Aktien Frankfurt: Verluste eingedämmt - Deutsche Bank erholt sich von Rekordtief

FRANKFURT (awp international) - Neue Sorgen um die Deutsche Bank haben am Freitag die Stimmung am gesamten Frankfurter Aktienmarkt belastet. Allerdings dämmten die wichtigsten Indizes ihre Verluste angesichts der freundlich erwarteten Wall Street deutlich ein. Gleiches galt für die Papiere des grössten heimischen Geldhauses und andere Finanztitel. Zum Börsenstart war die Deutsche-Bank-Aktie erstmals in der Unternehmensgeschichte unter 10 Euro gerutscht.
30.09.2016 14:59

Am Nachmittag stand der Dax noch 0,40 Prozent tiefer bei 10 363,64 Punkten. Auf Wochensicht winkt ihm damit ein Minus von zweieinhalb Prozent; die Bilanz für den September sieht ein wenig besser aus. Mehrere Börsianer betonten die Wichtigkeit der charttechnischen Unterstützungszone bei rund 10 250 Punkten - sollte sich der heimische Leitindex nicht darüber behaupten können, drohe ein Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten.

Der MDax der mittelgrossen Unternehmen verlor zuletzt 0,51 Prozent auf 21 384,18 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax sank noch um 0,20 Prozent auf 1781,77 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,82 Prozent auf 2967,16 Punkte bergab.

DEUTSCHE BANK ERHOLT SICH VON REKORDTIEF

Die Aktien der Deutschen Bank markierten bei 9,898 Euro ein neues Rekordtief - zuletzt notierten sie aber nur noch 1,84 Prozent im Minus bei 10,675 Euro. Auslöser des Kursrutsches war ein Bericht von Bloomberg: Bestimmte Hedgefonds hätten teilweise überschüssige Geldbestände und Positionen bei der Deutschen Bank reduziert, hatte die Nachrichtenagentur am Donnerstagabend unter Berufung auf ein vorliegendes internes Dokument der Frankfurter berichtet.

Doch dann riefen die Analysten anderer Geldhäuser die Anleger zur Besonnenheit auf. Deutschlands Branchenprimus habe ausreichend finanzielle Mittel, um mit seinen Problemen fertig zu werden, lautet die einhellige Meinung. Die Deutsche Bank ist in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verwickelt - so fordert etwa die US-Regierung wegen dubioser Hypothekendeals 14 Milliarden US-Dollar.

Auch die Aktien der Commerzbank konnten sich deutlich erholen - zuletzt lagen sie noch 3,39 Prozent im Minus. Der radikale Konzernumbau, dem unter dem Strich 7300 Stellen zum Opfer fallen sollen, schlägt sich auch im Vorstand nieder: Der langjährige Chef der Mittelstandssparte, Markus Beumer, verlasse das Institut auf eigenen Wunsch Ende Oktober, teilte die Commerzbank mit. Der Vertrag war allerdings erst im vergangenen Jahr bis Ende 2020 verlängert worden.

ÜBERNAHMEFANTASIEN STÜTZEN INFINEON UND OSRAM

Der Halbleiterkonzern Infineon war mit einem Kursplus von 3,71 Prozent Dax-Spitzenreiter. Börsianer verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge der europäische Konkurrent NXP Semiconductors durch den US-Rivalen Qualcomm geschluckt werden könnte. "Die Branchenkonsolidierung scheint Fahrt aufzunehmen", sagte ein Händler. An der Wall Street waren die NXP-Papiere am Donnerstag um 17 Prozent hochgesprungen, Qualcomm hatten über 6 Prozent gewonnen.

Auch bei Osram stützte Übernahmefantasie den Kurs: Die Aktien eroberten mit plus 1,78 Prozent die MDax-Spitze, nachdem das "Handelsblatt" berichtet hatte, nach dem Kauf des traditionellen Lampengeschäfts wollten chinesische Firmen den Lichtkonzern nun komplett übernehmen. "Wir befinden uns fortlaufend mit bestehenden und potenziellen Investoren im Gespräch, kommentieren aber keine einzelnen Gespräche", teilte ein Osram-Sprecher am Donnerstagabend mit.

STARKES BÖRSENDEBÜT VON VA-Q-TEC

Der Würzburger Isolier-Spezialist VA-Q-Tec legte trotz des verhaltenen Börsenumfelds einen starken Börsenstart hin: Der erste Kurs der Aktie lag mit genau 14 Euro deutlich über dem Ausgabepreis von 12,30 Euro - von hier aus legte sie weiter zu./gl/stb

(AWP)