Aktien Frankfurt Schluss: Kursrutsch dampft Dax-Wochengewinn ein

Die zunehmenden politisch motivierten Belastungen haben dem Dax am Freitag heftig zugesetzt. Auch von der schwächelnden Wall Street, wo die jüngste Gewinnsträhne zu reissen droht, kam keine Schützenhilfe.
24.02.2017 18:01

Nach einem verhaltenen Start weitete der deutsche Leitindex sein Minus aus und schloss 1,20 Prozent tiefer bei 11'804,03 Punkten. Damit schmolzen die Wochengewinne von zwischenzeitlich klar über zwei Prozent auf knapp ein halbes Prozent zusammen. Am Mittwoch war der Dax erstmals seit April 2015 wieder über 12'000 Punkte gestiegen, konnte sich aber ebenso wenig wie am folgenden Tag über der viel beachteten Marke behaupten.

POLITISCHE SORGEN UND SCHWÄCHELNDE WALL STREET

Laut Händlern schürten besonders die anstehenden französischen Präsidentschaftswahlen, bei denen Marine Le Pen vom rechten Front National Siegchancen eingeräumt werden, Ängste um den Zusammenhalt der Europäischen Union. Das bekamen auch die deutschen Nebenwerte-Indizes zu spüren: Der MDax der mittelgrossen Unternehmen sank um 1,05 Prozent auf 23'345,11 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 1,39 Prozent auf 1'885,81 Zähler.

Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,90 Prozent auf 3'304,09 Punkte nach unten. In Paris und London fielen die nationalen Indizes ebenfalls deutlich zurück. Der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial gab zum europäischen Börsenschluss moderat nach.

BASF-AUSBLICK ENTTÄUSCHT

Bei Einzelwerten sorgten vor allem Geschäftsberichte für Bewegung. Die Aktien des Chemiekonzern BASF büssten wegen eines enttäuschenden Ausblicks 2,88 Prozent ein und gehörten zu den grössten Dax-Verlierern. Analysten sahen zudem die Resultate für das Schlussquartal 2016 bestenfalls leicht über den Erwartungen und angesichts der zuvor guten Kursentwicklung die Zeit für Gewinnmitnahmen gekommen.

Bankentitel gerieten durch die anhaltenden Verluste der britischen Grossbanken Royal Bank of Scotland und Standard Chartered unter Druck: Für Commerzbank und Deutsche Bank ging es um knapp drei beziehungsweise über zwei Prozent bergab. Im marktbreiten Stoxx Europe 600 verlor der Subindex der Banken 1,39 Prozent.

KURSSTURZ BEI NORDEX GEHT WEITER

Beim Windturbinenhersteller Nordex setzte sich der Kurssturz ungebremst fort. Nachdem die Aktien wegen gesenkter Umsatzprognosen schon am Donnerstag fast 16 Prozent eingebüsst hatten, sackten sie vor dem Wochenende um weitere 19 Prozent ab. Ein Börsianer sprach von einem enormen Vertrauensverlust. Mehrere Analysten strichen ihre Kaufempfehlungen.

Im SDax der geringer kapitalisierten Werte verbilligten sich die Aktien des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum um 6,11 Prozent. Enttäuschende vorläufige Jahresresultate und die Aussicht auf eine weiter schwache Gewinnentwicklung vermiesten den Anlegern die Stimmung.

ANALYSTENAUSSAGEN BELASTEN PROSIEBEN, SALZGITTER UND BRENNTAG

Beim Medienkonzern ProSiebenSat.1 sorgte ein skeptischer Analystenkommentar für ein Minus von 3,46 Prozent, womit sie Schlusslicht im Dax waren. Kurzfristig schmälerten die weniger klare Strategie im E-Commerce-Geschäft sowie die Wachstumsaussichten im deutschen Fernsehgeschäft die Attraktivität der Papiere, schrieb Analyst Giasone Salati von der australischen Bank Macquarie. Bereits am Vortag hatten sie trotz ordentlicher Geschaftszahlen ihrer dreimonatigen Kurserholung bis Ende Januar weiter Tribut gezollt.

Eine Abstufung drückte Salzgitter mit minus 5,35 Prozent ans MDax-Ende. Analyst James Gurry von der schweizerischen Bank Credit Suisse sind die Markterwartungen für das operative Geschäft des Stahlkonzerns zu optimistisch. Brenntag-Titel verloren 2,71 Prozent. Die Privatbank Berenberg die Wachstumschancen des Chemikalienhändlers nicht mehr ganz so rosig wie zuvor und strich die Kaufempfehlung für die Aktie, die sich seit Mitte November um rund ein Viertel verteuert hatte.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von plus 0,01 Prozent am Vortag auf minus 0,05 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,28 Prozent auf 143,37 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,32 Prozent auf 166,30 Zähler. Der Euro zeigte sich bei 1,0582 US-Dollar fast unverändert. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,0609 (Donnerstag: 1,0573) Dollar festgesetzt./gl/he

(AWP)