ABB hält an Sparte Stromnetze fest - Divisionen werden neu organisiert

(Ausführliche Fassung)
04.10.2016 07:41

Zürich (awp) - Der Industriekonzern ABB will an der Sparte Stromnetze (Power Grids) festhalten. Die vier bisherigen Divisionen werden allerdings neu aufgeteilt, nämlich in die Divisionen Elektrifizierungsprodukte, Robotik und Antriebe, Industrieautomation und die erwähnte Sparte Stromnetze. Anlässlich des jährlichen Capital Markets Day (CMD) wird ausserdem eine Verschärfung des Sparprogramms im Konzernbereich sowie ein neues Aktienrückkaufprogramm angekündigt.

Die Sparte Power Grids bleibt wie im Vorfeld vermutet im Konzern. Sie soll allerdings weiter transformiert werden, wie ABB am Dienstag anlässlich des jährlichen CMD mitteilt. Nach einer umfassenden strategischen Portfolio-Überprüfung seien Verwaltungsrat und Konzernleitung zum Schluss gekommen, dass die Transformation der Division Stromnetze unter dem Dach von ABB den grösstmöglichen Wert für die Aktionäre schaffe - verglichen mit anderen Optionen wie beispielsweise ein Verkauf, Börsengang, Abspaltung oder Joint Venture. Entsprechende Schritte hatten zuvor verschiedene Aktionäre, allen voran die schwedische Beteiligungsgesellschaft Cevian Capital, gefordert.

FITNESSPROGRAMM FÜR STROMNETZE

Wichtige Faktoren des Entscheidungsprozesses seien unter anderem die Attraktivität des Marktes, die bestehenden und künftigen Angebote des Produktportfolios, die Chancen des Geschäftsmodells, die Frage nach dem besten Eigentümer sowie alternative Optionen zur Wertschaffung für die ABB-Aktionäre gewesen.

Mit Blick auf die mit einem Umsatzanteil von knapp einem Drittel grösste Division Power Grids soll nun ein Programm unter dem Namen "Power Up" für höheres Wachstum und eine stärkere Profitabilität sorgen, sowie für eine Reduktion der Risiken. Um die Risiken im Geschäftsmodell zu minimieren werden zudem zwei neue Partnerschaften eingegangen, nämlich mit Fluor im Bereich Umspannwerke sowie mit Aibel im Bereich Offshore-Windanlagen. Im Zuge dieser Transformation erhöht ABB den Zielkorridor für die operative EBITDA-Marge in der Sparte Stromnetze ab 2018 um 200 Basispunkte auf 10 bis 14%.

NEUORGANISATION DER DIVISONEN

Über die Neuausrichten von Power Grids hinaus ist ein zentraler Bestandteil der dritten Stufe der "Next Level"-Strategie die Neuausrichtung der Divisionen als vier führende, unternehmerisch handelnde Einheiten, das Ausschöpfen des digitalen Potentials von ABB, das Vorantreiben des operativen Exzellenzprogramms sowie die Stärkung der Marke ABB.

Auf den 1. Januar 2017 wird die Organisationsstruktur erneut neu ausgerichtet. Künftig teilt sich ABB in die Bereiche Elektrifizierungsprodukte, Robotik und Antriebe, Industrieautomation und Stromnetze auf. Die Divisionen sollen innerhalb der Gruppe noch stärker unternehmerisch handeln können. So werden etwa auch die Modelle der Leistungsbeurteilung und der Vergütungen neu ausgelegt. Durch ein aktives Portfoliomanagement sollen die Divisionen zudem weiter gestärkt werden. Dies beinhalte strategische Zukäufe, die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen und die Trennung von Randgeschäften.

Für die bereits angekündigte Veräusserung des Kabelgeschäfts erwartet ABB den Abschluss der Transaktion im ersten Quartal 2017.

In der Division Elektrifizierungsprodukte werden alle Elektrifizierungsangebote von ABB gebündelt. Dabei werden die Bereiche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Solarumrichter und unterbrechungsfreie Stromversorgung von der bisherigen Division Industrieautomation und Antriebe in die Division Elektrifizierungsprodukte überführt. Die notwendigen Investitionen, um den Wachstumskurs dieser Bereiche zu stärken, würden indes die Ergebnismarge der Division Elektrifizierungsprodukte anfänglich negativ beeinträchtigen.

NEUES SPARZIEL UND AKTIENRÜCKKAUFPROGRAMM

Die Division Industrieautomation geht aus der bisherigen Division Prozessautomatisierung hervor. Die Division Robotik und Antriebe wird zum Partner für Lösungen im Bereich Robotik und intelligente Antriebe. Das Angebot in den Bereichen industrieller Motoren und Antriebe sowie das Robotik-Geschäft sind die zentralen Bausteine dieser neu gestalteten Division, die aus der bisherigen Division Industrieautomation und Antriebe hervorgeht.

Weiter erhöht ABB das Sparziel für das laufenden White Collar Productivity (WCP)-Programm um 30% auf 1,3 Mrd USD. Dabei bleibe der Zeitrahmen und die Kosten unverändert. Zuvor hatte ABB bis Ende 2017 ein Ziel von rund 1 Mrd USD genannt.

Nach dem Abschluss des Aktienrückkaufprogramms Ende September will ABB ein neues Programm auflegen. Von 2017 bis 2019 sollen Aktien im Volumen von bis zu 3 Mrd USD zurückgekauft werden. Dies spiegele die Zuversicht des Unternehmens sowie die anhaltende Stärke der Cash-Generierung und Finanzlage wider, heisst es. In den vergangenen drei Jahren habe ABB insgesamt 8,7 Mrd USD an die Aktionäre in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen gezahlt, wird betont.

Bei der Kapitalallokation konzentriert sich ABB weiter auf vier Schwerpunkte. Dazu zählen einmal Investitionen in organisches Wachstum, Forschung und Entwicklung sowie hochrentable Investitionen. Weiter wird die Zahlung einer kontinuierlich steigenden nachhaltigen Dividende und Investitionen in wertsteigernde Akquisitionen angestrebt. Zudem sollen überschüssige Cash-Bestände an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

cf/cp

(AWP)