Trumps Sieg setzt Finanzmärkte unter Schock - Sichere Anlagen gefragt

(Ausführliche Fassung)
09.11.2016 10:53

FRANKFURT (awp international) - Der überraschende Wahlsieg des Republikaners Donald Trump in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen hat Anleger weltweit geschockt. Sichere Anlagen wie deutsche Bundesanleihen oder der Schweizer Franken waren gefragt. Dagegen gerieten Währungen und Anleihen vieler Schwellenländer unter Druck. Besonders ausgeprägt war die Reaktion des mexikanischen Peso, der bis zuletzt als das Wahlbarometer schlechthin galt. Die Schockstarre an den Märkten löste sich am Vormittag jedoch etwas.

Wie schon beim Brexit-Referendum im Sommer hatten die Märkte wieder auf das falsche Pferd gesetzt: Anleger waren von einem Sieg der Demokratin Hillary Clinton ausgegangen. Als sich jedoch ein Wahlsieg des Populisten Trump in der Nacht auf Mittwoch immer stärker abzeichnete, setzte an den Finanzmärkten zunehmend eine Flucht in als sichere Häfen geltende Anlageklasse ein. Während die Börsen in Asien, besonders in Japan, und Europa deutlich nachgaben, legten Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität klar zu.

SICHERE ANLAGEN GEFRAGT

Besonders deutlich waren die Kursgewinne an den Anleihemärkten in Australien, Neuseeland, Deutschland, Grossbritannien und Frankreich. Verluste verbuchten dagegen Anleihen südeuropäischer Staaten wie Griechenland, Italien oder Spanien, die wirtschaftlich und finanziell vergleichsweise schlecht aufgestellt sind. Auch Anleihen grosser Schwellenländer wie Südafrika oder die Türkei gaben deutlich nach.

Am Devisenmarkt wurde der mexikanische Peso am stärksten getroffen. Zum US-Dollar fiel der Peso auf ein Rekordtief von 20,78 Peso je Dollar. Das war ein Verlust von etwa 13 Prozent zum Vortag, der sich zuletzt jedoch auf 9 Prozent ermässigte. Unter deutlichem Druck standen auch die Währungen Australiens und Neuseelands, der koreanische Won sowie der südafrikanische Rand. All dies sind Länder, deren Wirtschaft stark vom Aussenhandel abhängt. Trump ist ein bekennender Gegner eines freien Welthandels.

YEN UND GOLD LEGEN ZU

Zulauf erhielten dagegen Währungen, die als sicherer Rückzugsort in stürmischen Zeiten gelten. Dazu zählt in erster Linie der japanische Yen, der zum US-Dollar zeitweise fast vier Prozent zulegte. Zuletzt lag der Gewinn bei knapp zwei Prozent. Der Schweizer Franken legte zunächst ebenfalls deutlich zu, gab aber einen guten Teil seiner Gewinne zum amerikanischen Dollar wieder ab. Der US-Dollar geriet zu vielen Währungen in der Nacht zu Mittwoch stark unter Druck, aber auch er konnte sich bis zum Mittwochvormittag wieder spürbar erholen.

An den Rohstoffmärkten reagierten die Ölpreise zunächst mit Preisrückgängen von etwa drei Prozent, die sich zuletzt auf etwa ein Prozent verringerten. Rohöl gilt als riskante Anlageform, die in unsicheren Zeiten meistens gemieden wird. Der Goldpreis, der einigen Anlegern als Risikoschutz par excellence gilt, legte zeitweise um knapp 5 Prozent auf 1337 Dollar zu. Am Mittwochvormittag lag er bei 1302 Dollar, ein Plus von zwei Prozent zum Vortag./bgf/jkr/fbr

(AWP)