Aktien Frankfurt: Steigende Italien-Renditen drücken Dax auf Tief seit April

Der Kursverfall am deutschen Aktienmarkt hat sich am Dienstag ungebremst fortgesetzt. Steigende Zinsen an den Kapitalmärkten, allen voran auf italienische Anleihen, belasteten den Dax im Verlauf des Tages zunehmend. Er verlor am Nachmittag 0,63 Prozent auf 11 871,70 Zähler und fiel auf den niedrigsten Stand seit Anfang April.
09.10.2018 14:40

Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets sprach von einer "gefährlichen Kombination aus höheren Schulden und steigenden Zinsen", welche die Börsen belaste. Nicht nur in den USA, auch in der Eurozone stiegen die Renditen, allen voran die italienischer Papiere. Grund seien die von der Regierung geplanten höheren Schulden. "Das Vorbild der USA lockt", sagte Stanzl mit Blick auf die schuldenfinanzierten Steuersenkungen der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Im frühen Anleihenhandel in den USA, der am Vortag geschlossen war, kletterten die Renditen ebenfalls auf neue mehrjährige Höchststände.

Die Rendite zehnjähriger italienischer Papiere stieg am Dienstag auf ein neues Rekordhoch seit Anfang 2014. "Die Kapitalabflüsse aus europäischen Anleihen haben zwischenzeitlich die stärkste Dynamik seit 2014 erreicht", sagte Analyst Jens Klatt von JK Trading. Die Abflüsse aus italienischen Papieren seien sogar so stark wie seit der europäischen Schuldenkrise 2011 nicht mehr.

Der Dax ist nach den Verlusten der vergangenen Tage nur noch knapp vom Jahrestief von Ende März entfernt. Sollte er auch diese Unterstützung durchbrechen, rechnen viele Marktbeobachter mit weiteren Verlusten.

Der Index der mittelgrossen Unternehmen MDax verlor knapp ein Prozent auf 24 622,10 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,50 Prozent auf 3293,02 Zähler abwärts.

Grösster Kursgewinner im Dax waren die Papiere des Zahlungsdienstleisters Wirecard mit einem Plus von gut 2 Prozent. Das Unternehmen will Umsatz und Gewinn bis zum Jahr 2025 kräftig steigern. Der Aktienkurs war am Vortag um gut 12 Prozent eingebrochen, was Händler mit Gewinnmitnahmen begründet hatten.

Ein wahres Kursdesaster erlebten die Papiere des Elektronikhändlers Ceconomy , die nach der dritten Gewinnwarnung im laufenden Geschäftsjahr um fast 18 Prozent einbrachen. Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs nahezu gedrittelt. "Unglaublich, aber leider wahr", sagte Analyst Volker Bosse zu dem enttäuschenden Zahlenwerk. Die erneut gesenkten Zielvorgaben beschädigten die Glaubwürdigkeit des Unternehmens. Aktien von Freenet verloren 3,5 Prozent, der Telekomanbieter hält rund 9 Prozent der Ceconomy-Aktien.

RWE verloren weitere 2,4 Prozent. Der gerichtlich angeordnete Rodungsstopp im Hambacher Forst lastet weiter auf dem Aktienkurs. Seit dem Urteil sind die Papiere um rund 16 Prozent eingebrochen.

Airbus sanken um 2,3 Prozent. Börsianer verwiesen auf einen Kreisebericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach der wichtige Deal mit der Fluggesellschaft Emirates zur Auslieferung des Superjumbos A380 ins Stocken geraten sein soll.

Aktien von Isra Vision gewannen knapp fünf Prozent. Warburg Research stufte die Aktie von "Hold" auf "Buy" hoch. Der Kurs der Aktie war seit Anfang September um ein Drittel eingebrochen.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,36 Prozent am Montag auf 0,39 Prozent. Der Rentenindex Rex gab um 0,13 Prozent auf 139,89 Punkte nach. Der Bund-Future trat mit 158,06 Prozent auf der Stelle.

Der Euro wertete angesichts der Verluste italienischer Anleihen weiter ab und fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte August. Zuletzt notierte er mit 1,1433 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1478 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8712 Euro gekostet./bek/jha/

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

(AWP)