Sturm / Mit voller Wucht: Hurrikan "Irma" trifft Florida

Mit gewaltiger Zerstörungskraft hat Hurrikan "Irma" am Sonntag Florida erreicht. Der Sturm brachte weitreichende Überflutungen - Fernsehbilder zeigten Überschwemmungen in der Innenstadt von Miami.
10.09.2017 21:51

Der gewaltige Hurrikan zog im Laufe des Sonntags über die Inselkette Florida Keys weiter in nördlicher Richtung die Westküste Floridas hinauf. Wie der Sender ABC in Florida berichtete, starben am Sonntagmorgen (Ortszeit) drei Menschen bei vom Wetter mitverursachten Verkehrsunfällen.

"Irma" gilt als extrem gefährlich. Meteorologen warnten vor schweren Regenfällen und Sturmfluten. Strombetreiber sagten, rund 1,3 Millionen Menschen seien in ganz Florida ohne Strom. Da der Sturm über viele Stunden nordwärts ziehen sollte, wurden weitere Schäden erwartet.

Auf Kategorie 3 herabgestuft

Sonntagnachmittag (Ortszeit) wurde Irma zwar von der zweithöchsten Kategorie 4 auf Kategorie 3 herabgestuft, an Gefährlichkeit büsste der Sturm aber nichts ein.

Am Morgen gegen 9.00 Uhr Ortszeit hatte "Irmas" Auge mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern die Inselkette Florida Keys erreicht. Dort hiess es vielerorts "Land unter".

Später am Tag entwickelten sich an der Ostküste allein binnen einer Stunde sechs Tornados, wie der nationale Wetterdienst berichtete. Mit weiteren Wirbelstürmen müsse gerechnet werden. In Miami brachen mindestens zwei grosse Baukräne im Sturm zusammen, meldete der "Miami Herald".

Breiter als Florida

Nach jüngsten Prognosen sollte der Hurrikan weiter westlich vor der Küste Floridas nordwärts ziehen, allerdings nicht so weit westlich wie zuletzt angenommen. So stiess das Auge des Sturms am Sonntagnachmittag (Ortszeit) südlich der Stadt Naples aufs Festland. Und wenn sich der Kurs des Hurrikan-Kerns nur wenige Meilen ändert, zieht das grosse Konsequenzen für umliegende Ortschaften nach sich.

Das Problem: "Irma" ist breiter als die Halbinsel Florida. Abgesehen von heftigem Regen führte das gigantische Wettersystem so zu einer kuriosen Situation: Auf seiner "rechten" Seite, also an der Ostküste, sorgte der riesengrosse Wirbel für erste Überflutungen, so in Miami. Auf Bildern und Videos war zu sehen, wie sich Wassermassen durch die Innenstadt Miamis wälzen.

An seiner "linken" Seite drückte der Wirbelsturm das Wasser zunächst von der Westküste weg. Bilder zeigten leere Hafenbecken; andernorts hatte sich das Wasser meterweit von der Strandpromenade entfernt.

Die Meteorologen warnten aber, dass das Wasser in einer Art gewaltigen Schaukelbewegung zurück an die Westküste kommen sollte, während es im Osten dann zurückfliessen würde. Von Fort Myers bis hoch nach Tampa bereiteten sich die verbliebenen Menschen auf das Schlimmste und bis zu 4,5 Meter hohe Sturmfluten vor. "Das Schlimmste kommt, wenn das Auge durchgezogen ist - dann kommt das Wasser", sagte ein Meteorologe bei CNN.

Millionen zur Evakuation aufgefordert

In Florida waren zuvor mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Das entspricht rund 30 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates - es war eine der grössten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA. Weit über 100'000 Menschen harrten in Notunterkünften aus.

Gouverneur Rick Scott mobilisierte 7000 Mitglieder der Nationalgarde. Florida sei insgesamt gut auf den Hurrikan vorbereitet, sagte er. Man dürfe den Sturm jedoch auf keinen Fall unterschätzen.

Scott rief alle Menschen in den Evakuierungszonen erneut eindringlich dazu auf, sich in Schutzräume zu begeben. US-Präsident Donald Trump liess sich von seinem Stab laufend über die Situation in Florida informieren.

Auch in benachbarten Bundesstaaten Floridas wurde der Notstand ausgerufen. Für einige Gebiete im Süden von Georgia galten Hurrikanwarnungen. In Alabama mobilisierte Gouverneur Kay Ivey vorsorglich die Nationalgarde.

Mehrere Tote in Karibik

"Irma" hält die Region bereits seit Tagen in Atem. Bei seinem Zug durch die Karibik hatte der Sturm nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 20 Menschen das Leben gekostet, einige Gebiete gelten als unbewohnbar. Schwere Schäden gab es unter anderem auf den Inseln Barbuda, Saint-Martin, Saint-Bartélémy, sowie den Jungferninseln.

Am Samstag war "Irma" in Kuba auf Land getroffen. Die Parteizeitung "Granma" meldete schwere Sachschäden, Stromausfälle und Überschwemmungen in den Küstengebieten. Wellen erreichten eine Höhe von neun Metern oder mehr. Sturmfluten spülten Meerwasser 500 Meter landeinwärts, berichtete der staatliche Wetterdienst. Hunderttausende Menschen hatten sich vor dem Sturm in Sicherheit gebracht.

(AWP)