Schwacher TV-Werbemarkt lässt ProSiebenSat.1 und RTL taumeln

Ein schwaches TV-Werbegeschäft hat die Aktien von ProSiebenSat.1 und RTL auf den tiefsten Stand seit vier Jahren einbrechen lassen. Die Papiere von ProSiebenSat.1 fielen am Dienstagmorgen in der Spitze um 15 Prozent, bei RTL ging es um bis zu 9 Prozent abwärts. Zuletzt waren sie Mitte 2013 so billig. Auch europaweit war der Mediensektor die schwächste Branche.
29.08.2017 10:35

Die Werbeeinnahmen im dritten Quartal entwickelten sich unter den bisherigen Erwartungen, hatte ProSieben am Montagabend mitgeteilt. Das Management begrub daraufhin für den deutschen TV-Werbemarkt die Hoffnung auf ein kleines Plus im laufenden Jahr und prognostiziert nun eine Stagnation auf Vorjahresniveau.

Analystin Lisa Yang von Goldman Sachs strich daraufhin ihre Empfehlung für die Aktie. Kollegin Sonia Rabussier von der Commerzbank sieht "kein Licht am Ende des Tunnels" und setzte ihre Bewertung der Aktie zunächst aus. Es sei nun schon die dritte Warnung von ProSiebenSat.1 hintereinander, merkte sie an.

SCHON LÄNGER PROBLEME

Die Angst vor einem schwachen Werbegeschäft lastet schon länger auf der Branche. Dabei wird der Rückgang bei den TV-Umsätzen oftmals mit saisonalen Effekten erklärt. Nun verdichten sich die Hinweise, dass die Probleme struktureller Natur sind. So sieht DZ-Bank-Analyst Harald Heider den Grund des schwachen TV-Werbegeschäfts in der Abwanderung vieler Werbetreibender in die Onlinemedien. Die negativen Auswirkungen begännen sich nun zu zeigen.

Die Hinweise von ProSiebenSat.1 zum September-Werbegeschäft seien eine böse Überraschung, führte Goldman-Sachs-Analystin Yang aus. Der TV-Werbeausblick veranlasste sie dazu, die Aktie von "Buy" auf "Neutral" herabzustufen und das Kursziel von 41,10 auf 35,50 Euro zu senken.

PROSIEBEN LIEGT AM DAX-ENDE

Das allgemeine Raunen rund um die TV-Werbebranche setzte in den vergangenen Monaten nicht nur die ProSiebenSat.1-Papiere unter Druck. Nach einer Umsatzwarnung des britischen Werbekonzerns WPP hatten auch die Papiere von RTL und des Aussenwerbe-Spezialisten Ströer bereits gelitten.

Die Papiere von ProSiebenSat.1 sind der schlechteste Wert des Jahres im deutschen Leitindex Dax mit einem Verlust von 22 Prozent - bei einem insgesamt mit 4 Prozent im Plus liegenden Markt. RTL-Aktien verloren seit Jahresanfang 13 Prozent und sind damit der sechstschlechteste Wert im MDax, dem Index der mittelgrossen deutschen Konzerne. Dieser hat im bisherigen Jahresverlauf um fast 10 Prozent zugelegt./kro/das/stb

(AWP)