Aktien Frankfurt: Schwindende Brexit-Sorgen treiben Dax Richtung 10 000 Punkte

FRANKFURT (awp international) - Dank nachlassender Brexit-Sorgen ist der Dax am Montag mit einem satten Kurssprung in den Handel gestartet und nähert sich bereits wieder der Marke von 10 000 Punkten. Umfragen zufolge zeichnet sich bei den Briten eine Mehrheit für einen Verbleib in der EU ab. Das hatte bereits den Börsen in Asien deutlich Auftrieb gegeben.
20.06.2016 11:58

Bis zur Mittagszeit gewann das deutsche Börsenbarometer 3,11 Prozent oder knapp 300 Punkte auf 9930,78 Zähler, nachdem es seit Anfang Juni fast durchweg bergab gegangen war. Die Sorge vor einem Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU hatte die Kurse in den Vorwochen massiv belastet.

Der MDax der mittelgrossen Konzerne stieg zur Mittagszeit um 2,74 Prozent auf 20 228,74 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 2,65 Prozent auf 1617,17 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 bewegte sich wieder in Richtung 3000 Punkte: Er legte zuletzt um 2,89 Prozent auf 2931,52 Punkte zu.

URTEIL ÜBER UNBEGRENZTE ANLEIHEKÄUFE

Mit Blick auf die Volksabstimmung in Grossbritannien am Donnerstag machten zuletzt die Gegner eines EU-Austritts Boden gut: "Die Quoten der 21 grössten Wettbüros in Vereinigten Königreich zeigen aktuell eine Austrittswahrscheinlichkeit von gut 35 Prozent an", so Investmentanalyst Clemens Bundschuh von der LBBW. Laut einem Händler sind daher Absicherungsgeschäfte zurückgefahren worden.

Das freundliche Bild für die Börsen wird allerdings vom Ausgang der Kommunalwahlen in Italien etwas getrübt. Mit Siegen bei den Bürgermeister-Stichwahlen in Rom und Turin hatte die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung einen überraschend klaren Doppelerfolg feiern können. Das dürfte auch die Sorgen mit Blick auf die Neuwahlen in Spanien schüren, nachdem im Mai die Regierungsbildung gescheitert war.

Mit Sorgen könnten einige Börsianer zudem auf das am Dienstag anstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BverfG) schauen. Das BVerfG befasst sich dann mit der Rettungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Dabei geht es um die Ankündigung von EZB-Chef Mario Draghi von 2012, zur Beruhigung der Finanzmärkte notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenländern zu kaufen.

BANKENWERTE AUF ERHOLUNGSKURS

Unter den Einzelwerten ragten die zuvor extrem gebeutelten Aktien der Deutschen Bank hervor, die an der Spitze im Dax 5,48 Prozent gewannen. Die Titel der Commerzbank stiegen um 2,77 Prozent. Bankaktien hatten besonders unter den Brexit-Sorgen gelitten, und auch der freie Fall der Anleiherenditen hatte der Branche kräftig zugesetzt.

Die Papiere der Deutschen Telekom stiegen um leicht unterdurchschnittliche 2,36 Prozent. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf eine informierte Person berichtete, erwägt der Konzern den Kauf des Hostinganbieters Host Europe Group (HEG) für um die 1,7 Milliarden Euro. Ein Telekomsprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

VW UND DÜRR PROFITIERTEN VON POSITIVEN STUDIEN

Die Volkswagen-Vorzüge profitierten von einer positiven Studie der US-Grossbank JPMorgan und legten um 4,46 Prozent zu. Analyst Jose Asumendi rechnet damit, dass sich zwar im laufenden Jahr noch alles um die Behebung des Dieselproblems in Nordamerika und Europa drehen werde, es dann aber allmählich aufwärts gehe. Er hob die Aktie auf "Overweight".

Dürr gewannen nach einer Kaufempfehlung der Bank of America Merrill Lynch 4,99 Prozent und zählten damit zu den gefragtesten Werten im MDax. Die Aktie des Maschinen- und Anlagenbauers werde im Vergleich zur Branche mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt, erklärte Analyst Kai Müller. Dies sei aber nicht gerechtfertigt. Dürr sei eindeutig ein Marktführer in den meisten seiner Endmärkte, die von Autolackieranlagen bis hin zu Holzverarbeitungsmaschinen reichten.

SCHAEFFLERS ERSTER TAG IM MDAX

TAG Immobilien landeten am MDax-Ende. Der Immobilienkonzern schüttet eine Dividende von 0,55 Euro je Anteilsschein aus.

Die Aktien des MDax-Neulings Schaeffler stiegen um marktkonforme 2,86 Prozent, während die von Wincor Nixdorf um unterdurchschnittliche 1,24 Prozent im SDax zulegten. Der Kassensystemhersteller, der zu grossen Teilen vom US-Rivalen Diebold übernommen wurde, musste seinen Platz mit dem Autozulieferer tauschen. Das hatte die Deutsche Börse bereits Anfang Juni bekannt gegeben./ck/stb

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

(AWP)