Chinesischer Deutsche-Bank-Grossaktionär: 'Unser Einfluss wird überschätzt'

Der chinesische Grossaktionär der Deutschen Bank beteuert, seinen Einfluss auf Deutschlands grösstes Geldhaus nicht weiter auszubauen. "HNA ist mit dem Anteil von 9,9 Prozent sehr zufrieden, es gibt keine Pläne, die Beteiligung zu erhöhen", sagte Alexander Schütz, der den chinesischen Mischkonzern HNA im Aufsichtsrat der Bank vertritt, dem "Spiegel". Gleichzeitig wies er den im Raum stehenden Verdacht zurück, dass sich die Chinesen mit dem zweiten Grossaktionär Katar verbündet haben könnten, um die Deutsche Bank zu kontrollieren. "Die Vorstellung, dass HNA und Katar sich abgesprochen hätten, ist völliger Unsinn", sagte Schütz. "Unser Einfluss wird überschätzt."
04.08.2017 18:01

Jüngst hatte es in Medienberichten geheissen, die Europäische Zentralbank als zuständige Aufsichtsbehörde erwäge ein sogenanntes Inhaberkontrollverfahren, um einen genaueren Blick auf die beiden Grossaktionäre zu werfen. Regulär wird eine solche Prüfung dann gemacht, wenn ein Eigentümer mindestens 10 Prozent der Anteile einer Bank hält. Das Emirat Katar besitzt nach letzten Angaben über zwei Investmentgesellschaften insgesamt mindestens 6 Prozent der Anteile und hat ebenfalls einen Vertreter im Aufsichtsrat.

HNA war erst Anfang des Jahres bei der Deutschen Bank eingestiegen und hatte angekündigt, das Management als Anker-Aktionär unterstützen zu wollen. Bankchef John Cryan baut das von Rechtsstreitigkeiten mitgenommene Traditionshaus um und sammelte dafür am Kapitalmarkt acht Milliarden Euro an frischem Geld ein. Der chinesische Mischkonzern zog bei dieser Kapitalerhöhung mit und stockte seine Beteiligung sogar auf. Allerdings sagten die Chinesen von Anfang an, nicht über 10 Prozent gehen zu wollen.

Der Einstieg erfolgte über den Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat, dessen Gründer und Vorstand Alexander Schütz ist. Die Idee, Investoren zu suchen, sei im Herbst 2016 bei C-Quadrat entstanden, sagte er dem "Spiegel". Damals war der Kurs auf ein Allzeittief gerutscht, nachdem Zweifel an der Standfestigkeit der Deutschen Bank aufgekommen waren. "Da wir bereits über eine enge Beziehung zu HNA verfügten, war es nur logisch, das Thema mit dem HNA-Geschäftsführer Adam Tan zu besprechen", sagte Schütz. Erst später habe man Kontakt zu Katar wie auch zu anderen bedeutenden Aktionären wie Blackrock aufgenommen, "um ihre Sicht auf die Deutsche Bank kennenzulernen". C-Quadrat gehört mittlerweile mehrheitlich zu HNA./das/mis/he

(AWP)