Dämpfer für Aktionäre im Musterverfahren zu VW-Übernahmeschlacht

(Aktualisierte Fassung) - In Hannover hat am Donnerstag das Musterverfahren wegen der geplatzten Übernahme von Volkswagen durch Porsche vor neun Jahren begonnen. Es geht um Milliarden. Und es gibt ein überraschendes vorläufiges Ende.
12.10.2017 17:13

Herber Rückschlag für die Kläger: Im Milliardenstreit um die Folgen der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche 2008 werden die Chancen auf Schadenersatz geringer. Umstrittene Pressemitteilungen der Porsche-Holding von damals seien nach vorläufiger Bewertung - anders als von den klagenden Aktionären dargestellt - "nicht grob falsch" gewesen.

Dies sagte der Vorsitzende Richter des Kartellsenats am Oberlandesgericht Celle, Matthias Wiese, am Donnerstag zum Auftakt der mündlichen Verhandlung in dem Musterverfahren in Hannover.

Hintergrund ist die Übernahmeschlacht zwischen der Porsche-Holding und Volkswagen vor neun Jahren. Der Versuch misslang, Porsche wurde zu einer Marke im VW-Konzern. Es gab Kursturbulenzen - was einige Anleger viel Geld kostete, die sich nun falsch informiert fühlen.

Befangenheitsantrag eingereicht

Die Kläger stellten einen Befangenheitsantrag gegen die drei zuständigen Richter. Nach Wieses Einschätzung könnte ein grosser Teil der Ansprüche unbegründet sein. Ein Porsche-Sprecher wollte sich zunächst nicht dazu äussern. Musterkläger-Anwalt Andreas Tilp betonte, die Auffassung der Richter sei noch vorläufig.

Ziel des Prozesses nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz ist eine Rahmenentscheidung, die für alle Beteiligten bindend ist. Dazu wird der Fall eines stellvertretenden Musterklägers verhandelt. Solche Verfahren können sich über Jahre hinziehen.

Allerdings vertagte Richter Wiese nach dem Befangenheitsantrag die Verhandlung. Der für Freitag vorgesehene Termin werde aufgehoben, damit über das Ablehnungsgesuch beraten werden könne. In dem Antrag hiess es, es gebe "berechtigte Zweifel an der Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der Richter". Die Musterklägerin ARFB Anlegerschutz UG schloss sich dem Antrag an.

(AWP)