Aktienfokus: Facebook verlieren an einem Tag den Börsenwert von IBM

Die Aktien von Facebook haben am Donnerstag ihren Rekordlauf mit einem Kursabsturz abrupt beendet. Da die EU-Datenschutzverordnung und der Datenskandal um Cambridge Analytica das Online-Netzwerk stärker als erwartet getroffen hatten, sackten die Anteilscheine zuletzt um 18,72 Prozent auf 176,79 US-Dollar ab.
26.07.2018 16:51

Der Börsenwert von Facebook sank so mit einem Schlag um rund 120 Milliarden Dollar (103 Milliarden Euro). Das ist etwas mehr als das im US-Leitindex Dow Jones Industrial gelistete Computer-Urgestein IBM derzeit an der Börse wert ist.

Nach Greifen der neuen Datenschutz-Regeln war in Europa die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer überraschend deutlich zurückgegangen. Die Anleger blicken mit Argusaugen auf den Wert, weil die Reichweite entscheidend für Facebooks Werbegeschäft ist.

Zudem enttäuschten der Umsatz und die sehr vorsichtige Prognose des Managements. Das waren zu viele negative Nachrichten für die erfolgsverwöhnten Investoren: Die Papiere steuern damit auf den grössten prozentualen Tagesverlust ihrer gut sechsjährigen Börsengeschichte zu. Sie fielen auf das Niveau von Anfang Mai zurück.

Analysten senkten in Reaktion auf die Zahlen reihenweise ihre Kursziele für Facebook oder stuften die Papiere sogar ab. So betonte Heather Bellini von der US-Investmentbank Goldman Sachs, dass Facebook erstmals seit dem Börsengang die Gewinnerwartungen verfehlt habe. Das Werbegeschäft sei deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Analyst Lloyd Walmsley von der Deutschen Bank ergänzte, die schwächere Wachstumsprognose des Online-Netzwerkes habe beträchtliche Unsicherheiten losgetreten. Die Papiere könnten dementsprechend in naher Zukunft erst einmal auf ihrem nun reduzierten Niveau stagnieren.

Andere Experten blickten aber schon optimistisch in die Zukunft. Schliesslich habe Facebook die Wachstumsprognose für 2018 nicht nur wegen der negativen Währungseffekte gekürzt, schrieb Analyst Brian Nowak von der US-Investmentbank Morgan Stanley. Vielmehr investiere das Unternehmen auch in die Zukunft, um das neue Feature "Stories" zur Erstellung von Bilder- und Videosammlungen zu bewerben.

Und laut Analyst Christian Koch von der DZ Bank habe Facebook seine Prognosen in der Vergangenheit in der Regel immer übertroffen. Für die Entwicklung der Profitabilität sei nun unter anderem von zentraler Bedeutung, dass das Unternehmen die "Stories" und die Videoplattform in bares Geld ummünzen könne. Angesichts des aktuellen Kursrückschlags sowie der hohen Nettoliquidität und der auch in Zukunft hohen Wachstumsraten empfehle er die Aktien weiter zum Kauf.

Mit Blick auf die Kursentwicklung seit dem Börsenstart von Facebook im Mai 2012 erscheint der Kurssturz an diesem Dienstag gleichwohl eher wie ein Ausrutscher. Schliesslich haben sich die Anteilscheine seit ihrem Tief bei 17,55 Dollar im September 2012 innerhalb von rund fünf Jahren verzehnfacht. Ihr Rekordhoch erreichten sie am Mittwoch bei 218,62 Dollar./la/tih/he

(AWP)