Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 24. Oktober 2016
24.10.2016 17:49

SYNGENTA MIT SCHWIERIGKEITEN: Der chinesische Chemieriese ChemChina verzichtet auf Zugeständnisse, um die Bedenken von EU-Wettbewerbshütern bei der Übernahme des Schweizer Pflanzenschutzkonzerns Syngenta zu zerstreuen. Alles sei noch offen, erklärte ein EU-Sprecher am Montag. Nun kann die EU-Wettbewerbsbehörde Behörde die Transaktion entweder ohne Auflagen durchwinken oder aber eine vertiefte Untersuchung einleiten, die bis zu fünf Monate dauert. Die Syngenta-Aktien fielen am Morgen bei klar überdurchschnittlichen Volumen um 8,3 Prozent auf 386,80 Franken zurück. Mit der Nachricht sei die Sorge gewachsen, dass die Syngenta-Übernahme scheitern könnte, hiess es.

CONZZETA KAUFT ZU: Der Mischkonzern Conzzeta übernimmt den Förder- und Verfahrenstechniker FMG aus Sulgen TG. Der Kaufabschluss ist bis Ende 2016 vorgesehen. Mit der Übernahme baut Conzzeta das Angebot der unternehmenseigenen Blechbearbeitungsfirma Bystronic aus. Über den Kaufpreis machte Conzzeta keine Angaben. Die rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FMG erwirtschafteten 2015 einen Umsatz von 6 Millionen Franken, wie Conzzeta mitteilte. Sie stellen Systeme für das Lagern, Bearbeiten und Sortieren von Blech her. Ihr Angebot ergänzt jenes von Bystronic um integrierte Hochlager- und Bearbeitungssysteme.

NICHT MEHR SPITZE: Das Vorsorgesystem der Schweiz hat im internationalen Vergleich an Terrain eingebüsst. Es rangiert unter 27 ausgesuchten Ländern nur noch auf Platz 6. Ein Jahr zuvor war die Schweizer Altersvorsorge im "Melbourne Mercer Global Pension Index" noch auf Rang 4. Der Hauptgrund für den Abstieg ist das im Vergleich mit dem Lebenseinkommen gesunkene Rentenniveau. Ebenfalls schlechter als ein Jahr zuvor schneidet die Schweizer Altersvorsorge beim Kriterium Nachhaltigkeit ab, da in der Schweiz der Anstieg der Pensionierungsdauer nicht kompensiert worden ist. Überholt wurde die Schweiz im Pensions-Index von Finnland und Schweden. Spitzenreiter bleibt Dänemark, gefolgt von den Niederlanden und Australien. Die Schlusslichter sind Indien, Japan und Argentinien.

SGS AUF RÜCKZUG: Der weltweit grösste Warenprüfkonzern SGS hat angesichts des Rückgangs bei Öl, Gas und Bergbau seine Strategie im Umweltmonitoring in Südafrika geändert. Er zieht sich aus dem Emissions- und Umweltlabor in Johannesburg zurück. Umweltprüfungen dort erfolgen künftig durch europäische Labors. Auf Anfang Oktober gingen die anderen SGS-Aktivitäten im Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsbereich an die südafrikanische Prüffirma Skyside über. SGS bleibt aber im Rest von Afrika präsent, schreibt der Konzern.

BETREIBEN MIT POSTFINANCE: Die Postfinance beteiligt sich am Luzerner Fintech-Unternehmen Tilbago und integriert dessen Software für die Abwicklung von Betreibungen in ihr Angebot für Geschäftskunden. Dank der Software erübrigt sich ein bisher aufwändiges Prozedere. Die Lösung von Tilbago führt Gläubiger durch den kompletten Betreibungsprozess, wie die Postfinance mitteilte. Sie stellt die Einhaltung von Fristen sicher und erleichtert die Bewirtschaftung. Dank elektronischer Kommunikation mit den Betreibungsämtern wird die Gesamtdurchlaufszeit eines Falles verkürzt.

WALLONIEN WEITER WIDERSPENSTIG: Die Chancen für die in dieser Woche geplante Unterzeichnung des Freihandelsabkommens EU-Kanada (Ceta) schwinden: Bei einem Treffen führender Regionalpolitiker Belgiens mit Regierungschef Charles Michel wurden die Widerstände nicht ausgeräumt. Belgien könne damit den Vertrag über die Handelsvereinbarung nicht unterzeichnen, sagte Michel vor Journalisten. Im Windschatten des Nein der Wallonie zu Ceta soll auch die Brüsseler Regionalvertretung ihr Veto eingelegt haben. Die belgische Föderalregierung hätte aufgrund ihrer Verfassung die Zustimmung aller Regionen benötigt. Die EU hatte Belgien aufgefordert, bis Montagabend Klarheit zu schaffen. Dann wollen EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau entscheiden, ob der Gipfel am Donnerstag wie geplant stattfinden kann.

SCHULDEN WEITER GESTIEGEN: Im krisengeschüttelten Griechenland sind die Schulden im vergangenen Quartal deutlich angestiegen. Die öffentlichen Schulden betrugen im 2. Quartal dieses Jahres 179,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie die europäische Statistikbehörde Eurostatin Luxemburg mitteilte. Sie beliefen sich auf rund 315 Milliarden Euro. Im Vorquartal lag die Quote noch bei 176,1 Prozent (309 Milliarden Euro), im 2. Quartal 2015 waren es 169,5 Prozent (301 Milliarden Euro). Griechenland hängt seit Jahren am Tropf internationaler Geldgeber. Im vergangenen Sommer hatte die Athener Regierung im Gegenzug für das dritte internationale Hilfspaket in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro umfangreiche Reformen zugesagt.

EINQUARTIERT BEI HILTON: Die chinesische HNA Group steigt in grossem Stil beim US-Hotelriesen Hilton ein. Die Chinesen, die in der Schweiz Swissport, SR Technics und Gategroup gekauft haben, übernehmen einen 25-prozentigen Anteil im Wert von etwa 6,5 Milliarden Dollar von Blackstone. Der Deal zwischen dem chinesischen Grossinvestor und der US-Beteiligungsgesellschaft soll im ersten Quartal 2017 abgeschlossen werden. HNA will 26,25 Dollar pro Hilton-Aktie in bar zahlen, das entspricht einer Prämie von knapp 15 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Die Beteiligung des bislang grössten Hilton-Anteilseigners Blackstone sinkt im Zuge der Transaktion auf 21 Prozent.

CHINESEN KAUFEN EIN: Der US-Versicherer Genworth Financial wird von Chinesen übernommen. Das Finanzunternehmen China Oceanwide werde die Firma aus Richmond in Virginia für 2,7 Milliarden Dollar erwerben, teilten beide Gesellschaften mit. Der Kaufpreis beträgt 5,43 Dollar je Genworth-Aktie, was einem Aufschlag von 4,2 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag entspricht. Zudem verpflichte sich China Oceanwide, Schulden und andere Verbindlichkeiten in Höhe von 1,12 Milliarden Dollar zu übernehmen.

VORBEHALTE GEGEN KAUF: Die geplante Übernahme von Time Warner durch AT&T stösst in den USA auf Vorbehalte in der Politik. Der US-Senat kündigte am Sonntag eine sorgfältige Prüfung des Vorhabens über 85 Milliarden Dollar an. Die Transaktion könnte schwerwiegende Wettbewerbsbedenken hervorrufen, sagte der Vorsitzende des zuständigen Ausschusses der Kongress-Kammer. Eine Anhörung werde im November angesetzt. Der Telekomriese AT&T hatte am Samstagabend angekündigt, den Konzern Time Warner, zu dem die Sender HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros gehören, kaufen zu wollen. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Sollte der Deal zustande kommen, wäre er der grösste weltweit in diesem Jahr.

ENDE EUROPA: Die insolvente südkoreanische Reederei Hanjin Shipping will ihre Europa-Aktivitäten schliessen. Das Insolvenzgericht habe den Plänen zur Schliessung der Hanjin-Unternehmen in Hamburg, Ungarn, Polen und Spanien zugestimmt, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Die ehemals weltweit siebtgrösste Container-Reederei hat umgerechnet rund 5 Milliarden Franken Schulden. Der Insolvenzantrag von Hanjin Ende August hatte weltweit zu Unterbrechungen von Lieferketten geführt. Zahlreiche geladene Hanjin-Schiffe waren aus Sorge vor einem Gebührenausfall für die Häfen gezwungen, auf See zu warten.

KULANZ FÜR KUNDEN: Im Dieselskandal verlangt die EU-Kommission von VW mehr Entgegenkommen den Kunden gegenüber. Volkswagen hatte weltweit mit Hilfe einer Software die Abgaswerte von rund elf Millionen Dieselfahrzeugen manipuliert. So müsse Volkswagen nicht nur Reparaturen von Wagen mit Schummel-Software sicherstellen, schreibt EU-Konsumentenkommissarin Vera Jourova an VW-Chefaufklärer Francisco Garcia Sanz. Der Konzern müsse auch zusichern, dass die Fahrzeuge danach die Werte und Leistungsmerkmale einhalten und sich dabei explizit auf die Vorschriften einer EU-Richtlinie zu Konsumgütern beziehen.

AN DER STANGE HALTEN: Nach den Fiasko mit dem Smartphone Galaxy Note 7 will Samsung mit Umtauschangeboten die Kunden halten. Ein entsprechendes Programm gab der Technologieriese am Montag für seinen Heimatmarkt Südkorea bekannt. Demnach können Note-7-Besitzer das Gerät durch ein Galaxy S7 ersetzen. Dieses wiederum können sie im kommenden Jahr in ein Galaxy S8 oder Note 8 umtauschen, wenn die Smartphones dann auf den Markt kommen. Samsung hat die komplette Note-7-Fertigung eingestellt, nachdem sich mehrere Geräte wegen überhitzter Akkus entzündet hatten oder explodiert waren.

WACHSTUM ERWARTET Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft im Euro-Raum kletterte stärker als erwartet um 1,1 auf 53,7 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember. Die Geschäfte der Firmen in der Industrie und bei den Dienstleistern legten im Oktober deutlich zu, wie aus einer Markit-Umfrage unter rund 4000 Betrieben im Euro-Raum hervorgeht. Das Barometer signalisiert ab Werten über 50 Zählern Wachstum. Vor allem die Belebung in Deutschland habe für Impulse gesorgt.

AUFTRAGSPLUS IN DEUTSCHLAND: Für Deutschlands Konjunktur läuft es derzeit wieder spürbar besser. Die Firmen haben im Oktober vom grössten Auftragsplus seit Jahresbeginn profitiert, wie aus einer Markit-Umfrage unter rund 900 Unternehmen hervorgeht. Sie schufen zudem unterm Strich so viele Stellen wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Der Markit-Einkaufsmanagerindex, der die Geschäfte von Industrie und Dienstleistern zusammenfasst, stieg überraschend kräftig um 2,3 Punkte auf 55,1 Zähler. Damit liegt das Barometer deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

RÜCKGANG BEI EXPORTEN: Die Ausfuhren Japans sind im September den zwölften Monat in Folge zurückgegangen. Mit 6,9 Prozent lag das Minus im Vergleich zum Vorjahr jedoch nicht so hoch wie erwartet, wie aus vom Finanzministerium vorgelegten Daten hervorging. Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 10,4 Prozent gerechnet. Im August betrug das Minus 9,6 Prozent. Die Ausfuhren nach China, den grössten Handelspartner Japans, sanken im September um 10,6 Prozent. Die Exporte in die USA gingen um 8,7 Prozent zurück. Um 0,7 höher lagen die Ausfuhren in die Europäische Union.

MEHR GEWINN: Der niederländische Konzern Philips hat im dritten Quartal deutlich mehr verdient. Dank höherer Einnahmen und verbesserter Margen im Kerngeschäft stieg der operative Gewinn (Ebita) um 47 Prozent auf 649 Millionen Euro, wie Philips mitteilte. Vorstandschef Frans van Houten sagte, im vierten Quartal sei mit weiteren Verbesserungen zu rechnen. "Wir sind aber besorgt wegen Risiken, die aus Schwankungen in unseren Märkten resultieren." Mit dem Gewinn lag Philips leicht unter den Analystenerwartungen. Die vergleichbaren Erlöse kletterten um zwei Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. An der Börse überwog der Optimismus.

SCHWACHES PFUND: Microsoft hebt nach dem Verfall des britischen Pfund die Preise im Königreich deutlich an. Für Firmensoftware würden sie um 13 Prozent und für Cloud-Dienstleistungen um 22 Prozent steigen, kündigte der US-Konzern an. Betroffen sind Unternehmen und Behörden, nicht aber Privatanwender. Bei bestehenden Aufträgen sollen die alten Preise gelten. Hintergrund des Schrittes ist die Abwertung der britischen Währung in Folge des überraschenden Brexit-Votums im Juni. Seitdem hat das Pfund im Vergleich zum Dollar 18 Prozent seines Wertes eingebüsst. Auch andere Konzerne wie Apple oder Dell haben deswegen Preiserhöhungen angekündigt. Hintergrund der Währungsturbulenzen ist die Erwartung, dass der EU-Austritt die britische Wirtschaft schwächen wird.

GEHEIMVERHANDLUNGEN ÜBER ZUKUNFT: Die schon angelaufene Zerschlagung der verlustreichen deutschen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann soll durch Verhandlungen hinter verschlossenen Türen doch noch gestoppt werden. Eine Verdi-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Gewerkschaft sei weiterhin in Gesprächen zu einer "Gesamtlösung". Inzwischen verhindert einzig noch die Klage von Rewe, dass Marktführer Edeka die Filialen von Kaiser's Tengelmann übernehmen kann. An Geheimgesprächen ist offenbar auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel beteiligt. Verdi bemüht sich seit Wochen, den Streit um die Zukunft von Kaiser's Tengelmann zu schlichten und dadurch die inzwischen nicht mehr ganz 16'000 Arbeitsplätze zu sichern.

SMARTWATCHES: Ein Absatzeinbruch bei der Apple Watch kurz vor dem Erscheinen eines neuen Modells hat im vergangenen Quartal laut Marktforschern im Alleingang das gesamte Geschäft mit Computer-Uhren schrumpfen lassen. Apple habe im vergangenen Quartal rund 1,1 Millionen Uhren verkauft, berichtete der IT-Marktforscher IDC am Montag. Im Jahresvergleich sei das ein Einbruch von über 70 Prozent gewesen. Apple ist mit 1,1 Millionen Geräten die klare Nummer eins in der IDC-Rangliste mit 41,3 Prozent Marktanteil. Auf Platz zwei kam Garmin mit rund 20 Prozent nach einem Absatzsprung von 100'000 auf 600'000 Uhren. Den Pionier Samsung sieht IDC stabil bei 400'000 Geräten.Beim PC-Riesen Lenovo sei der Absatz von 300'000 auf 100'000 Uhren der Marke Moto gefallen.

MILLIARDENFUSION UNTER US-ONLINEBROKERN: Der grösste US-Onlinebroker TD Ameritrade verleibt sich den Konkurrenten Scottrade für 2,7 Milliarden Dollar ein. Wie der Marktführer mitteilte, zahlen er und die Toronto-Dominion Bank zunächst vier Milliarden Dollar für das Unternehmen. Anschliessend soll das Bankgeschäft von Scottrade an die US-Tochter der Kanadier für 1,3 Milliarden Dollar übergehen. Toronto-Dominion ist zu 42 Prozent an Ameritrade beteiligt. Discountbroker stehen zurzeit unter Druck, weil sich ihr Handelsvolumen schwach entwickelt und die Erlöse nur langsam wachsen. Hintergrund ist, dass viele Vermögensverwalter wegen des harten Wettbewerbs ihre Gebühren gesenkt haben.

(AWP)