Aktien Frankfurt Schluss: EZB lässt lethargischen Dax kalt

FRANKFURT (awp international) - Der Dax ist nach seinem jüngsten Sprung über 10'000 Punkte am Donnerstag in Lethargie verfallen. Auch geldpolitische Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi gaben dem wichtigsten deutschen Aktienindex kaum Impulse. Tagesthema war der Kursrutsch bei der Lufthansa nach einer Gewinnwarnung. Etliche weitere Unternehmen legten ihre Zwischenberichte zur Geschäftsentwicklung vor.
21.07.2016 18:07

Der Dax pendelte um seinen Schlusskurs vom Vortag und notierte zum Handelsende 0,14 Prozent im Plus bei 10'156,21 Punkten. Tags zuvor hatte das Börsenbarometer dank starker Kursgewinne bei den Berichtsunternehmen Volkswagen (VW) und SAP deutlich zugelegt. Den Absturz nach dem britischen Votum für einen EU-Ausstieg hat der Dax dank der Erholungsrally der vergangenen Wochen fast wettgemacht.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen verabschiedete sich am Donnerstag 0,43 Prozent schwächer bei 20'783,90 Punkten, wogegen der Technologiewerte-Index TecDax 0,17 Prozent auf 1'667,57 Punkte gewann. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 trat mit einem Plus von 0,05 Prozent bei 2'968,49 Punkten auf der Stelle. Die nationalen Indizes in Paris und London gaben moderat nach. An der Wall Street stand der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss knapp im Minus.

EZB LÄSST LEITZINS AUF REKORDTIEF

Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt trotz wachsender Konjunktursorgen nach dem Brexit-Votum ihr Pulver vorerst trocken und den Leitzins im Euroraum auf rekordniedrigen null Prozent. Nach Ansicht von Draghi ist das britische Ausstiegsvotum zwar ein Risiko für die Europäische Union. Allerdings hätten die Märkte den Brexit-Schock bislang gut verkraftet. Zudem betonte Draghi, dass er notfalls alle verfügbaren Instrumente nutzen werde, um die Konjunktur zu stützen.

Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda hatte sich derweil gegen radikale geldpolitische Stützungsmassnahmen ausgesprochen, was den Dax ebenfalls nur vorübergehend belastet hatte. Für sogenanntes Helikoptergeld gebe es weder eine Notwendigkeit noch eine Möglichkeit, sagte Kuroda dem britischen Radiosender der BBC. Bei diesem Konzept geht es darum, dass eine Notenbank Geldgeschenke entweder an die private Wirtschaft, den Staat oder auch direkt an die Bürger verteilt.

LUFTHANSA LEIDET UNTER GEWINNWARNUNG

Die ohnehin angeschlagenen Lufthansa-Titel büssten nach einer Gewinnwarnung 5,95 Prozent ein und rutschten ans Dax-Ende. Die Terroranschläge in Europa durchkreuzen die Gewinnpläne der Fluggesellschaft. Analyst Anand Date von der Deutschen Bank sieht nun die Dividende erheblich bedroht.

Die zum Umtausch eingereichten Aktien der Deutschen Börse sanken um 1,56 Prozent. Als Grund für die Kursschwäche sah ein Händler die noch nicht erreichte, selbst gesetzte Zustimmungsquote von 60 Prozent des eigenen Grundkapitals für die angestrebte Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) . Am 26. Juli endet die Frist, in der Aktionäre ihre Anteilsscheine in Papiere des fusionierten Unternehmens umtauschen können.

Daimler trotzte indes dem Dieselskandal in der Autobranche und profitierte in der ersten Jahreshälfte von einem Rekordabsatz, der auch den Umsatz im zweiten Quartal stützte. Analysten sprachen von stgewannenverteuerten sich um 1,31 Prozent.

LEONI NACH ZAHLEN AN MDAX-SPITZE - KRONES ENTTÄUSCHT

Im MDax setzte sich Leoni mit plus 3,41 Prozent an die Spitze. Der Autozulieferer hat nach eigenen Angaben mit seinem Ergebnis vor Zinsen und Steuern im ersten Halbjahr die Markterwartung übertroffen. Ein Börsenhändler sprach von guten Nachrichten und hob hervor, dass sich die Aktie bereits seit Monatsbeginn deutlich erholt habe. "Einige positive Erwartungen waren wohl schon eingepreist."

Die in den letzten Jahren sehr gut gelaufenen Anteilsscheine von Krones verloren als Schlusslicht 8,07 Prozent. Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller kämpft mit einem immer stärkeren Preisdruck. Trotz eines Umsatzwachstums und eines laufenden Sparprogramms war der Überschuss im zweiten Quartal - für Analysten unerwartet - gesunken.

DRILLISCH GLÄNZT MIT KUNDENWACHSTUM

An der TecDax-Spitze zogen die Papiere von Drillisch um 7,47 Prozent an. Der Mobilfunkanbieter hält nach einem erfolgreichen zweiten Quartal an seinen Jahresprognosen fest. Analyst Usman Ghazi von der Privatbank Berenberg hob als besonders positive Aspekte das starke Kundenwachstum sowie die Erholung der Profitabilität und der Barmittel hervor.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,18 Prozent am Vortag auf minus 0,15 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,13 Prozent auf 143,81 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,04 Prozent auf 166,35 Punkte. Der Eurokurs zeigte sich bei 1,1015 US-Dollar kaum bewegt. Zuvor hatte die EZB den Referenzkurs auf 1,1015 (Mittwoch: 1,1013) Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit 0,9078 (0,9080) Euro./gl/he

(AWP)