EZB will Pensionsfonds stärker unter die Lupe nehmen

Die EZB will die kräftig wachsenden Pensionsfonds in der Eurozone stärker durchleuchten. Die Währungshüter wollen zu diesem Zweck die statistischen Berichtspflichten für diese Fonds erhöhen und vereinheitlichen, wie die Europäische Zentralbank am Mittwoch mitteilte.
26.07.2017 13:33

"Es gibt rund 50 Millionen Bürger im Euroraum, die Mitglieder eines solchen Pensionsfonds sind", begründete EZB-Chefstatistiker Aurel Schubert den Vorstoss. Mit mehr Daten zu diesem Zweig der Finanzindustrie könne die EZB künftig besser abschätzen, wie wichtig Pensionsfonds für die Geldpolitik und die Finanzstabilität seien. "Wir werden beispielsweise viel mehr über den Anteil ihres Anlagevermögens wissen, der in Staatsanleihen investiert ist," so Schubert.

Die Bedeutung von Pensionsfonds für die private Altersvorsorge nimmt angesichts des zunehmenden Durchschnittsalters der Bevölkerung immer mehr zu. Dazu kommt vielerorts ein schwindendes Vertrauen in staatliche Rentensysteme. Seit 2008 hat sich laut EZB das Anlagevermögen von Pensionsfonds in der Eurozone auf 2,5 Billionen Euro annähernd verdoppelt.

Der Regulierungsvorschlag der EZB sieht unter anderem vor, dass Fonds künftig quartalsmässig Daten zu ihrem Anlagevermögen, zu Wertanpassungen und Transaktionen liefern. Zudem sollen sie auf Jahresbasis über ihre finanziellen Verpflichtungen und Pensionskontrakte informieren.

Für kleinere Fonds soll es allerdings viele Ausnahmen von den Berichtspflichten geben. Insgesamt würden laut Schubert weniger als zwei Prozent aller Gesellschaften - etwa 1500 bis 2000 Fonds - die kompletten Berichtsvorgaben zu erfüllen haben. Am 21. September soll es eine öffentliche Anhörung zu dem Regelungsvorschlag geben. Im Dezember soll das neue Regelwerk dann auf den Weg gebracht werden.

(AWP)