Streit nach Verzögerung des Prozesses gegen Ex-Siemens-Chef in Athen

ATHEN (awp international) - Die Aufschiebung des Schmiergeldprozesses gegen den früheren Siemens-Chef Heinrich von Pierer sowie weitere ehemalige Manager und griechische Mitarbeiter des Industriekonzerns hat in Griechenland einen Streit zwischen den griechischen Behörden ausgelöst. Es wird nach den Verantwortlichen gesucht, die es acht Monate nach Beginn des Prozesses nicht geschafft haben, die Anklageschrift ins Deutsche zu übersetzen. Das Gericht hatte daher am Dienstag den Prozess auf unbestimmte Zeit verschoben. Damit besteht die Gefahr, dass eine Verjährung der lange zurückliegenden Vorwürfe eintritt, hiess es aus Kreisen der Staatsanwaltschaft.
13.07.2016 10:11

"Wir werden der Sache auf den Grund gehen", erklärte eine Regierungssprecherin. Die Justiz warf der zuständigen Dolmetscherbehörde vor, sie sei für die nicht abgeschlossene Übersetzung der Anklageschrift verantwortlich. Das Aussenministerium wies dies zurück. Die wichtigsten Dokumente seien übersetzt worden, hiess es. Fast alle griechischen Kommentatoren bezeichneten die Verschiebung am Mittwoch als Farce.

Frühere Siemens-Mitarbeiter sollen ab dem Jahr 1997 knapp 70 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt haben, um einen Auftrag vom griechischen Telekommunikationsunternehmen OTE zu erhalten. Alle Angeklagten weisen dies zurück./tt/DP/fbr

(AWP)