Aktien Frankfurt Schluss: US-Zinsängste sorgen für Ernüchterung

FRANKFURT (awp international) - Die Furcht vor einer strafferen Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) hat am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte grössere Gewinnmitnahmen ausgelöst. Der Leitindex Dax schloss am Mittwoch mit einem Minus von 1,30 Prozent auf 10 537,67 Punkte. Bereits am Vortag hatte ein merklich anziehender Eurokurs dem Höhenflug deutscher Dividendenpapiere ein Ende gesetzt. Eine teurere Gemeinschaftswährung kann die Exportaussichten der deutschen Unternehmen verschlechtern.
17.08.2016 18:06

Der MDax , der die mittelgrossen Unternehmen repräsentiert, gab am Mittwoch um 0,96 Prozent auf 21 469,98 Punkte nach. Aufgrund deutlicher Kursverluste beim Schwergewicht United Internet büsste der Technologiewerte-Index TecDax 1,77 Prozent auf 1698,02 Punkte ein.

US-NOTENBANKER LIEFERT HINWEIS AUF LEITZINSERHÖHUNG

Nachdem der Dax Ende Juli den Brexit-Schock überwunden und danach neue Jahreshochs erklommen habe, hätten Anleger nun Kasse gemacht, hiess es an der Börse. "Insgesamt aber eine sehr gesunde Entwicklung, auf seinem Weg nach oben muss der Markt zwischendurch Luft holen", sagte Marktexperte Jochen Stanzl von CMC Markets.

Laut Marktstratege Frank Geilfuss vom Berliner Bankhaus Löbbecke diente dabei die erneut aufgeflammte Zinsdebatte in den USA als willkommener Anlass, Gewinne mitzunehmen. Mit Dennis Lockhart, dem Präsidenten der regionalen Notenbank von Atlanta, hatte am Dienstag ein weiterer US-Zentralbanker einen Hinweis auf eine weitere Leitzinserhöhung in diesem Jahr geliefert. Neue Aufschlüsse über den geldpolitischen Kurs im weiteren Jahresverlauf könnte das am Abend auf der Agenda stehende Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung geben.

LINDE DEUTLICH SCHWÄCHER NACH VORTAGSRALLY

Mit einem Minus von knapp 3 Prozent gehörten die Papiere von Linde zu den schwächsten Einzelwerten. Sie hatten am Dienstag von Hoffnungen auf einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Praxair profitiert und waren um 11 Prozent in die Höhe geschnellt. Analyst Thorsten Strauss von der NordLB sieht derzeit aber noch viele Unsicherheiten. Die kartellrechtlichen Probleme, die das Zusammengehen der Nummer zwei und drei auf dem Markt für Industriegase mit sich bringen würde, wären erheblich.

Im MDax litten die Aktien des Leuchtmittelherstellers Osram unter negativen Nachrichten des LED-Produzenten Cree und fielen um 1,41 Prozent. Cree habe in seinem vierten Geschäftsquartal bei der Bruttomarge enttäuscht und so die Gewinnerwartungen leicht verfehlt, sagte ein Börsianer. Zudem habe der Umsatzausblick die Prognosen der Analysten verfehlt.

ANALYSTENSTUDIE BELASTET UNITED INTERNET

Ganz unten im MDax waren die Papiere von Bilfinger mit einem Abschlag von mehr als 4 Prozent zu finden. Händler nannten in Ermangelung fundamentaler Belastungsfaktoren charttechnische Gründe für den Wertverlust des Bau- und Dienstleistungskonzerns.

Schlusslicht im TecDax waren die Anteilsscheine von United Internet mit einem Verlust von 5,61 Prozent. Das Düsseldorfer Bankhaus Lampe hatte seine Kaufempfehlung für die Aktien des Internetdienstleisters gestrichen. Analyst Wolfgang Specht fürchtet zunehmend, dass United Internet angesichts stärkeren Gegenwinds im operativen Geschäft sein Wachstum der vergangenen Jahre nicht aufrechterhalten könne.

EURO GIBT LEICHT NACH

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,18 Prozent auf 2980,54 Punkte. Der Pariser Cac 40 gab um knapp 1 Prozent nach, der Londoner FTSE 100 um rund ein halbes Prozent. Der New Yorker Dow-Jones-Leitindex notierte zum Handelsschluss in Europa rund 0,4 Prozent tiefer.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,22 Prozent am Vortag auf minus 0,19 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,18 Prozent auf 144,02 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,10 Prozent auf 167,00 Zähler zu. Der Kurs des Euro stand am Mittwoch zuletzt bei 1,1262 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am späten Nachmittag auf 1,1276 (Vortag: 1,1295) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8868 Euro./edh/he

(AWP)