Covestro bestätigt Jahresziele - Stellenstreichungen geplant

25.10.2018 09:29

LEVERKUSEN (awp international) - Der Spezialchemiekonzern Covestro hält trotz eines schwieriger werdenden Marktumfeldes an seinen Jahreszielen fest. Im abgelaufenen dritten Quartal lieferte das Geschäft mit Materialien für harte Kunststoffe, sogenannte Polycarbonate, Rückendwind. Das Geschäft mit Grundstoffen für Weich- und Hartschäume - Polyurethane - stand hingegen erwartungsgemäss unter Druck. Das operative Ergebnis sank daher. Das Unternehmen kündigte zudem Einsparungen in der Verwaltung an, wobei es auch zu Stellenstreichungen kommen soll.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll 2018 weiterhin über dem Vorjahreswert von etwa 3,4 Milliarden Euro liegen, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Leverkusen mitteilte. Obwohl das wirtschaftliche Umfeld zunehmend herausfordernd sei und es nur eine eingeschränkte Produktverfügbarkeit in Europa und Asien gegeben habe, habe das dritte Quartal seinen Erwartungen entsprochen, erklärte Finanzchef Thomas Toepfer. So gab es etwa ungeplante Anlagenstillstände.

Covestro steigerte den Umsatz in den drei Monaten bis Ende September im Vergleich zum Vorjahr um fast 5 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Das Ebitda lag mit 859 Millionen Euro nur knapp unter dem Vorjahreswert. Hier schlug der Rückgang des operativen Ergebnisses in der Polyurethan-Sparte um rund ein Fünftel durch. Neben einem leicht gesunkenen Absatz machten vor allem höhere Rohstoffkosten Covestro zu schaffen. Zudem lässt die Sonderkonjunktur infolge von Produktionsausfällen der Konkurrenz langsam nach, von der Covestro lange profitiert hatte.

Im Geschäft mit harten Kunststoffen lief es dank einer guten Nachfrage und höherer Verkaufspreise besser. Zudem trug der Verkauf des US-Plattengeschäfts zu einem Gewinnsprung bei. Aber auch ohne die Veräusserung wäre das Ebitda in dem Segment um rund ein Drittel gestiegen. In der kleinsten Unternehmenssparte CAS, die Beschichtungen, Haft- und Dichtungsmittel sowie Spezialitäten umfasst, blieb das operative Ergebnis stabil. Unter dem Strich verdiente der Konzern 496 Millionen Euro und damit einen Tick mehr als vor einem Jahr.

Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan hob in einer ersten Reaktion den bestätigten Jahresausblick sowie eine besser als gemeinhin erwartete Entwicklung im dritten Quartal hervor. Ob das ausreichen werde, die angeschlagene Stimmung der Anleger aufzuhellen, sei aber fraglich.

So lasten die Furcht vor den Folgen einer abkühlenden Autokonjunktur und eines schwächeren Wachstums der Weltwirtschaft sowie die Unsicherheit über die Folgen der erwarteten Normalisierung im Polyurethan-Geschäft seit Monaten auf den Aktien. Seit dem Rekordhoch von 95,78 Euro im Januar ging es um rund 45 Prozent abwärts. Am Donnerstag startete nun ein Stabilisierungsversuch: Die Papiere traten im frühen Handel auf der Stelle.

Covestro steckt unterdessen weiter viel Geld in den Ausbau der Produktion. Zusätzlich zu den laufenden Investitionen an Standorten in Deutschland, Spanien, Belgien und China hatte Covestro jüngst angekündigt, über mehrere Jahre insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten für das Schaumstoffvorprodukt MDI am US-Standort Baytown zu stecken. Dadurch soll dem erwarteten Nachfragewachstum Rechnung getragen werden.

Auch wegen der Investitionen für die Expansion fiel der freie operative Mittelzufluss (Free Operating Cashflow) im abgelaufenen dritten Quartal zwar um mehr als 12 Prozent auf 578 Millionen Euro, im Gesamtjahr strebt Konzernchef Markus Steilemann aber weiterhin einen Wert von mehr als zwei Milliarden Euro an. Die Kennzahl gibt an, wie viel Geld ein Unternehmen zur freien Verfügung hat. Das ist auch für die Höhe der Dividende oder Aktienrückkäufe wichtig.

In der Verwaltung will das Unternehmen die Kosten senken, auch durch die Digitalisierung. Spätestens 2021 werden Einsparungen von rund 350 Millionen Euro pro Jahr erwartet. Im Zuge dessen sollen auch rund 900 Stellen weltweit entfallen. Der Personalabbau solle durch "sozialverträgliche Lösungen" erfolgen, die mit dem Betriebsrat in Deutschland bereits vereinbart worden seien, hiess es. Ende September beschäftigte der Konzern weltweit rund 16 600 Mitarbeiter./mis/nas/jha/

(AWP)