Aktien Frankfurt Schluss: US-Notenbankchefin beflügelt den Dax

Aussagen von US-Notenbankchefin Janet Yellen zur Zinspolitik haben dem Dax am Mittwoch einen Kurssprung beschert. Nach einem freundlichen Handelsstart zog der deutsche Leitindex nochmals kräftig an und schloss 1,52 Prozent höher bei 12 626,58 Punkten. Damit schaffte er es erstmals seit Ende Juni wieder deutlicher über die psychologisch wichtige Marke von 12 500 Punkten.
12.07.2017 18:16

Yellen hatte weitere Leitzinsanhebungen in den USA als angemessen bezeichnet. Oberflächlich betrachtet klängen die Aussagen nach einer restriktiveren Geldpolitik, schrieb Analyst David Madden vom Broker CMC Markets UK. Doch Yellen habe von einer schrittweisen Anhebung gesprochen und darauf verwiesen, dass die Inflationsentwicklung hinter ihrem Ziel zurückbleibe. Die Kernbootschaft sei, dass die US-Wirtschaft stark genug sei, um weiter steigende Zinsen zu verkraften, aber nicht so stark, dass das Tempo der geldpolitischen Straffung angezogen werden müsse, betonte Madden.

Auch für die anderen deutschen Indizes ging es deutlich bergauf: Der Index der mittelgrossen Unternehmen MDax gewann 0,99 Prozent auf 24 949,90 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 1,72 Prozent auf 2275,18 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 1,46 Prozent auf 3515,23 Punkte vor. In Paris und London verabschiedeten sich die nationalen Indizes ebenfalls sichtbar fester aus dem Handel, und der US-Leitindex Dow Jones Industrial stand nach einem erneuten Rekordhoch zum europäischen Börsenschluss über ein halbes Prozent im Plus.

BILFINGER UND SILTRONIC BEWEGT VON NEUEN JAHRESZIELEN

Am deutschen Aktienmarkt zeigten sich Bilfinger und Siltronic deutlich bewegt von neuen Jahreszielen. Im MDax litten die Aktien des kriselnden Industriedienstleisters nur kurzzeitig unter einer Gewinnwarnung und schafften letztlich ein überdurchschnittliches Kursplus von 1,74 Prozent. Die Altlasten, die zu den hohen Belastungen im US-Geschäft geführt hätten, stammten noch aus Zeiten vor der Restrukturierung, sagte ein Börsianer.

Noch mehr Grund zur Freude hatten die Anteilseigner des im TecDax gelisteten Halbleiter-Zulieferers Siltronic : Nachdem dieser sich dank eines deutlichen Preisanstiegs im laufenden Jahr erneut optimistischer zu Umsatz und Profitabilität geäussert hatte, sprangen die Aktien bis auf 85,65 Euro hoch - damit blieben sie nur knapp 2 Prozent unter ihrem gut einen Monat alten Rekordhoch. Am Ende behaupteten sie bei 84,08 Euro - ein Plus von 7,91 Prozent.

METRO VOLLZIEHT AUFSPALTUNG - STIDIEN BEWEGEN POST UND PROSIEBEN

Der Handelskonzern Metro vollzog derweil mit Einträgen ins Handelsregister durch das Amtsgericht Düsseldorf seine Aufspaltung in einen Lebensmittelhändler und einen Elektronikanbieter. Bereits am Donnerstag sollen die Aktien der beiden neuen, selbstständigen Unternehmen in Frankfurt und Luxemburg an die Börse gehen - dann wird der MDax kurzzeitig 51 Mitglieder haben. Die Aktie der alten Metro zählte an ihrem letzten Handelstag mit minus 0,10 Prozent zu den schwächsten Werten im MDax.

Analystenstudien bewegten im Dax die Deutsche Post und ProSiebenSat.1 . Während die Aktien des Logistikkonzerns mit plus 2,70 Prozent zu den Spitzenwerten zählten und von einer Kurszielanhebung und Kaufbekräftigung der Deutschen Bank profitierten, büssten die Titel des Medienunternehmens 0,40 Prozent ein. Nach einigen kürzlich veröffentlichten negativen Studien äusserte sich nun unter anderem auch das Analysehaus Warburg Research negativ. Analyst Lucas Boventer rechnet mit schwachen Ergebnissen für das zweite Quartal und strich sein Kaufvotum.

Das Analysehaus Jefferies kassierte seine Kaufempfehlung für den Autozulieferer Schaeffler , was dessen Aktien mit minus 1,54 Prozent zum MDax-Schlusslicht machte. Dagegen verhalf ein positiver Kommentar der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Konkurrent Leoni eine Kurserholung um 4,76 Prozent und den ersten Platz im Index der mittelgrossen Unternehmen. Die französische Grossbank Societe Generale nahm die Aktien des Online-Modehändlers Zalando mit einer Kaufempfehlung in ihre Bewertung auf. Die Aktien gewannen 4,07 Prozent.

EUROKURS FÄLLT NACH YELLEN-AUSSAGEN ZURÜCK

Der Eurokurs fiel nach den Aussagen von Yellen auf zuletzt 1,1411 US-Dollar zurück, nachdem er am Vorabend kräftig zugelegt hatte. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank (EZB) auf 1,1449 (Dienstag: 1,1405) Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,37 Prozent am Vortag auf 0,35 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,12 Prozent auf 140,33 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,35 Prozent auf 161,44 Punkte./gl/mis

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

(AWP)