Aktien Frankfurt Schluss: Schwache Quartalszahlen und Euro belasten

Der starke Euro sowie überwiegend schwache Quartalsbilanzen haben die Erholung am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag ausgebremst. Der Dax büsste belastet von hohen Kursverlusten der Aktien der Deutschen Bank, der Deutschen Börse und von Bayer 0,76 Prozent auf 12 212,04 Punkte ein. Von seinem Rekordhoch bei 12 951 Punkten vor gut fünf Wochen ist das Barometer mittlerweile mehr als 700 Punkte entfernt.
27.07.2017 18:26

Marktexperte Andreas Lipkow vom Kreditinstitut Comdirect sprach von störenden Einflüssen durch überwiegend enttäuschende Geschäftsberichte aus Deutschland. Zudem verwies auch er auf den weiterhin teuren Euro , auch wenn dieser im Tagesverlauf schrittweise von seinem am frühen Morgen bei 1,1776 US-Dollar erreichten höchsten Stand seit Januar 2015 etwas zurückkam und am Abend dann 1,1661 Dollar kostet. Eine starke Gemeinschaftswährung kann die Exportchancen deutscher Unternehmen ausserhalb der Eurozone verringern.

DAX AUCH CHARTTECHNISCH ANGESCHLAGEN

Die Experten vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar sehen den Dax zudem als charttechnisch angeschlagen an. Mit dem nächsten Schwung nach unten könnte auch der langfristige Aufwärtstrend bei rund 12 225 Punkte endgültig fallen, was den Weg in Richtung 11 820 Punkte frei machen könnte.

Der MDax beendete den Donnerstag mit minus 0,27 Prozent auf 24 860,66 Punkte. Der TecDax hingegen legte um 0,22 Prozent auf 2283,41 Zähler zu. Europaweit zeigten sich die Börsen wenig verändert, schlossen aber uneinheitlich. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,06 Prozent auf 3493,14 Punkte zu. Minimale Verluste wurden dagegen in Paris und London verzeichnet, während die Börsen in Italien, der Schweiz und Spanien leicht stiegen. In den USA schwangen sich die Börsen bereits zum Handelsstart wieder zu Rekorden auf.

BERICHTSSAISON HÄLT ANLEGER IN ATEM

In Deutschland hielt die Berichtssaison die Anleger weiter in Atem. Wähend die Allianz sich für das Gesamtjahr optimistisch zeigte und die Aktien weit vorn im Dax um 1,36 Prozent zulegten, enttäuschten zahlreiche andere Konzerne. Die Deutsche Börse blieb mit ihren Geschäftszahlen hinter den Erwartungen zurück. Die Aktien wurden mit minus 3,75 Prozent abgestraft. Noch schwächer zeigten sich nach schwachen Erträgen im zweiten Quartal die Titel der Deutschen Bank mit minus 6,48 Prozent.

Der Chemiekonzern BASF meldete erneut einen Gewinnsprung und hob seine Prognosen an. Die Papiere fielen jedoch um 1,95 Prozent. Ein Analyst bezeichnete den angehobenen Ausblick als wenig überraschend. Im Gegensatz zur BASF konkretisierte der Agrarchemie- und Pharmahersteller Bayer nun seine Ende Juni ausgebene Umsatz- und Gewinnwarnung. Die Anteile büssten 2,95 Prozent ein. Zudem verbilligten sich auch die Volkswagen-Vorzüge nach Quartalszahlen um 2,38 Prozent.

VONOVIA PROFITIERT VOM ANDAUERNDEN TIEFZINS-UMFELD

Top-Wert im Dax waren die Anteile von Vonovia mit plus 1,49 Prozent. Laut Analyst Mike van Dulken von Accendo Markets profitierten sie ebenso vom weiter niedrigen Zinsumfeld wie die Aktien des Versorgers Eon , die um 0,52 Prozent vorrückten.

Im Index der mittelgrossen Werte landeten die Anteile von Airbus nach kräftigen Rückgängen bei Umsatz und Gewinn mit minus 3,07 Prozent am Index-Ende. Die Aktien von Leoni dagegen besetzten nach einem starken Halbjahr und angehobenem Jahresergebnisziel des Autozulieferers den ersten Platz mit plus 3,63 Prozent. Am TecDax-Ende verloren die Papiere von Dialog Semiconductor nach dem Quartalsausweis 5,22 Prozent.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,31 Prozent am Vortag auf 0,28 Prozent zu. Der Rentenindex Rex stieg um 0,16 Prozent auf 140,89 Punkte. Der Bund Future legte um 0,10 Prozent auf 162,12 Punkte zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1694 (Mittwoch: 1,1644) US-Dollar fest./ck/she

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

(AWP)