Bosch in VW-Abgasaffäre im Visier von Sammelklage in den USA

Berlin (awp/sda/afp) - US-Kläger werfen dem Autozulieferer Bosch vor, massiv in den Manipulationsskandal von Volkswagen verwickelt zu sein. Bosch habe mindestens seit 2005 von illegalen Abschalteinrichtungen gewusst, sie mitentwickelt und daran mitgewirkt, ihre Funktionsweise vor den Behörden zu verschleiern.
07.09.2016 18:22

Das heisst es in einer Sammelklage vor einem US-Gericht in San Francisco, die der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlag. Bosch äusserte sich nicht zu den Vorwürfen.

"Bosch war ein wissender und aktiver Beteiligter in einer massiven, ein Jahrzehnt langen Verschwörung mit VW, um US-Kunden zu betrügen", heisst es in der Klage, deren jüngste Fassung vom 2. September zahlreiche neue Details enthält. Dem Zulieferer komme in dem Skandal eine "entscheidende Rolle" zu.

Im Juni 2008 forderte Bosch demnach Volkswagen schriftlich auf, die Firma von einer möglichen Haftung für die Abschalteinrichtung zu befreien. Diese sei laut US-Recht "verboten", schrieb der weltgrösste Autozulieferer der Klageschrift zufolge.

Akustikfunktion vorgeschoben

Obwohl Volkswagen einen Haftungsausschluss verwehrt habe, habe Bosch die sogenannte "Akustikfunktion" für weitere sieben Jahre weiterentwickelt, heisst es in der Klage weiter. Die Abschalteinrichtung wurde demnach als "Akustikfunktion" bezeichnet, weil diese darauf ausgerichtet war, den Motor leiser zu machen.

Laut Klageschrift half Bosch spätestens ab 2007, die "Akustikfunktion" zu verschleiern. Als Beleg dafür führen die Kläger einen E-Mail-Wechsel zwischen Verantwortlichen von Volkswagen und Bosch an.

Ein Bosch-Manager habe bestätigt, dass Bosch die Abschalteinrichtung in bestimmten Baubeschreibungen für die US-Behörden nicht erwähnen wolle. "Bosch war besorgt, wegen Beteiligung an einem Betrug mit Abschalteinrichtungen gefasst zu werden", schlossen die Kläger daraus.

Bosch hält sich bedeckt

Bosch teilte am Mittwoch mit, derzeit an einer Klageerwiderung zu arbeiten. "Das wird noch einige Zeit dauern, eine feste Frist zur Einreichung bei Gericht gibt es nicht", betonte das Unternehmen. "Bis dahin äussern wir uns nicht zu laufenden Untersuchungen und Gerichtsverfahren." Bosch wies darauf hin, in verschiedenen Ländern mit den Behörden zusammenzuarbeiten und seine Interessen vor Gericht zu verteidigen.

Bosch hatte nach Bekanntwerden des Manipulationsskandals vor etwa einem Jahr zugegeben, Volkswagen mit Softwarekomponenten beliefert zu haben. Bislang bestritt das Unternehmen aber, von den Manipulationen gewusst zu haben.

(AWP)