Wdh Aktien Frankfurt Schluss: Dax nach EZB vom starken Euro gebremst

(Wortfehler im ersten Absatz korrigiert: den Dax) - Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag einmal mehr vom starken Euro ausgebremst worden. Nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte die Gemeinschaftswährung den Dax seine zuvor erzielten Gewinne gekostet. Er schloss letztlich mit einem kleinen Abschlag von 0,04 Prozent bei 12 447,25 Punkten, während der Euro über der Marke von 1,16 US-Dollar auf den höchsten Stand seit 2015 vorpreschte.
20.07.2017 18:39

Die EZB beliess den Leitzins auf ihrer Sitzung am Donnerstag auf seinem Rekordtief und gab auch sonst keine Hinweise auf ein Ende ihrer extrem lockeren Geldpolitik. Für einige Experten und Anleger kam es dabei etwas überraschend, dass die Währungshüter selbst am Passus, weiterhin eine Erhöhung ihrer Wertpapierankäufe in Betracht zu ziehen, nichts änderten.

EURO-BULLEN UNTERWEGS

"Mario Draghi hat heute die Euro-Bullen von der Leine gelassen", resümierte vor diesem Hintergrund Marktexperte Jochen Stanzl von CMC Markets. Am Aktienmarkt wird der starke Euro vor allem deshalb nicht gerne gesehen, weil er tendenziell die Exportchancen europäischer Unternehmen schmälert. Erste Anzeichen davon könnten sich schon in der gerade anlaufenden Berichtssaison zeigen.

Auch die weiteren deutschen Indizes konnten ihre zwischenzeitlichen Gewinne am Donnerstag nicht verteidigen: Der Index der mittelgrossen Werte MDax verlor am Ende sogar 0,63 Prozent auf 24 856,88 Punkte Der Technologiewerte-Index TecDax schloss bei 2291,85 Zählern. Dies war ein hauchdünner Abschlag von 0,01 Prozent.

LUFTHANSA AUF TALFAHRT

Eine Welle von Gewinnmitnahmen setzte im Dax vor allem den zuletzt erfolgsverwöhnten Lufthansa-Aktien zu. Sie büssten nach ihrem zur Wochenmitte erreichten Mehrjahreshoch am Indexende mehr als 8 Prozent ein, weil die Luftfahrtbranche in ganz Europa unter Druck stand. Nach der zuletzt starken Kursentwicklung schienen Investoren verstärkt Kasse zu machen, sagte ein Beobachter.

Mit Zahlen im Fokus standen die SAP-Papiere , die am Ende moderat um 0,24 Prozent nachgaben. Anleger hatten ihr Pulver offensichtlich schon am Vortag verschossen, als der Softwarekonzern zu den besten Dax-Werten zählte. Experten zogen ein durchwachsenes Fazit: Lob gab es für den Umsatz, etwas enttäuscht zeigten sie sich aber von den Margen.

TELEKOM LEGEN ZU

Die Deutsche Telekom dagegen profitierte bis zum Schluss von guten Quartalsresultaten und angehobenen Jahreszielen bei T-Mobile US . Die US-Mobilfunktochter habe erneut überzeugt, lobte Analyst Karsten Oblinger von der DZ Bank. Davon angetrieben brachten die T-Aktien einen Aufschlag von 0,58 Prozent über die Ziellinie.

Nach etwas deutlicher nach oben ging es beim Baustoffkonzern HeidelbergCement , dessen Papiere dank eines positiven Analystenkommentars um 0,82 Prozent stiegen. Nach einer Serie von Enttäuschungen glauben die Experten von Barclays nun an einen beruhigenden Zwischenbericht für das zweite Quartal.

HELLA UND KRONES ÜBERZEUGEN - SYMRISE LEIDET UNTER GIVAUDAN-ZAHLEN

Im MDax überzeugte der Autozulieferer Hella mit einem Umsatz- und Ergebnisanstieg im abgelaufenen Geschäftsjahr. Für die Aktien ging es um 3,55 Prozent hoch. Dagegen sanken die Titel des Duftstoffe- und Aromenherstellers Symrise im MDax um 2,29 Prozent. Analyst Michael Schäfer von der Commerzbank sprach von negativen Auswirkungen der enttäuschenden Resultate des schweizerischen Konkurrenten Givaudan .

Unter den Technologietiteln stachen Adva Optical mit einem Kurssturz um mehr als 17 Prozent negativ heraus. Der Telekomausrüster hatte im abgelaufenen Quartal unter dem starken Wettbewerb gelitten und enttäuschte beim Ausblick. Nicht viel besser erging es den Aktionären von Zooplus: die Aktien sackten im SDax um 9,5 Prozent ab. Sie litten unter der unerwartet schwachen Umsatzentwicklung des Onlinehändlers für Haustiefbedarf im ersten Halbjahr.

FTSE BLEIBT GEGEN DEN TREND IM PLUS

Europaweit war das Bild ähnlich wie beim Dax: Der EuroStoxx 50 stand zum Schluss hauchdünn mit 0,02 Prozent und 3499,49 Punkten im Minus. Während der Cac-40 in Frankreich moderat nachgab, behauptete sich der Londoner FTSE 100 bis zuletzt klar mit 0,77 Prozent im Plus. In New York bewegte sich der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa derweil auch im negativen Terrain.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,31 Prozent am Vortag auf 0,32 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 140,62 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,17 Prozent auf 162,08 Punkte zu. Ein Euro kostete zuletzt 1,1639 US-Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs zuvor noch auf 1,1485 (Mittwoch: 1,1533) US-Dollar festgesetzt./tih/he

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

(AWP)