELT

Im MDax kletterten Kuka-Papiere um 3,51 Prozent nach oben. Eine Pressebericht heizte die Fantasie bei den Aktien des Roboter- und Anlagenbauer neu an. Dem "Wall Street Journal" zufolge könnte der chinesische Bieter Midea noch Konkurrenz bekommen: Der schweizerische Industriekonzern ABB würde demnach ein Gegenangebot für Kuka erwägen, wenn er von den Deutschen darum gebeten würde. Bisher bietet Midea 115 Euro je Kuka-Aktie.

Auch Analystenstudien sorgten für Bewegung: Die Aktien von Wacker Chemie gewannen nach einer Kaufempfehlung der Privatbank Berenberg an der MDax-Spitze 4,37 Prozent. Die Anteile am Arzneimittelhersteller Stada hielten dagegen nach einem verhalten Kommentar von Jefferies mit minus 3,31 Prozent die rote Laterne. Wirecard-Papiere stiegen im TecDax um 1,37 Prozent. Bei den Aktien des Zahlungsabwicklers sehen die Analysten vom US-Haus Stifel eine gute Kaufgelegenheit.

EUROKURS WIEDER ETWAS HÖHER

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 erholte sich um 1,18 Prozent auf 2830,30 Punkte. In Paris und London ging es für die nationalen Indizes ebenfalls nach oben. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial legte zum europäischen Börsenschluss leicht zu.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf -0,11 (Vortag: -0,12) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,08 Prozent auf 143,09 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,01 Prozent auf 165,08 Punkte nach. Den Referenzkurs des Euro setzte die Europäische Zentralbank (EZB) auf 1,1230 (1,1225) US-Dollar etwas höher fest. Der Dollar kostete 0,8905 (0,8909) Euro./fat/he

(AWP)