Verdacht auf Abgasbetrug lässt Fiat Chrysler absacken

Die Anleger von Fiat Chrsyler müssen nach der jüngsten Rekordjagd einen herben Rückschlag verdauen: Nach Volkswagen ist mit dem italienisch-amerikanischen Branchenriesen am Donnerstag ein zweiter Autobauer wegen möglichen Abgasbetrugs ins Visier der Behörden geraten. Dies reichte, um die Aktien auf Talfahrt schicken: An der Wall Street brachen die Papiere um zwischenzeitlich knapp 18 Prozent ein, bevor sie sich wieder etwas erholten und zuletzt "nur noch" um 9,23 Prozent auf 10,07 US-Dollar fielen.
12.01.2017 19:46

Dabei hatten sich die Anleger im frühen Handel noch darüber gefreut, dass die Papiere nach ihrer Rally zu Jahresbeginn mit 11,32 Dollar den höchsten Stand seit mehr als 10 Jahren erreicht hatten. Immerhin steht trotz des Kursrutsches seit Jahresbeginn immer noch ein Plus von gut 1 Prozent zu Buche.

'VW NUR DIE SPITZE DES EISBERGES'

Konkret steht Fiat Chrysler im Verdacht, bei rund 100 000 Dieselwagen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben. Laut dem US-Umweltamt EPA geht es um Software zur Abgaskontrolle, die Fiat Chrysler gegenüber den Regulierern nicht offengelegt und so gegen Umweltgesetze verstossen habe.

Börsianer fühlten sich damit sofort an die "Causa Volkswagen" erinnert. Für Analyst Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital etwa kommt die Nachricht zu Fiat Chrysler nicht überraschend. Bei dem Abgasskandal sei es immer nicht nur um VW gegangen. Vielmehr sei diese Story noch nicht zu Ende. Was jetzt zu Volkswagen peu a peu an Beweisen zu Tage trete, zeige, dass die Schummelleien der Wolfsburger nur die Spitze des Eisberges seien.

Die Anleger an den internationalen Aktienmärkten sahen dies offenbar ähnlich: Im europäischen Branchenvergleich zum Beispiel hielten die Autowerte mit minus 2,81 Prozent die rote Laterne. In den USA fielen die Papiere der Wettbewerber Ford und General Motors um jeweils knapp 1 Prozent.

VW UND FIAT CHRYSLER NOCH NICHT DIREKT VERGLEICHBAR

Im September 2015 hatte die EPA Volkswagen erstmals öffentlich vorgeworfen, in grossem Stil Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben. Dies stürzte VW in die tiefste Krise seiner Geschichte und führte zu enormen Kosten. Die Vorzugsaktien von Volkswagen haben sich immer noch nicht ganz von dem Kursrutsch erholt, der den Börsenwert des Unternehmens zwischenzeitlich fast halbiert hatte.

Allerdings sind die Fälle VW und Fiat Chryrsler bislang noch nicht direkt vergleichbar und haben unterschiedliche Grössenordnungen - bei VW waren fast 600 000 US-Diesel betroffen. Fiat Chrysler geht davon aus, sich mit der Abgastechnik im legalen Rahmen zu bewegen.

ANALYST: KURSRUTSCH ETWAS ÜBERZOGEN

Analyst John Murphy von der US-Bank Merrill Lynch hielt den Kursrutsch bei Fiat Chrysler derweil für etwas überzogen. Zwar könnte der EPA zufolge eine Strafe von rund 4,63 Milliarden Dollar (4,34 Milliarden Euro) drohen. Dies sei aber ein sehr extremes Szenario, wahrscheinlich würde der Betrag, den der Autobauer zahlen müsse, niedriger ausfallen./la/he

(AWP)