ABB hält Umsatz im Q2 knapp stabil - 2017 bleibt Übergangsjahr

(Ausführliche Fassung) - Der Industriekonzern ABB hat im zweiten Quartal 2017 in der Berichtswährung US-Dollar den Auftragseingang auf dem Niveau des Vorjahresquartals gehalten und beim Umsatz einen leichten Rückgang verzeichnet. Auf der für ABB wichtigeren vergleichbaren Basis, das heisst bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte, ergab sich jeweils ein leichtes Plus. Überkapazitäten und die höheren Rohstoffpreise belasteten die Profitabilität. Im Ausblick bleibt das Unternehmen gewohnt zurückhaltend.
20.07.2017 07:34

Der Auftragseingang blieb gegenüber dem Vorjahresquartal unverändert bei 8,35 Mrd USD, bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseinflüsse ergab sich auf vergleichbarer Basis (lfl) ein Plus von 3%. Die beträchtlichen Zuwächse in den Divisionen Robotik und Antriebe sowie Industrieautomation hätten den Rückgang in den Divisionen Elektrifizierungsprodukte und Stromnetze mehr als ausgeglichen, teilt ABB am Donnerstag mit.

NEGATIVER WECHSELKURSEFFEKT

Die Basisaufträge erhöhten sich dabei auf vergleichbarer Basis um 3%, während die volatileren Grossaufträge um 5% über dem Vorjahresniveau lagen. Letztere machten damit wie im Vorjahr 8% des gesamten Auftragseingangs aus. Aufträge für Service und Software stiegen um 8% und tragen mittlerweile 20% zum Gesamtauftragseingang bei. Der stärkere US-Dollar führte beim Auftragseingang insgesamt zu einem negativen Wechselkurseffekt von 3%.

Das Book-to-Bill-Verhältnis ging im Vergleich zum ersten Quartal 2017 auf 0,99 (Q1: 1,07) zurück. Der Umsatz nahm gleichzeitig um 3% auf 8,45 Mrd ab (lfl +1%). Auf vergleichbarer Basis stieg er in den Divisionen Elektrifizierungsprodukte sowie Robotik und Antriebe. In der Division Stromnetze lag der Umsatz auf dem Niveau des Vorjahresquartals, während er sich in der Division Industrieautomation aufgrund des geringeren Auftragsbestands abschwächte.

"Im zweiten Quartal haben wir konsequent unseren Wachstumskurs fortgesetzt. Dank unserer fokussierten Massnahmen haben wir den Auftragseingang in allen Regionen gesteigert", lässt sich CEO Ulrich Spiesshofer in der Mitteilung zitieren. Das Digitalangebot ABB Ability werde zudem im Markt "hervorragend" aufgenommen und erweise sich als vielversprechender Wachstumstreiber.

ALLE REGIONEN POSITIV - ZIELMÄRKTE UNEINHEITLICH

Insgesamt habe sich die Nachfrage in sämtlichen ABB-Regionen positiv entwickelt, in den drei zentralen Kundensegmenten dagegen uneinheitlich. So haben Versorgungsunternehmen laut ABB weiterhin gezielte Investitionen zum Aufbau neuer Kapazitäten in Schwellenmärkten, zur Modernisierung alternder Energieinfrastruktur in entwickelten Märkten und zur weltweiten Integration von erneuerbaren Energien vorgenommen.

In der Industrie entwickelten sich Investitionen in Robotiklösungen und in Bereichen wie der Automobilindustrie, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie weiterhin positiv. Dagegen blieben die Investitionen im Öl- und Gassektor (Offshore) verhalten. In den Bereichen Bergbau, Exploration und im nachgelagerten Öl- und Gassektor (Downstream) dürften gezielte Investitionen voraussichtlich fortgesetzt werden.

MARGE VON ÜBERKAPAZITÄTEN BELASTET

Der operative EBITA ging um 7% auf 1'042 Mio USD zurück, während sich auf vergleichbarer Basis ein Minus von 5% ergab. Die entsprechende Marge reduzierte sich um 50 Basispunkte auf 12,4%. Der Wert sei durch gestiegene Rohstoffpreise und Überkapazitäten in einigen Geschäften beeinflusst worden, was von den positiven Nettoeinsparungen nicht habe kompensiert werden können.

Der Reingewinn legte dagegen kräftig um 29% auf 525 Mio USD zu. Allerdings war das Vorjahr von Restrukturierungskosten und restrukturierungsnahen Aufwendungen in Höhe von 367 Mio belastet. Damit hat ABB die Erwartungen der Analysten ausser mit dem Auftragseingang verfehlt.

WEITER VORSICHTIGER AUSBLICK

Mit Blick nach vorne bleibt ABB weiter vorsichtig. Makroökonomische und geopolitische Entwicklungen würden ein durchwachsenes Szenario mit anhaltenden Unsicherheiten signalisieren, wiederholt die Gruppe frühere Aussagen. In den USA werden weiterhin einige positive makroökonomische Signale geortet und für China wird fortgesetztes Wachstum erwartet. Allerdings würden die globalen Märkte durch das verhaltene Wachstum und erhöhte Unsicherheiten, zum Beispiel durch den Brexit in Europa und geopolitische Spannungen in verschiedenen Teilen der Welt, weiter belastet.

Der Ölpreis und Effekte aus der Währungsumrechnung werden das Unternehmensergebnis voraussichtlich weiterhin beeinflussen, so die Mitteilung weiter. Angesichts dieser Entwicklungen und der laufenden Transformation bekräftigt die ABB-Führung, dass 2017 für den Konzern ein Übergangsjahr wird.

cf/gab

(AWP)