US-Justiz nimmt sich Reedereien vor - Kartellverdacht

Die US-Justiz bringt die weltgrössten Container-Reedereien wie Hapag-Lloyd , Branchenführer Maersk und die schweizerische MSC in Bedrängnis. Ermittler des US-Justizministeriums seien in ein hochrangiges Treffen der 20 grössten Reedereien in San Francisco geplatzt, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch. Sie hätten den Chefs mehrerer Unternehmen gerichtliche Aufforderungen zur Stellungnahme überreicht und sich quittieren lassen.
22.03.2017 16:00

Einige Reedereien bestätigten, solche Schreiben erhalten zu haben - darunter auch die deutsche Hapag-Lloyd. Das Schreiben der US-Justiz enthalte keinen konkreten Vorwurf oder Befragungstermin, sagte ein Sprecher. Man könne nur vermuten, dass der Verdacht auf einen Verstoss gegen das Kartellrecht bestehe. "Wir werden voll kooperieren, wenn Unterlagen angefragt werden."

Ähnlich äusserte sich Branchenprimus Maersk. Die Dänen betonten, der Ausgang der Untersuchung sei völlig offen. Angesichts des laufenden Verfahrens wolle man sich nicht weiter dazu äussern.

Bei dem Treffen handelte es sich um das sogenannte Box Club Meeting. "Box" steht dabei für die Container, um die sich bei den Reedereien alles dreht. Der Vereinigung gehören die obersten Manager der weltgrössten Container-Linien an. Gegründet wurde der Club in den 1970er Jahren von dem damaligen Hapag-Lloyd-Chef Hans Jakob Kruse.

Das Treffen findet regelmässig an Orten rund um den Globus statt, diesmal in den USA. Die Treffen werden von Anwälten protokolliert, die auch die Diskussion unterbrechen, wenn sie kartellrechtlich problematisch werden könnte. Die Reedereien tauschen sich aus über nichtkommerzielle Fragen, die alle betreffen - wie Sicherheit, Umweltschutz oder Piraterie.

Das Marktgeschehen der vergangenen Jahre bietet wenig Hinweise auf erfolgreiche Preisabsprachen zwischen Reedereien. Die Frachtraten - die Preise für den Containertransport - sind seit nunmehr acht Jahren im Keller, und die Schifffahrtsunternehmen haben in den vergangenen Jahren viele Milliarden Dollar verloren. Mit der südkoreanischen Reederei Hanjin ist das erste grosse Unternehmen aus dem Markt ausgeschieden.

Weitere Namen in der Schifffahrt sind durch Fusionen verschwunden, wie zum Beispiel China Shipping. Andere haben neue Eigner erhalten, wie Hamburg Süd. Gegenwärtig läuft in der Schifffahrt eine mächtige Konsolidierungswelle, an deren Ende die Top fünf der Reedereien ihren Marktanteil von 44 auf 58 Prozent steigern.

Die Reedereien standen schon häufiger unter Kartellverdacht, auch weil sie sich in Allianzen organisieren sowie Fahrpläne und Routen abstimmen. Das Verfahren ist vielen Passagieren aus der Luftfahrt vertraut, wo verschiedene Fluglinien kooperieren, zum Beispiel in der "Star Alliance".

In der Schifffahrt gibt es drei grosse Allianzen, die den Markt für Containertransporte weltweit unter sich aufteilen. Hapag-Lloyd ist Teil von "THE Alliance", zusammen mit Yang Ming aus Taiwan und den drei japanischen Reedereien, die ebenfalls vor einer Fusion stehen. Die Allianzen sind von den Kartellbehörden genehmigt, auch in den USA. Sie dürften deshalb nicht Gegenstand der Ermittlungen sein./stw/egi/DP/jha

(AWP)