ABB-Aktien tendieren nach Zahlen gegen den Trend schwächer

Die Aktien des Industriekonzerns ABB geben am Donnerstag im frühen Geschäft in einem freundlichen Gesamtmarkt klar nach. Das am Morgen vorgelegte Resultat für das zweite Quartal hat zwar beim Auftragseingang positiv überrascht, alle übrigen Kennziffern lagen aber unter den Prognosen. In Marktkreisen wird insbesondere der Margenrückgang gegenüber dem Vorjahr bemängelt und gleichzeitig auf den unverändert verhaltenen Ausblick verwiesen.
20.07.2017 09:39

Bis um 09.30 Uhr geben ABB um 2,5% auf 23,30 CHF nach, dies bei gutem Handelsvolumen. Der Gesamtmarkt (SMI) steht dagegen 0,33% höher. Mit der Performance seit Jahresbeginn gleicht sich die ABB-Aktie mit einem Plus von rund 9% wieder dem Gesamtmarkt an.

Das Ergebnis habe auf beinahe allen Ebenen enttäuscht, heisst es in einem ersten Kommentar der Deutschen Bank. Die Book-to-bill-Ratio sei wieder auf einen Wert unter 1 gesunken und der Ausblick laute unverändert auf "gemischt und unsicher".

Beim Rückgang der EBITA-Marge um einen halben Prozentpunkt auf 12,4% sei zudem zu berücksichtigen, dass der Konsensus seit Anfangs Juni bereits um 40 Basispunkte zurückgenommen worden sei. Von den Divisionen habe insbesondere Robotics und Antriebe mit einem starken Margenrückgang enttäuscht. Die Bank sieht bei den Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie Abwärtspotential im tiefen bis mittleren einstelligen Bereich.

Auch die UBS ortet für die Schätzungen leichtes Revisionspotential nach unten. Sie verweist darauf, dass die Schätzungen für den Auftragseingang lediglich wegen der Outperformance der Division Industrial Automation sowie dem Konto Corporate & Others übertroffen worden sei. Dies mache rund die Hälfte der Differenz zu den Schätzungen aus. Diese Aufträge sind laut UBS allerdings von "geringer Qualität".

AUCH WENIGER KRITISCHE VOTEN

Etwas weniger kritisch zeigt sich Jefferies. ABB habe die reduzierten EBITA-Erwartungen in etwa getroffen, heisst es dort. Als Enttäuschung wird hier insbesondere der Cashflow bezeichnet. Jefferies sieht aber keinen Veränderungsbedarf an den Konsensschätzungen. Auch Goldman Sachs ist der Ansicht, dass die Schätzungen für ABB mehr oder weniger unverändert bleiben dürften. Das amerikanische Institut bezeichnet die Zahlen als mehr oder weniger "in line", bis auf den besser als erwartet ausgefallenen Bestellungseingang und die hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Margen.

Die Bank Vontobel konzentriert sich insbesondere auf den Bestellungseingang. Das Wachstum von 3% bei den Basisbestellungen könnte einen Wendepunkt darstellen, so die Ansicht der Privatbank. Die Wahrscheinlichkeit für konjunkturellen Rückenwind sei zudem gestiegen, was das Momentum beim Bestellungseingang und beim Umsatz noch verstärken könnte. Für diesen Fall prognostiziert Vontobel wegen der geringeren Kostenbasis auch eine klare Verbesserung der Profitabilität.

Vergleichsweise gelassen zeigt sich auch der Kommentator der Zürcher Kantonalbank: "Wie erwartet legte ABB ein weiteres Quartal geprägt von wenig Dynamik vor", heisst es beim Staatsinstitut. Bei den Basisaufträgen habe man allerdings eine breitere Erholung erwartet. Als erfreulich sieht die ZKB den positiven Auftragseingang bei Industrial Automation, auch wenn dieser von einer anspruchslosen Vergleichsbasis her komme. Die Bank wird ihre Schätzungen für ABB in der Folge nach oben revidieren, begründet dies allerdings mit der Konsolidierung der österreichischen B&R im zweiten Semester.

cf/gab

(AWP)