EZB treibt Euro ungewollt auf höchsten Stand seit Anfang 2015

Der Euro steigt und steigt: Einen Tag nach den geldpolitischen Beschlüssen der Europäischen Zentralbank (EZB) kletterte er auf den höchsten Stand seit Januar 2015. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung legte am Freitagmorgen bis auf 1,2092 US-Dollar zu. Zuletzt kostete ein Euro mit 1,2050 Dollar wieder etwas weniger. EZB-Präsident Mario Draghi äusserte sich am Donnerstag zwar kritisch zur Euro-Stärke. Gleichzeitig sorgte er aber mit Signalen für einen baldigen Ausstiegsplan zum Wertpapierkaufprogramm für Auftrieb beim Euro.
08.09.2017 10:42

Den aktuellen Kursanstieg führen Experten auf Nachwirkungen der EZB-Entscheidungen vom Vortag zurück. Die Notenbank liess zwar sowohl ihre Leitzinsen als auch ihre Planung zum billionenschweren Wertpapierkaufprogramm unverändert. Draghi kündigte aber zugleich voraussichtlich für Oktober Entscheidungen zum weiteren Vorgehen bei den Wertpapierkäufen an. Dies sei für die Anleger am Devisenmarkt das wichtigste Signal gewesen, sagte Christiane von Berg, Expertin bei der Bayerischen Landesbank.

QE-ENTSCHEIDUNGEN VORAUSSICHTLICH IM OKTOBER

Ökonomen rechnen wegen der robusten wirtschaftlichen Entwicklungen, vor allem aber auch wegen einer zunehmenden Verknappung der verfügbaren Wertpapiere fast einhellig mit einer schrittweisen Reduktion der Käufe ab dem kommenden Jahr. Die Aussicht auf eine baldige entsprechende Ankündigung stärkt nun den Euro.

Die Gemeinschaftswährung ist aber bereits seit Monaten vor allem im Vergleich zum Dollar auf einem Höhenflug. Seit dem Mehrjahrestief von Anfang Januar wertete der Euro im Vergleich zum Dollar um fast 17 Prozent auf. Gründe dafür sind neben der guten Entwicklung der Euro-Wirtschaft und zuletzt gesunkenen Risiken für den Zusammenhalt des Euroraums vor allem die politischen Turbulenzen in den USA, die den Dollar schwächen.

DRAGHI: BEWEGUNGEN BEIM EURO 'QUELLE VON UNSICHERHEIT'

Zuletzt gab es zudem von der US-Notenbank Fed zögerliche Signale hinsichtlich künftiger Zinsanhebungen und aktuell sorgt die Furcht vor den möglichen hohen wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans "Irma", der auf Florida zurast, für weitere Verluste beim Dollar.

Draghi äusserte sich am Donnerstag neben einem Verweis auf die nach wie vor eher schwache Inflation auch kritisch zu den jüngsten Kursbewegungen beim Euro und sprach von einer "Quelle der Unsicherheit". Er habe damit deutlich gemacht dass die EZB kein Interesse an einer weiteren Aufwertung des Euro habe, sagt Jan Holthusen, Experte bei der DZ Bank. Einen Euro-Anstieg konnte Draghi mit seinen Worten zwar nicht verhindern, womöglich aber eingrenzen./tos/bgf/zb

(AWP)