Aktien Frankfurt: Sorgen vor US-Zinserhöhung ziehen Dax runter

FRANKFURT (awp international) - Der Leitindex Dax hat seine jüngsten Verluste deutlich ausgeweitet. Das Börsenbarometer ist am Mittwoch im Handelsverlauf immer stärker unter Druck geraten und fiel bis zum frühen Nachmittag um 1,05 Prozent auf 10 564,89 Punkte. Die Furcht vor einer strafferen Geldpolitik der US-Notenbank sorgte für Gewinnmitnahmen.
17.08.2016 14:52

Am Dienstag hatte bereits ein merklich anziehender Eurokurs dem Höhenflug des hiesigen Aktienmarktes ein Ende gesetzt. Eine teurere Gemeinschaftswährung verschlechtert die Exportaussichten der deutschen Unternehmen.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen gab am Mittwoch um 0,58 Prozent auf 21 551,19 Punkte nach. Angesichts deutlicher Kursverluste beim Schwergewicht United Internet büsste der Technologiewerte-Index TecDax 1,55 Prozent auf 1701,93 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor knapp 1 Prozent.

US-NOTENBANKER LIEFERT HINWEIS AUF LEITZINSERHÖHUNG

Nachdem der Dax Ende Juli den Brexit-Schock überwunden und danach sogar neue Jahreshöchststände erklommen hatte, nähmen nun einige Anleger Gewinne mit, sagte Marktstratege Frank Geilfuss vom Berliner Bankhaus Löbbecke. Dabei habe ihnen die erneut aufgeflammte Zinsdebatte in den USA als willkommener Anlass gedient. Mit Dennis Lockhart, dem Präsidenten der regionalen Notenbank von Atlanta, hatte erst am Dienstag ein weiterer amerikanischer Notenbanker einen Hinweis auf eine mögliche weitere Leitzinserhöhung in diesem Jahr geliefert.

Nach Ansicht des Marktbeobachters Jens Klatt ist es noch zu früh, schon vom Ende der Sommer-Rally zu sprechen. Allerdings müsse auch klar sein, dass "aus Gewinnmitnahmen zügig Skepsis, ja vielleicht sogar grössere Nervosität und Angst werden kann".

LINDE NUN AM DAX-ENDE

Aktuell richten sich die Blicke der Anleger am Abend auf das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed, das nach dem Xetra-Schluss auf der Agenda steht. Sie erhoffen sich Signale für den geldpolitischen Kurs im weiteren Jahresverlauf.

Am Dax-Ende fielen die Papiere von Linde um rund 3,5 Prozent. Sie waren am Dienstag um rund 11 Prozent in die Höhe geschnellt und hatten damit von der Hoffnung auf einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Praxair profitiert. Analyst Thorsten Strauss von der NordLB sieht derzeit noch viele Unsicherheiten. Die kartellrechtlichen Probleme, die das Zusammengehen der Nummer zwei und drei auf dem Markt für Industriegase mit sich bringen würde, wären erheblich.

ANALYSTENSTUDIE BELASTET UNITED INTERNET

Im MDax gaben die Aktien des Leuchtmittelherstellers Osram um gut 1 Prozent nach und litten damit unter negativen Branchennachrichten des LED-Produzenten Cree . Cree habe in seinem vierten Geschäftsquartal bei der Bruttomarge enttäuscht und so die Gewinnerwartungen leicht verfehlt, sagte ein Börsianer. Zudem habe der Umsatzausblick die Prognosen der Analysten verfehlt. Die Cree-Aktien sackten im vorbörslichen US-Handel um rund 9 Prozent ab.

Schlusslicht im TecDax waren die Anteilsscheine von United Internet mit einem Verlust von 4,72 Prozent. Das Düsseldorfer Bankhaus Lampe hatte seine Kaufempfehlung für die Aktien des Internet-Konzerns gestrichen. Er sorge sich zunehmend, dass das Unternehmen angesichts stärkeren Gegenwinds im operativen Geschäft die Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre nicht aufrechterhalten könne, schrieb Analyst Wolfgang Specht./la/das

(AWP)