Aussicht auf US-Zinserhöhung beflügelt Anleiherenditen und US-Dollar

(Ausführliche Fassung) - Eine grundlegende Änderung in der Einschätzung der Zinspolitik in den USA hat für Bewegung an den Finanzmärkten gesorgt. Während die erste Rede des US-Präsidenten Donald Trump vor dem Kongress die Kurse in der Nacht zum Mittwoch nur vergleichsweise wenig bewegen konnte, sorgte die Aussicht auf eine schnelle Zinserhöhung vor allem bei Renditen für amerikanische Staatsanleihen für Auftrieb. Der Kurs des US-Dollars konnte im Handel mit anderen wichtigen Währungen ebenfalls zulegen.
01.03.2017 09:59

In der Nacht ist die Rendite für richtungsweisende US-Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf bis zu 2,42 Prozent gestiegen. Am Dienstagnachmittag hatte die Rendite noch bei 2,36 Prozent gelegen. Auch in der kurzen zweijährigen Laufzeit kam es zu einem vergleichsweise starken Anstieg der Renditen.

NEW YORKER NOTENBANKCHEF: ZINSERHÖHUNG 'VIEL MEHR ZWINGENDER'

William Dudley, der einflussreiche Präsident der regionalen Notenbank von New York, hatte am Vorabend in einer Rede vor dem Auftritt von Präsident Trump gesagt, dass eine weitere Zinserhöhung zuletzt "viel mehr zwingender" geworden sei. Sein Kollege John Williams, Chef der Notenbank in San Francisco sagte zudem, dass eine Zinserhöhung beim nächsten Treffen der Fed im März ernsthaft erwogen werden könnte.

Nach den beiden Reden hat sich die Einschätzung für eine Zinserhöhung der Fed im März an den Finanzmärkten grundlegend geändert. Während die Wahrscheinlichkeit vor den Reden noch auf etwa 50 Prozent geschätzt wurde, ist der Wert auf zuletzt 80 Prozent gestiegen. Damit gilt eine Zinserhöhung an den Märkten als weitgehend eingepreist. Seit Dezember liegt der Leitzins in den USA in einer Spanne zwischen 0,50 Prozent und 0,75 Prozent.

AUSSICHT AUF SCHNELLE ZINSERHÖHUNG STÜTZT DEN DOLLAR

Ähnlich wie in den USA stiegen auch am Markt für europäische Staatsanleihen am Morgen die Renditen, während die Kurse im Gegenzug nachgaben. Allerdings hielt sich die Bewegung hier in Grenzen. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen konnte nur zum Handelsauftakt spürbar zulegen und stieg zeitweise auf 0,23 Prozent, fiel dann aber wieder auf 0,22 Prozent zurück.

Die Aussicht auf eine schnelle US-Zinserhöhung stütze am Morgen weiterhin den Kurs des US-Dollars, der im Handel mit nahezu allen führenden Währungen der Welt zulegen konnte. Im Gegenzug geriet der Kurs des Euro unter Druck und fiel am Morgen bis auf 1,0526 Dollar. In der Nacht hatte die Gemeinschaftswährung noch bei 1,06 Dollar gestanden.

YELLEN-REDE IM FOKUS

Aussagen des amerikanischen Präsidenten konnten die Kurse dagegen nur vergleichsweise leicht bewegen. Trump lieferte in seiner Rede vor dem amerikanischen Kongress in Washington keine Einzelheiten zu seiner angekündigten Steuerreform und zu geplanten Investitionen.

Neue Hinweise erhoffen sich die Anleger nun von Reden weiterer wichtiger US-Notenbanker, die am Freitag auf dem Programm stehen. Die Auftritte der US-Notenbankchefin Janet Yellen und ihres Stellvertreters Stanley Fischer dürften daher am Freitagabend stark beachtet werden. Die nächste Zinsentscheidung der Fed wird am 15. März veröffentlicht./jkr/jsl

(AWP)