Euribor-ProzessSechs Banker plädieren auf nicht schuldig

Im weltweit ersten Prozess wegen Manipulationen am Referenzzins Euribor haben sechs Händler in London auf nicht schuldig plädiert.
07.02.2017 15:59
Bei den Zinssätzen im Interbankengeschäfts gehts ums Billionen-Beträge.
Bei den Zinssätzen im Interbankengeschäfts gehts ums Billionen-Beträge.
Bild: Pixabay

Die fünf Männer und eine Frau erschienen am Dienstag vor dem Southwark Crown Court. Sie sollen von 2005 bis 2009 zum eigenen Vorteil am Euribor geschraubt haben, dem europäischen Ableger des Libor. Von solchen Interbanken-Zinssätzen hängen Geschäfte und Verträge im dreistelligen Billionen-Volumen ab. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Betrug. Im äussersten Fall drohen zehn Jahre Gefängnis.

Der prominenteste unter den Angeklagten arbeitete früher bei der Deutschen Bank. Der Franzose war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte des Geldinstituts zugesprochen bekommen hatte. Seine Anwälte haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Ein anderer Angeklagter ist immer noch bei der Deutschen Bank beschäftigt, die übrigen vier waren Händler beim britischen Bankhaus Barclays.

Insgesamt sollten sich in dem Londoner Verfahren elf Banker verantworten. Eine Handvoll Beschuldigter war vor Gericht aber gar nicht erst erschienen - und wird deshalb mit einem Europäischen Haftbefehl gesucht, wie vor knapp einem Jahr bekannt wurde. Das alles führte zu erheblichen Verzögerungen.

Die Zinsmanipulationen zählen zu den teuersten Altlasten der Investmentbanken. Viele grosse Häuser, darunter auch die Deutsche Bank, wurden von den Aufsichtsbehörden zu Milliardenstrafen verdonnert. Die Aufarbeitung des Skandals geht nun aber weiter, indem auch gegen Einzelpersonen ermittelt wird.

(AWP/SDA/REU)