Aktien Frankfurt: Ungewissheit über Zinsentwicklung lässt Anleger abwarten

FRANKFURT (awp international) - Die Ungewissheit über die Zinsentwicklung in den USA lähmt weiterhin die Anleger am deutschen Aktienmarkt. So bewegten sich die wichtigsten Indizes auch am Donnerstag nur wenig. Der Leitindex Dax pendelte um seinen Vortagesschluss und stand gegen Mittag 0,24 Prozent im Plus bei 10'402,97 Punkten. Bei dem kleinen Plus half eine positive Geschäftseinschätzung des Siemens-Chefs. Ansonsten befänden sich die Anleger im Wartemodus, schrieb Marktanalyst Mike van Dulken vom Handelshaus Accendo Markets.
15.09.2016 12:24

Die bisherige Wochenbilanz des Dax ist mit rund 1,5 Prozent Minus negativ. Am Markt herrsche immer noch ein hohes Mass an Unsicherheit, sagte Händler Markus Huber von City of London Markets. Die Anleger fragten sich weiterhin, wann die US-Notenbank Fed eine härtere Gangart einschlage. Äusserungen von US-Notenbankern über eine weitere Leitzinserhöhung waren zuletzt widersprüchlich, was für heftige Kursausschläge sorgte. Die Fed wird am Mittwoch nächster Woche ihre geldpolitischen Massnahmen bekanntgeben. Höhere Zinsen machen Anleihen gegenüber Aktien attraktiver.

Der MDax der mittelgrossen deutschen Unternehmen fiel bis zum Donnerstagmittag um 0,13 Prozent auf 21'050,10 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,15 Prozent auf 1'745,35 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,15 Prozent zu.

SIEMENS SCHNELLEN AN DAX-SPITZE

Die Aktien von Siemens sprangen an der Dax-Spitze um gut 2 Prozent an. Unternehmens-Chef Joe Kaeser sieht den Elektrokonzern kurz vor dem Abschluss des Geschäftsjahres auf gutem Kurs. "In diesem Jahr liegen wir gut, was unseren Ausblick betrifft", sagte Kaeser der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Im Blick blieben auch die Papiere von Bayer: Einen Tag nach der Ankündigung, sich mit dem US-Biotechnologiekonzern Monsanto über dessen Übernahme geeinigt zu haben, fielen die Papiere der Leverkusener um rund 1 Prozent. Tags zuvor hatten sie bereits anfängliche Kursgewinne deutlich reduziert und am Ende lediglich 0,27 Prozent höher geschlossen. Nun meldeten sich viele Analysten mit ihren Einschätzungen zu Wort.

Im MDax sorgten vor allem Analystenkommentare für teils deutliche Bewegungen. So knüpften die Aktien von Krones an ihren jüngsten Kursrutsch an und fielen um knapp 3,5 Prozent. Das Margensteigerungspotenzial des Herstellers von Getränkeabfüllanlagen dürfte mittlerweile nahezu aufgebraucht sein, schrieb der Experte Hans-Joachim Heimbürger vom Analysehaus Kepler Cheuvreux. Zuvor hatte bereits eine skeptische Studie der Bank UBS für Verkaufsdruck gesorgt.

LEONI SACKEN ANS MDAX-ENDE

Am Index-Ende sackten die Anteilsscheine von Leoni um rund 6 Prozent ab. Der Kabelhersteller und Autozulieferer hatte am Mittwoch wegen des millionenschweren Betrugsfalls seine Prognose gesenkt. Die Aktien waren jedoch nur kurzzeitig kräftig abgesackt und hatte sich später sogar ins Plus gerettet. Nun sorgte Kepler-Analyst Michael Raab mit einer Kurszielsenkung für neuen Verkaufsdruck. Der Betrugsfall koste den Konzern etwa 27 Prozent der Barmittel, die zum Ende des zweiten Quartals in der Kasse gewesen seien. Das sei ein schweres Pfund.

Südzucker-Aktien gewannen mehr als 1 Prozent. Auftrieb gab hier eine sehr positive Studie der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas. Analyst Mikheil Omanadze hält es für wahrscheinlich, dass der Zuckerkonzern bald sein Jahresziel für das operative Ergebnis nach oben schrauben könnte.

BVB LEGEN NACH KANTERSIEG ZU

Unter den Favoriten im SDax der gering kapitalisierten Werte stiegen die Anteilsscheine von Borussia Dortmund um gut 2 Prozent. Der Bundesliga-Klub hatte sich mit seinem höchsten Champions-League-Sieg nach einem Jahr Pause furios zurückgemeldet. Beim 6:0 über Aussenseiter Legia Warschau machte der BVB gleich einen grossen Schritt auf dem Weg in Richtung Achtelfinale./la/das

(AWP)