Aktien Frankfurt: Schwache Japan-Börse und starker Euro belasten Dax

FRANKFURT (awp international) - Der Dax hat am Donnerstag deutliche Verluste erlitten. Börsianer machten mit dem schwachen japanischen Aktienmarkt, dem weiter hohen Eurokurs und der nahenden Abstimmung über den EU-Verbleib Grossbritanniens gleich mehrere Belastungsfaktoren aus.
09.06.2016 12:02

Gegen Mittag stand der Dax 1,18 Prozent tiefer bei 10 096,73 Punkten. Nach einem freundlichen Wochenbeginn war ihm schon am Mittwoch der Schwung ausgegangen. Der Start der Unternehmensanleihen-Käufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) am Vortag habe den europäischen Märkten keinen positiven Schub gegeben, sagte Analyst Michael Hewson von CMC Markets UK.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen verlor vor diesem Hintergrund am Donnerstag 0,78 Prozent auf 20 662,45 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gab um 1,17 Prozent nach auf 1678,57 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,96 Prozent auf 2990,87 Zähler bergab.

KEIN RÜCKENWIND VON VORGABEN - MÖGLICHER BREXIT RÜCKT NÄHER

In Tokio hatte der Nikkei-225-Index knapp ein Prozent im Minus geschlossen. Hier drückten der stärkere Yen, der die Exporte erschwert, und ein Einbruch bei den japanischen Maschinenwerkzeug-Aufträge auf die Stimmung.

Zudem sei der Dax zwei Wochen vor dem möglichen Brexit "zwischen Angst und realistischer Einschätzung" gefangen, hiess es im Bernecker-Börsenbrief "AB-Daily". "Nur ein neuer Dow-Jones-Rekord könnte ihn aus dieser Zwangslage befreien", glauben die Experten. Davon ist der US-Leitindex allerdings noch über 300 Punkte oder knapp zwei Prozent entfernt.

KAUFEMPFEHLUNGEN BEFLÜGELN RWE UND HANNOVER RÜCK

Bei Einzelwerten sorgten Analystenkommentare für Kursausschläge. Die Titel des Versorgers RWE setzten ihre Erholungsbewegung fort und eroberten mit plus 1,13 Prozent die Dax-Spitze. Das Analysehaus Raymond James hatte sie hochgestuft und rät nun zum Kauf.

Im MDax favorisierten die Anleger dank einer Kaufempfehlung des Bankhauses Lampe den Rückversicherer Hannover Rück : Dessen Aktien gewannen 1,40 Prozent. Dagegen gehörte der Verpackungsspezialisten Gerresheimer mit minus 1,46 Prozent zu den Verlierern, nachdem das Investmenthaus Mainfirst sein Kaufvotum gestrichen hatte.

VW SCHWACH NACH NEGATIVEM BERICHT

Die Vorzugsaktien von Volkswagen verloren 1,72 Prozent. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat nach eigenen Angaben gegen einen VW-Mitarbeiter ein Verfahren eingeleitet, der vor Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen im vergangenen September Kollegen indirekt aufgefordert haben soll, Dokumente und Daten zu löschen. Dass die EZB offenbar VW-Unternehmensanleihen gekauft hat, half den Aktien letztlich nicht.

Am Nachmittag rücken noch die Aktien der Deutschen Telekom und des Medienkonzerns Axel Springer in den Fokus. Denn dann findet die Pressekonferenz der Deutschen Fussballliga zur Vergabe der Medienrechte ab der Bundesliga-Saison 2017/18 statt.

Die Telekom-Titel verloren im Einklang mit der schwachen Branche zuletzt 2,55 Prozent, womit sie zu den grössten Dax-Verlierern zählten. Händler verwiesen auch auf dividendenbedingte Depotanpassungen, nachdem Anleger bei der Telekom zwischen einer Ausschüttung oder dem Bezug von Aktien als Dividende wählen können. Axel Springer gaben im MDax um 1,47 Prozent nach.

DIVIDENDENABSCHLAG LÄSST EON UND RHÖN SCHWACH AUSSEHEN

Eon-Aktien verloren 6,65 Prozent. Verantwortlich für die rote Laterne im Dax war primär der Dividendenabschlag von 0,50 Euro je Aktie. Auch beim Klinikbetreiber Rhön-Klinikum und beim Technologiekonzern Jenoptik sorgte vor allem der Dividendenabschlag für optisch schwache Kurse./gl/das

(AWP)