8,1% mehr Erwerbstätige seit 2011 - Doch auch Arbeitslosigkeit klar gestiegen

Zwischen 2011 und 2016 ist die Anzahl der Erwerbstätigen in der Schweiz deutlich angestiegen. Doch hat sich die Zahl der erwerbslosen Personen im selben Zeitraum ebenfalls erhöht. Im internationalen Vergleich steht der Schweizer Arbeitsmarkt aber gut da.
23.10.2017 12:15

Zwischen dem vierten Quartal 2011 und dem vierten Quartal 2016 nahm die Zahl der Erwerbstätigen laut Erwerbstätigenstatistik (ETS) in der Schweiz um 8,1% auf insgesamt 5 Mio zu, wie aus der Publikation "Arbeitsmarktindikatoren 2017" des Bundesamts für Statistik (BFS) hervorgeht. Die leicht anders erhobene Beschäftigungsstatistik (BESTA) geht von einer Zunahme von 6,1% auf 4,9 Mio aus, heisst es weiter.

Trotzdem nahm im selben Zeitraum auch die Zahl der Erwerbslosen gemäss Standards des Internationalen Arbeitsamtes ILO in der Schweiz um 12% zu. Die Zahl der bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) registrierten Arbeitslosen stieg um 29'000 Personen (+24%).

Diese Entwicklungen führten im Fünfjahresvergleich zu einer Erhöhung der ILO-Erwerbslosenquote auf 4,6%, was einem Plus von 0,2 Prozentpunkten entspricht. Die Arbeitslosenquote gemäss Seco stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 3,5%.

PROBLEME BEI DER REKRUTIERUNG

Trotz der Zunahme der Erwerbslosigkeit haben die Unternehmen Mühe, geeignetes Personal zu rekrutieren, heisst es in der Publikation des BFS weiter. Vor allem Mitarbeiter mit einem Hochschulabschluss oder einer höheren Berufsbildung seien nur schwer zu finden. Nicht zugenommen hätten die Rekrutierungsprobleme hingegen bei Mitarbeitern mit einer Berufslehre oder ohne Ausbildung.

Passend dazu sei die erwähnte Steigerung der Erwerbslosenquote in der Schweiz primär bei Personen mit einer Ausbildung auf Niveau Sekundarstufe I und II erfolgt. Hier nahm die Quote um 0,6 Prozentpunkte zu. Bei den bei Personen mit Hochschulabschluss blieb sie hingegen konstant.

Im Bezug auf die Geschlechter näherte sich die Erwerbslosigkeit von 2011 bis 2016 zwischen Männern und Frauen an. Im vierten Quartal 2016 waren 4,4% der Männer, respektive 4,8% der Frauen erwerbslos. Fünf Jahre zuvor waren es 4,1% und 4,8%.

ZUWANDERUNG BEEINFLUSST ARBEITSMARKT

Eine starke Zunahme zu betrachten war im Untersuchungszeitraum bei der Zahl der ausländischen Erwerbspersonen in der Schweiz. Sie betrug 18,5% und erreichte 1,7 Mio Menschen. Doch auch die Anzahl Schweizer Erwerbspersonen erhöhte sich um 4,1% auf 3,6 Mio. Dabei gilt: Ausländer sind deutlich stärker von Erwerbslosigkeit betroffen als Schweizer (8,3% gegenüber 3,3% im vierten Quartal 2016).

Trotz der höheren Anzahl der Erwerbslosen bleibt der Schweizer Arbeitsmarkt im internationalen Vergleich robust, betont das BFS. Konkret war die Erwerbslosenquote gemäss ILO in der Schweiz knapp halb so hoch (4,6%) wie diejenige in der Europäischen Union (8,2%). Nur Deutschland (3,8%), die Tschechische Republik (3,6%) und Island (2,5%) verzeichneten eine Erwerbslosenquote unter 4%.

HINTERGRUND WIRTSCHAFTSWACHSTUM

Im Durchschnitt wuchs die Schweizer Wirtschaft in der Berichtsperiode mit 1,7%. Ab dem ersten Quartal 2015 war ein Nachlassen des Wirtschaftswachstums zu beobachten, so das BFS.

Im vierten Quartal 2015 habe die Wachstumsrate im Vergleich zum Vorjahresquartal noch 0,4% betragen - der tiefste Wert in der beobachteten Periode. Im Jahr 2016 verzeichnete die Schweiz im Durchschnitt wieder ein Wachstum von 1,3%.

kw/rw

(AWP)