Aktien Frankfurt Schluss: Sorgen vor strafferer Geldpolitik der EZB

Sorgen über eine Verschärfung der Geldpolitik in Europa haben dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag zugesetzt. Zugleich stieg der Euro deutlich. Eine Prognosesenkung des Autozulieferers Schaeffler drückte darüber hinaus auf die Stimmung in der Automobilbranche. Der Dax büsste seine zu Wochenbeginn erzielten moderaten Gewinne wieder ein und fiel letztlich um 0,78 Prozent auf 12 671,02 Punkte.
27.06.2017 18:13

Der MDax verlor 1,44 Prozent auf 24 898,29 Punkte, während es für den Technologiewerte-Index TecDax um 0,97 Prozent auf 2245,44 Zähler abwärts ging. Europaweit sah es ähnlich aus: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büsste 0,66 Prozent auf 3538,32 Punkte ein, und auch in Paris und London wurden Verluste verzeichnet. In den USA kam der der Leitindex Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit plus 0,04 Prozent kaum vom Fleck. Die technologielastigen Nasdaq-Börsen verzeichneten zugleich moderate Verluste.

AUSSAGEN VON DRAGHI TREIBEN EURO HOCH

Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint sich langsam, aber sicher in Richtung einer weniger lockeren Geldpolitik zu bewegen. So deuteten Fachleute die Äusserungen von EZB-Präsident Mario Draghi zur Eröffnung der alljährlichen Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra. Der Euro reagierte zugleich mit starken Kursgewinnen, was Aktien stark exportorientierter Unternehmen belastete. Zuletzt stieg die Gemeinschaftswährung auf 1,1335 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit vergangenem August.

"Spätestens nach Draghis Rede am Vormittag haben auch die letzten auf noch mehr Liquidität hoffenden Anleger eingesehen, dass es bei weiter guter Datenlage Anpassungen in der Geldpolitik geben wird", kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Zwar werde die EZB noch weiter auf dem geldpolitischen Gaspedal bleiben, aber der EZB-Präsident habe zugleich klar gemacht, dass die lockere Geldpolitik keine Einbahnstrasse sei.

BANKENWERTE IM AUFWIND - SCHAEFFLER NACH GEWINNWARNUNG ABGESTRAFT

Während die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank davon im Dax profitierten und um 4,90 Prozent und 3,19 Prozent zulegten, und auch die Titel der Deutschen Pfandbriefbank im MDax 2,20 Prozent gewannen, sackten die Papiere von Schaeffler mit minus 12,83 Prozent an das Ende des Index für mittelgrosse Werte.

Der Autozulieferer hatte seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Begründet wurde dies mit Preisdruck im Automotive-Erstausrüstungsgeschäft sowie mit gestiegenen Kosten. Im Sog dessen verloren die Anteilscheine der Schaeffler-Beteiligung Continental als Dax-Schlusslicht 3,33 Prozent. Die Leoni -Papiere gaben um 3,70 Prozent nach.

STADA-ÜBERNAHME GESCHEITERT

Ebenfalls im Fokus stand die knapp gescheiterte Übernahme des Arzneiherstellers Stada . Die Finanzinvestoren Bain und Cinven verfehlten die für den Deal erforderliche Annahmequote knapp. "Die Frage ist, ob nun die vorherigen Interessenten Advent und Permira noch einmal auf den Plan treten", sagte ein Börsianer. Die geschürten neuen Kauffantasien begrenzten die Verluste der Aktie letztlich auf 3,03 Prozent. Bain und Cinven können theoretisch rein rechtlich erst 2018 ein weiteres Angebot für den Pharmakonzern vorlegen.

Um 2,29 Prozent gaben die Papiere der Deutschen Telekom nach. Beim Poker um die Zukunft des US-Mobilfunkanbieters Sprint hat der Bonner Telekomkonzern offenbar Konkurrenz bekommen. Sprint verhandelt einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge derzeit mit den beiden US-Kabelanbietern Charter Communications und Comcast über eine engere Zusammenarbeit.

BÖRSENDEBÜT VON VAPIANO DURCHWACHSEN

Das Interesse am Markt richtete sich zudem auch auf den Börsengang der Restaurantkette Vapiano . Dieser fiel eher durchwachsen aus. Der erste Kurs hatte zwar bei 23,95 Euro und damit über dem Ausgabepreis von 23,00 Euro je Aktie gelegen. Zeitweise sackten die Papiere dann aber bis auf 22,50 Euro ab, bevor sie sich erholten und letztlich mit zuletzt 24,00 Euro auf Tageshoch schlossen.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,10 Prozent am Montag auf 0,13 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,17 Prozent auf 141,57 Punkte. Der Bund-Future verlor 1,07 Prozent auf 163,41 Punkte. Die EZB legte den Referenzkurs für den Euro am Nachmittag auf 1,1278 (Montag: 1,1187) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8867 (0,8939) Euro./ck/jha/

(AWP)