Aktien Frankfurt Schluss: EZB-Aussagen helfen Dax über 10'700 Punkte

FRANKFURT (awp international) - Aussagen zur Geldpolitik in der Eurozone haben den Dax am Donnerstag über die Marke von 10'700 Punkten gehoben. Nach einsetzenden Verlusten als Reaktion auf die zunächst als überraschungslos eingestufte Rede von EZB-Präsident Mario Draghi drehte der Leitindex bald darauf wieder zurück in die Gewinnzone. Mit einem Aufschlag von 0,52 Prozent bei 10'701,39 Punkten ging er schliesslich aus dem Tag.
20.10.2016 18:12

"Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bot wider Erwarten einige interessante Neuigkeiten", kommentierte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. So habe es unerwartet klare Hinweise gegeben, dass das Anleihekaufprogramm nicht abrupt enden, sondern schrittweise zurückgefahren werde. "Selbst wenn also die Inflation anzieht, werden die Anleihekäufe über den März 2017 hinaus weitergehen." Helaba-Analyst Ralf Umlauf begründete diese von ihm ähnlich gesehene Einschätzung des Marktes mit Hinweisen Draghis auf Abwärtsrisiken und die Notwenigkeit weiterhin hoher monetärer Stimuli.

BÖRSEN DER EUROZONE REAGIEREN EBENFALLS POSITIV

Die deutschen Nebenwerte-Indizes MDax und TecDax gaben dennoch nach. Der Index der mittelgrossen Werte verlor 0,71 Prozent auf 21'400,38 Punkte und der Technologie-Index fiel um 0,13 Prozent auf 1'783,46 Zähler. Die wichtigsten Börsen der Eurozone jedoch reagierten wie der Dax positiv.

Der Leitindex der Euroländer, der EuroStoxx 50, gewann 0,68 Prozent auf 3'076,63 Punkte und auch der Pariser Cac 40 legte zu. Der FTSE 100 in London dagegen schloss kaum verändert. In den USA gaben die wichtigsten Indizes zum europäischen Handelsschluss moderat nach.

LUFTHANSA-AKTIE ERHOLT SICH - GEA-AKTIE BRICHT EIN

Unternehmensseitig zogen vor allem zwei Aktien die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich. Im Dax sprangen die Anteilsscheine der Lufthansa nach dem am Vorabend angehobenen Jahresgewinnziel der Fluggesellschaft um fast 8 Prozent auf 11,285 Euro hoch. Vor zehn Tagen noch war das Papier bei 9,103 Euro auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren gefallen. Seither hat es sich bereits um 24 Prozent erholt, gehört damit aber immer noch zu den drei Unternehmen im 30 Werte umfassenden Leitindex, die sich seit Jahresbeginn am schlechtesten entwickelt haben.

Eine Umsatz- und Gewinnwarnung schockierte hingegen die Anleger der Gea Group, deren Aktien im MDax um etwas mehr als 20 Prozent abstürzten. Als Gründe wurden unter anderem Verzögerungen und Kostenüberschreitungen bei Grossprojekten genannt. Fast der komplette Jahresgewinn des Papiers verpuffte. Die Gewinnwarnung sei umso überraschender, da auf dem Kapitalmarkttag des Unternehmens vor zwei Wochen keine Anzeichen dafür erkennbar gewesen seien, sagte Commerzbank-Analyst Sebastian Growe.

ZALANDO-RALLY GEHT WEITER

Die Zalando-Aktie setzte ihre Rally fort und schloss mit plus 1,10 Prozent bei 40,345 Euro auf Rekordhoch. Am Mittwoch hatten sie nach überraschend starken Gewinnzahlen und einem verbesserten Jahresausblick um knapp 7 Prozent zugelegt. Zalando ist damit an der Börse mehr wert als der nach Umsatz 15 Mal so grosse Handelskonzern Metro.

Studien trieben zudem die Papiere Siltronic , Rational und SAF Holland um 3,5 bis 5,6 Prozent hoch. Das Investmenthaus Kepler Cheuvreux sieht eine Aufhellung der Geschäftsperspektiven bei Siltronic und hält den Halbleiterhersteller zudem für ein Übernahmeziel. Laut der Deutschen Bank überzeugt der Grossküchengerätehersteller Rational mit einer soliden Erfolgsbilanz und sehr guten Wachstumsperspektiven. Die Privatbank Berenberg glaubt, dass der Markt die tatsächliche Stellung des Lkw-Zulieferers SAF Holland in seinen Lkw- und Anhängermärkten unterschätzt.

BUND FUTURE STEIGT - EUROKURS GIBT NACH

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,12 Prozent am Vortag auf minus 0,11 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 143,34 Punkte. Der Bund Future sprang um 0,26 Prozent auf 164,24 Punkte hoch. Der Kurs des Euro, der während der Aussagen von EZB-Chef Draghi auf Berg- und Talfahrt gegangen war, gab letztlich nach und wurde am Abend bei 1,0933 US-Dollar gehandelt. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,0980 (Mittwoch: 1,0979) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9107 (0,9108) Euro./ck/he

(AWP)