Aktien Frankfurt Schluss: Starker Eurokurs bremst Aufwärtstrend

FRANKFURT (awp international) - Ein merklich anziehender Eurokurs hat dem Höhenflug des deutschen Aktienmarktes am Dienstag vorerst ein Ende gesetzt. Nach dem zuletzt guten Lauf des Dax nahmen Anleger Gewinne mit. Gute Konjunkturdaten hatten den Leitindex am Vormittag nur kurz beflügelt. Letztlich verlor er 0,58 Prozent auf 10 676,65 Punkte.
16.08.2016 18:07

Das wichtigste deutsche Börsenbarometer hatte jüngst ein Jahreshoch nach dem anderen erreicht und am Vortag sogar seinen bisherigen Jahresverlust wettgemacht, den es seit dem verpatzten ersten Handelstag 2016 vor sich her geschleppt hatte.

Der MDax , der die mittelgrossen Unternehmen repräsentiert, fiel am Dienstag um 0,79 Prozent auf 21 677,55 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax sank um 1,04 Prozent auf 1728,67 Zähler.

POLITISCHE UNSICHERHEITEN NICHT VOM TISCH

Für Zuversicht hatte am Vormittag die Meldung gesorgt, dass sich die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten im August etwas von ihrem scharfen Einbruch im Vormonat erholt hatten. Der ZEW-Index war um 7,3 Punkte auf 0,5 Zähler gestiegen. Bankvolkswirte kommentierten die Zahlen jedoch überwiegend nüchtern.

Als Indiz, dass der Brexit spurlos an der Konjunktur in Kontinentaleuropa vorübergehen werde, sollte der Anstieg des Indikators nicht gesehen werden, schrieben die Experten der BayernLB. Die deutsche Wirtschaft sei widerstandsfähig, die politischen Unsicherheiten seien aber nicht vom Tisch, resümierte Marktanalyst Niall Delventhal von DailyFX.

LINDE SCHNELLEN AN DAX-SPITZE

Unangefochtener Spitzenreiter im Dax waren die Linde-Aktien mit einem Plus von über 11 Prozent. Der Gasehersteller lotet ein Zusammengehen mit Praxair aus und befindet sich in vorläufigen Gesprächen mit seinem US-Konkurrenten. Klappt das Geschäft, könnte ein neuer Weltmarktführer für Industriegase entstehen. Analyst Markus Mayer von der Baader Bank sieht eine mögliche Verbindung von Linde und Praxair positiv, da sie die Überkapazitäten beider Unternehmen reduzieren und die Profitabilität steigern könnte.

Ein skeptischer Analystenkommentar sorgte für Kursverluste von rund 2,4 Prozent bei den Anteilscheinen von Eon . Die schweizerische Grossbank UBS hatte ihre Kaufempfehlung für die Papiere des Versorgers einkassiert. Zwar könnte die anstehende Abspaltung der Kraftwerks- und Handelstochter Uniper positiv überraschen, schrieb Analyst Sam Arie. Der gute Start von Uniper gehe aber zu Lasten des Mutterkonzerns: Eon müsse sich nun vermutlich frisches Kapital beschaffen und eine niedrigere Dividende zahlen.

LEONI AM MDAX-ENDE

Im MDax waren die Papiere von Leoni mit einem Minus von 6,42 Prozent klares Schlusslicht. Der Autozulieferer teilte mit, Opfer krimineller Aktivitäten geworden zu sein. In deren Folge seien Gelder des Unternehmens auf Zielkonten im Ausland transferiert worden. Der Schaden belaufe sich auf rund 40 Millionen Euro. Noch sei nicht abzuschätzen, wie sich dies auf die Jahresprognose auswirke, hiess es.

Aktien der Deutschen Euroshop verloren 1,75 Prozent, nachdem der auf Einkaufszentren spezialisierte Immobilieninvestor seine Halbjahreszahlen vorgelegt hatte. Die wichtigsten Kennziffern seien alles andere als aufregend gewesen, schrieb Analyst Osmaan Malik von der UBS.

EUROKURS STEIGT ZEITWEISE ÜBER 1,13 US-DOLLAR

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,00 Prozent auf 3016,19 Punkte. Der Pariser Cac 40 gab um 0,83 Prozent nach. Für den Londoner FTSE 100 ging es um 0,68 Prozent nach unten. Der New Yorker Dow-Jones-Leitindex stand zum Handelsschluss in Europa rund 0,3 Prozent tiefer.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,24 Prozent am Vortag auf minus 0,22 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 144,28 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,11 Prozent auf 167,45 Punkte zu. Der Kurs des Euro notierte zuletzt bei 1,1279 US-Dollar, war im Laufe des Nachmittags aber bis auf 1,1322 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am späten Nachmittag auf 1,1295 (Montag: 1,1180) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8854 Euro./edh/he

(AWP)