ABB: Cevian bekräftigt Forderung nach Abspaltung der Sparte Power Grids

(Ausführliche Fassung)
13.09.2016 14:18

Zürich (awp) - Im Vorfeld des Capital Markets Day von ABB hat der schwedische Finanzinvestor Cevian seine Forderungen nach einer Abspaltung der Sparte Power Grids vom restlichen Geschäft bei ABB bekräftigt und dabei kräftig die Medien-Werbetrommel gerührt. Einerseits äusserte sich ein Partner von Cevian, Christer Gardell, in einem Interview mit einer schwedischen Tageszeitung in diese Richtung und andererseits untermauerte Cevian diese Haltung mit einem Dokument, dass an die Medien verbreitet wurde.

ABB sollte die Division Power Grids abspalten und separat an die Börse bringen, heisst es in dem Papier, dass Cevians Position darlegen soll. Es entstünden "zwei grossartige Unternehmen", welche langfristig wachsen und prosperieren würden. Cevian sieht den kombinierten Wert der beiden Unternehmen bei 35 CHF je Aktie.

Das Management von ABB habe mit "guter Arbeit" während der letzten 12 Monate eine gute Basis für eine Abspaltung der Sparte Stromnetze gelegt, heisst es im Dokument weiter. Durch einen Spin off würden weder der Rest des ABB-Konzerns, noch die Sparte Power Grids ihre Wachstumschancen einbüssen. Dafür würden die aber von den Nachteilen einer Konglomerats-Struktur befreit werden. ABB sei zu komplex und auch unter einem guten Management kaum zu führen, wiederholte Cevian frühere Aussagen.

In der Vorwoche portierte die ebenfalls in Schweden erscheinende "Dagens Nyheter" ähnliche Vorschläge des zweiten Grossaktionärs von ABB, der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Investor AB. Diese hat bei der letzten Offenlegungsmeldung einen Anteil von knapp über 10% angegeben, Cevian hält gemäss den letzten Angaben gut 5%. Der dritte grössere Aktionär ist Blackrock mit einem Anteil von gut 3%.

AM 4. OKTOBER KOMMT DIE KATZE AUS DEM SACK

ABB hatte die strategische Überprüfung der Sparte anlässlich des Capital Markets Day (CMD) im vergangenen Jahr im September angekündigt und will anlässlich des diesjährigen CMD am 4. Oktober über das Ergebnis dieser Überprüfung informieren.

ABB ist im zukunftsträchtigen Geschäft der Strom-Übertragungstechnik Weltmarktführer. Insbesondere bei der Hochspannungs-Gleichstromübertragung hängte ABB die Konkurrenz von Siemens und Alstom in den vergangenen Jahren ab. Das ABB-Segment ist auch rentabler, da es im Gegensatz zu den Rivalen eine eigene Kabelfertigung hat.

Die Sparte Power Systems, in der die Übertragungstechnik angesiedelt ist, erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 12 Mrd USD sowie eine EBITDA-Marge von 7,5%. Diese Zahlen sind pro forma-Werte, da ABB die Divisionen erst auf das Geschäftsjahr 2016 hin neu gebündelt hat.

ABB-CEO Ulrich Spiesshofer sagte im Juni gegenüber AWP, dass sich das Unternehmen weiterhin im Überprüfungs-Prozess für die Sparte befinde, wobei man sich auch mit externen Experten austausche. Die Frage, ob er Power Grids lieber behalten möchte, beantwortete Spiesshofer nicht direkt. Er verwies aber darauf, dass in diesem Markt "Nachfragedynamik definitiv vorhanden" sei.

Dass Cevian auf die Strategieüberprüfung für die Sparte einen Einfluss habe, verneinte Spiesshofer seinerzeit im Gespräch mit AWP. Die Planung für die Strategieüberprüfung des Bereichs Stromnetze sei bereits vor der Beteiligungsnahme von Cevian eingeleitet worden.

An der Börse verzeichnen ABB am Dienstag ein Plus von 1,4% und liegen damit in der erweiterten Spitzengruppe.

cf/ra

(AWP)