Brexit: Finanzmärkte in Aufruhr - Aktien und Pfund im freien Fall

(Zusammenfassung)
24.06.2016 09:42

FRANKFURT/LONDON/SINGAPUR/TOKIO (awp international) - Das überraschend klare Votum der Briten für einen Brexit hat die Finanzmärkte auf dem falschen Fuss erwischt. Nachdem die meisten Akteure in den vergangenen Tagen auf einen Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union gesetzt hatten, ging es am Freitag nach dem Brexit-Votum kräftig nach unten. Vor allem beim britischen Pfund findet ein Ausverkauf statt, aber auch an den Aktienmärkten sorgte der bevorstehende Austritt für Verluste in selten gesehenen Höhen.

Der Dax sackte zum Handelsstart rund 10 Prozent auf 9228 Punkte ab. Verlierer waren vor allem die Finanzwerte. In London ging es für den FTSE 100 zirka 8 Prozent nach unten - und an den anderen europäischen Handelsplätzen sah es nicht viel besser aus. Zudem verbilligte sich das Öl wegen der Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts aus Grossbritannien. Gesucht waren dagegen sichere Häfen wie Gold und Staatsanleihen von Ländern wie Deutschland und USA.

PFUND STEUERT AUF GRÖSSTEN TAGESVERLUST ZU

Nach über 40 Jahren wollen die Briten als erstes Land überhaupt die Europäische Union verlassen. Eine Mehrheit von rund 52 Prozent der Stimmen sprach sich für den Brexit aus, den Austritt aus der Europäischen Union.

Diese Entscheidung sorgt vor allem beim Pfund für einen Ausverkauf. Die britische Währung fiel bis auf 1,3229 Dollar und war damit rund elf Prozent billiger als kurz nach Mitternacht, als das Pfund zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet hatte. Zuletzt hatte sich die Währung allerdings wieder etwas erholt und stand bei 1,3627 Dollar. Damit dürfte die britische Währung im Tagesverlauf aber immer noch mehr verlieren als am 16. September 1992, als Grossbritannien nach massiven Pfund-Verkäufen grosser Investoren das Europäische Währungssystem (EWS) verlassen musste.

EURO RUTSCHT DEUTLICH AB

Auch der Euro stand stark unter Druck. Am frühen Morgen kostete die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise nur noch 1,0913 Dollar und damit mehr als fünf Prozent weniger als noch wenige Stunden davor, als die Hoffnung auf einen Verbleib Grossbritanniens noch überwogen hatte. Experten rechnen im Handelsverlauf mit weiter starken Bewegungen. Zuletzt konnte sich auch der Euro etwas erholen und war wieder über der Marke von 1,10 Dollar.

Ebenfalls heftige Ausschläge gab es an den Aktienmärkten in Asien. Der japanische Leitindex Nikkei 225 verlor knapp 8 Prozent - hier waren die Verluste besonders heftig, da der Yen infolge des schwachen Pfund stark zulegte und damit die Exportwirtschaft des fernöstlichen Landes belastet. Aber auch an den anderen Märkten ging es nach unten. "Alle sind falsch positioniert", sagte ein Börsianer. "Keiner hat damit gerechnet, dass die Briten wirklich austreten. Jetzt gibt es immensen Absicherungsbedarf."

STAATSANLEIHEN UND GOLD HAUSSIEREN

Nach oben ging es dagegen für deutsche Staatsanleihen. Der richtungweisende Euro-Bund-Future stieg nach Handelsstart sprunghaft an und kletterte um 1,98 Prozent auf 167,20 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel wieder in den negativen Bereich - die Anleger zahlen damit bei Investitionen in deutsche Staatspapiere drauf. Es wurde ein neuer historischer Tiefstand von minus 0,17 Prozent erreicht. Auch der Goldpreis zog deutlich an und erreichte den höchsten Stand seit fast zwei Jahren./zb/stk

(AWP)