Aktien Frankfurt: Sehr schwache Autowerte lasten weiter auf dem Dax

Die erneut sehr schwachen Autowerte haben am Montag den Dax weiter nach unten gedrückt. Nachdem der deutsche Leitindex am Vormittag unter 12 200 Punkte gerutscht war, dämmte er seine Verluste mit einem Minus von zuletzt 0,23 Prozent auf 12 212,51 Punkte etwas ein. Es ist der tiefste Stand seit gut drei Monaten. Der MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen büsste zuletzt 0,15 Prozent auf 24 519,27 Punkte ein. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um deutlichere 0,87 Prozent auf 2255,01 Zähler runter. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 drehte zuletzt moderat ins Plus.
24.07.2017 14:49

Es könnte nun eine Vorentscheidung darüber fallen, ob es sich bei den jüngsten Dax-Verlusten nur um eine normale Korrektur handele oder eine grössere Abwärtsbewegung drohe, schrieben die Experten des Börsenstatistik-Magazins Index Radar. Sie sehen das Barometer vor einer saisonal schwierigen Phase und schätzen die Chancen für eine mittelfristig positive Entwicklung als eher gering ein.

Die Berichtssaison nimmt in dieser Woche Fahrt auf, auch wenn am Montag von ihr noch keine entscheidenden Impulse ausgehen. Mit den Einkaufsmanager-Indizes für die Industrie und die Dienstleistungen in Deutschland gab es dafür wichtige Konjunkturdaten. Die Indizes gaben zwar nach, doch laut den Volkswirten der Helaba bleibt das Wachstumsszenario intakt, denn die Werte lägen weiter deutlich im Expansionsbereich. In Frankreich legte der Index für die Industrie sogar zu.

EURO STABIL AUF HOHEM NIVEAU

Die Daten trieben den Euro zwar nicht weiter nach oben, aber mit zuletzt 1,1652 US-Dollar steht die Gemeinschaftswährung weiterhin deutlich über der Marke von 1,16 Dollar. In der Nacht auf Montag war sie gar bis auf 1,1684 Dollar gestiegen. Bereits in der vergangenen Woche hatte ein starker Anstieg des Euro zum US-Dollar die Stimmung unter den Aktien-Anlegern getrübt. Der Dax hatte auf Wochensicht mehr als 3 Prozent verloren. Ein starker Euro kann zur Belastung für die Exportindustrie werden.

Zur Wochenmitte steht zudem der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed auf der Agenda. Es wird zwar keine abermalige Zinsanhebung erwartet, es könnte aber Hinweise auf den geldpolitischen Kurs im weiteren Jahresverlauf geben.

AUTOWERTE WEITER IM ABWÄRTSSOG

Gesprächsthema Nummer eins am Markt war auch zum Wochenstart der Kartellverdacht bei den deutschen Autobauern, deren Aktien an ihren Abwärtstrend vom Freitag anknüpften. Der "Spiegel" hatte Ende vergangener Woche über den Verdacht jahrelanger illegaler Absprachen zu Lasten von Verbrauchern und Zulieferern berichtet. Deutsche Autowerte waren daraufhin unter Druck geraten.

Händlern zufolge prüfen inzwischen die EU-Kartellwächter mögliche Vorwürfe gegen die Autokonzerne. Die Anteile der im Dax notierten Hersteller Daimler , Volkswagen und BMW sackten als die drei schwächsten Index-Vertreter am Montag um teils mehr als dreieinhalb Prozent ab. Solange es bei den Autobauern keine Klarheit gebe und mögliche hohe Strafen drohten, würden Investitionen in deren Aktien mit Blick auf die zyklischen und technologischen Risiken schwieriger, so ein Experte.

WEITERE VERLUSTE BEI MORPHOSYS, SARTORIUS UND ADVA

Die Aktien des Labor- und Pharmazulieferers Sartorius verloren als TecDax-Schlusslicht mehr als 4 Prozent. Nach den mit Skepsis aufgenommenen Halbjahreszahlen vom Freitag stuften nun das Bankhaus Metzler und die Norddeutsche Landesbank die Papiere von "Halten" auf "Verkaufen" ab.

Auch den Morphosys-Papieren setzte der Rückschlag bei einem Wirkstoff weiter kräftig zu, nachdem sie deswegen bereits am Freitag nach Börsenschluss abgerutscht waren. Zuletzt verloren sie mehr als zweieinhalb Prozent. Der Wirkstoff Anetumab Ravtansine hatte in einer Phase 2-Studie sein primäres Studienziel verfehlt, wie Morphosys und der Partner Bayer am Freitag mitgeteilt hatten.

Adva Optical setzten ihre Talfahrt mit einem Minus von rund 3 Prozent ebenfalls fort. Bei dem Telekomausrüster hatte bereits am vergangenen Donnerstag ein vorsichtiger Ausblick für einen Kursrutsch gesorgt, der sich am Freitag ausgeweitet hatte. Das Margenziel von Adva für das dritte Quartal erscheine ambitioniert, hiess es nun von der LBBW.

ROCKET SEHR SCHWACH AM SDAX-ENDE

Die Aktien der Start-up-Schmiede Rocket Internet litten mit einem Minus von fast 5 Prozent unter einem negativen Analystenkommentar. Die Investmentbank Barclays hatte die im SDax notierten Papiere von "Overweight" auf "Equal Weight" abgestuft und das Kursziel von 24,15 auf 22,00 Euro gesenkt. Den Aktien mangele es derzeit an positiven Impulsen, hiess es./ajx/fbr

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---

(AWP)