US-Pensionsfonds reicht Sammelklage gegen VW ein

(Meldung mit weiteren Sammelklägern und Ermittlungen gegen Winterkorn ergänzt)
21.06.2016 14:45

Bangalore (awp/sda/reu) - Einer der grössten US-Pensionsfonds und weitere institutionelle Anleger haben wie angekündigt Volkswagen wegen des Abgasskandals auf Schadensersatz verklagt.

Die Anwaltskanzlei Quinn Emanuel teilte am Dienstag mit, im Namen des Pensionsfonds für Lehrer in Kalifornien und weiterer Investoren Klage beim Landgericht Braunschweig eingereicht zu haben. Von VW begangene Verstösse gegen die kapitalmarktrechtliche Publizitätspflicht hätten bei den Mandanten zu Verlusten in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe geführt.

Der grösste europäische Autobauer VW habe den Kapitalmarkt nicht rechtzeitig informiert und durch die Abgasmanipulation bei rund elf Millionen Fahrzeugen weltweit Milliarden an Marktkapitalisierung der VW-Aktien vernichtet. Die von Quinn Emanuel vertretenen langfristig orientierten Anleger hätten VW-Aktien zu einem überhöhten Preis gekauft.

Die Anlegerklagen gegen VW seien ein Lackmustest für das deutsche Kapitalmarktrecht, erklärte Nadine Herrmann, Anwältin der Kanzlei Quinn Emanuel. "Wenn es je einen Skandal gegeben hat, der eine nachhaltig spürbare Durchsetzung von Anlegerrechten im Bereich der Anlasspublizität erfordert, dann ist das sicherlich dieser Fall."

Publizitäts-Ermittlungen gegen Winterkorn

Um den Zeitpunkt der Bekanntgabe der Abgasmanipulation geht es auch bei den jüngsten strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Diese hatte am Montag - nur zwei Tage vor der Generalversammlung des Konzerns - bekannt gegeben, gegen Ex-Chef Martin Winterkorn wegen des Verdachts auf Marktmanipulation zu ermitteln.

Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen im September möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte, um den Aktienkurs zu manipulieren.

Der deutsche Konzern wies die Vorwürfe der Kläger stets zurück. Die Pflicht zur Veröffentlichung kursrelevanter Informationen sei nicht verletzt worden, weil diese dem Vorstand erst am 18. September bekanntgeworden seien.

Am 20. September gab der Konzern auf Druck der US-Umweltbehörden öffentlich zu, Abgaswerte durch eine illegale Software manipuliert zu haben. Nach dem Geständnis brach die VW-Aktie um 20 Prozent ein.

Volkswagen steht wegen des Abgasskandals vor einer gigantischen Welle von Schadensersatzklagen. In den USA wurden bereits zahlreiche Sammelklagen eingereicht. Allein beim Landgericht Braunschweig sind nach Gerichtsangaben rund 120 Klagen von Anlegern auf Schadensersatz anhängig. Rund 50 Autobesitzer klagen wegen überhöhter Stickoxidwerte auf Rückabwicklung des Kaufs oder Schadensersatz.

(AWP)