Aktien Frankfurt Schluss: Nordkoreas Atomtest beeindruckt Anleger kaum

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am Montag wenig beeindruckt auf den neuen Atomtest Nordkoreas reagiert. Ungeachtet der Nervosität trete ein gewisser Gewöhnungseffekt ein, schrieb Analyst David Madden von CMC Markets UK. Dies zeige sich daran, dass die Kursabschläge geringer als in der vergangenen Woche seien. Umgekehrt halte sich der Preisauftrieb bei als sicher geltenden Anlagen wie Yen, Schweizer Franken und Gold in Grenzen, ergänzten die Experten von Capital Economics.
04.09.2017 18:09

Der Leitindex Dax machte seine anfänglichen Verluste von bis zu 0,76 Prozent zum grossen Teil wett: Er stand zum Handelsschluss noch 0,33 Prozent im Minus bei 12 102,21 Punkten. Auch der MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen reduzierte am Montag seine Verluste und verabschiedete sich 0,46 Prozent tiefer bei 24 711,97 Punkten aus dem Handel. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor letztlich 0,61 Prozent auf 2296,95 Zähler.

WALL STREET WEGEN FEIERTAG GESCHLOSSEN

Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,38 Prozent auf 3430,72 Punkte nach unten. Die nationalen Indizes in Paris und London gaben ähnlich moderat nach. An der Wall Street, die den hiesigen Märkten am Nachmittag sonst häufig die Richtung vorgeben, fand zu Wochenbeginn feiertagsbedingt kein Handel statt.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un testete nach eigenen Angaben am Wochenende eine Wasserstoffbombe, die ein Vielfaches stärker ist als herkömmliche atomare Sprengsätze. Der neuerliche Test sei jedoch letztlich wenig überraschend gekommen, schrieb Marktexperte Jens Klatt. In der vergangenen Woche hatten gestiegene geopolitische Spannungen nach einem Raketentest Nordkoreas noch deutlichere Spuren an den Märkten hinterlassen.

STADA ZIEHEN AN - HOFFNUNGEN STÜTZEN LANXESS

Unter den Einzelwerten stemmten sich die Aktien des kürzlich übernommenen Pharmakonzerns Stada gegen den negativen Markttrend: Sie gewannen an der MDax-Spitze 2,20 Prozent. Die Aussicht auf ein lukratives Abfindungsangebot der neuen Eigner Bain Capital und Cinven an die verbliebenen Minderheitsaktionäre trieb die Papiere an.

Dahinter verteuerten sich die Titel von Lanxess um 1,20 Prozent. Einige Marktteilnehmer schienen darauf zu setzen, dass der laufende Umbau des Spezialchemiekonzerns "sich bald in einer besseren Ertragskraft widerspiegeln könnte", erklärte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. An diesem Dienstag beginnt die zweitägige Kapitalmarktveranstaltung "Meeting the Management" von Lanxess. Sie könnte einige Details zum Konzernumbau liefern.

PROSIEBENSAT.1 WEITER ERHOLT - STUDIEN BELASTEN RWE UND INNOGY

Im Dax stabilisierten sich die jüngst schwer gebeutelten Aktien des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 weiter und gewannen 0,43 Prozent. Börsianer verwiesen als Antrieb auf Aktienkäufe des Managements, nachdem die Papiere in der vergangenen Woche wegen eines vorsichtigeren Ausblicks für den deutschen TV-Werbemarkt zeitweise um über 16 Prozent eingebrochen waren.

Ansonsten bewegten Analystenkommentare die Kurse. So strich die Privatbank Berenberg ihre Kaufempfehlung für die Anteilsscheine des Versorgers RWE . Mit einer deutlichen Erholung der Strompreise rechne er nicht, schrieb Analyst Andrew Fisher. Daraufhin sackten die Papiere am Dax-Ende um 1,43 Prozent ab. Fisher äusserte sich auch skeptisch zu den Aktien der RWE-Ökostromtochter Innogy , die im MDax 2,31 Prozent einbüssten.

METZLER-ABSTUFUNG DRÜCKT GERRESHEIMER ANS MDAX-ENDE

Schlusslicht im Index der mittelgrossen Unternehmen war aber Gerresheimer mit minus 4,42 Prozent, nachdem das Bankhaus Metzler seine Kaufempfehlung gestrichen hatte. Analyst Alexander Neuberger äusserte sich weniger zuversichtlich als bisher zu den Geschäftsaussichten des Spezialverpackungsherstellers.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite bei 0,15 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,01 Prozent auf 141,89 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,28 Prozent auf 165,05 Punkte. Der Euro notierte zuletzt bei 1,1919 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1905 (Freitag: 1,1920) Dollar festgesetzt./gl/jha/

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)