Deutsche Anleihen legen weiter zu - britische Rendite auf Rekordtief

FRANKFURT (awp international) - Deutsche Staatsanleihen waren am Montag weiter als sicherer Anlagehafen gefragt. Einen Handelstag nach dem Entschluss der Briten, die Europäische Union verlassen zu wollen, blieben viele Marktteilnehmer in der Defensive. Der richtungweisende Euro-Bund-Future stieg bis zum frühen Abend um 0,46 Prozent auf 166,75 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel um gut sechs Basispunkte auf minus 0,12 Prozent. Am Freitag hatte sie ein Rekordtief von minus 0,17 Prozent erreicht.
27.06.2016 18:32

Die Verunsicherung der Marktteilnehmer bleibe hoch, heisst es in einem Kommentar der Landesbank Hessen-Thüringen. Zum einen sei unklar, wie es nach dem Brexit-Votum weitergehe. Zum anderen herrsche in Spanien nach den Neuwahlen vom Wochenende Unklarheit. Dort hatte die konservative Regierungspartei zwar überraschend gut abgeschnitten, eine Regierungsbildung dürfte sich aber nach wie vor äusserst schwierig gestalten.

Spanische Staatsanleihen legten dennoch zu, im Gegenzug sank ihre Rendite. Auch andere südeuropäische Staatspapiere stiegen im Kurs, allerdings bei weitem nicht so stark wie spanische Titel. Einige Beobachter hoben hervor, dass sich der Brexit in Spanien nicht in Zugewinnen populistischer Kräfte niedergeschlagen habe. Chefökonom Holger Schmieding vom Bankhaus Berenberg verwies darauf, dass die linksgerichtete Podemos noch weiter von einer Regierungsbildung entfernt sei als zuvor.

Gefragt waren auch britische Staatsanleihen, obwohl die ökonomischen Folgen des Brexit von einer grossen Mehrheit von Volkswirten als negativ für das Königreich bewertet werden. Dennoch fiel die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen des Königreichs erstmals unter die Marke von ein Prozent. Steigende Kurse bringen fallende Renditen mit sich, weil Anleger beim Kauf der Papiere mehr bezahlen müssen, die Nominalverzinsung (Zinskupon) aber unverändert bleibt./tos/jha/

(AWP)