ABB mit Auftrags- und Umsatzrückgang im Q2 - weitere Verbesserung der Margen

(Ausführliche Fassung)
21.07.2016 08:58

Zürich (awp) - Der Industriekonzern ABB hat im zweiten Quartal 2016 die Tendenz aus dem ersten Quartal bestätigt. Erneut gingen Auftragseingang und Umsatz zurück, während die Margen weiter verbessert wurden, dies gar deutlich. Mittlerweile befinden sich dank der anhaltenden Kostensenkungsbemühungen wieder alle vier Divisionen im für die Periode bis 2020 definierten Zielkorridor. Der Ausblick verweist erneut auf die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten, wobei die Abstimmung zum Brexit erschwerend hinzukommt.

Der Auftragseingang ging um 8% auf 8,32 Mrd USD zurück, entsprechend einem um Währungs- und Konsolidierungseinflüsse bereinigten Minus von 5%. Die Basisaufträge blieben dabei auf bereinigter Basis stabil, während die Grossaufträge um 39% nachgaben. Der Rückgang im Auftragseingang sei auf zeitliche Effekte bei der Vergabe von Grossaufträgen zurückzuführen, teilte ABB am Donnerstag mit. Der Umsatz reduzierte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 5% auf 8,68 Mrd USD, während sich auf bereinigter Basis ein Minus von 2% ergab.

CEO Ulrich Spiesshofer bezeichnete in einer Videobotschaft den Auftragseingang, dies vor allem mit Blick auf die Basisaufträge, und den Umsatz als "mehr oder weniger stabil". Er verwies darauf, dass ABB in Segmenten wie Food&Beverage, Automobilindustrie, in Europa insgesamt oder auch in den BRIC-Staaten gutes Wachstum verzeichne. Damit soll die Schwäche in den Prozessindustrien möglichst ausgeglichen werden. "Wir wollen das Momentum dort, wo wir wachsen, bewahren", sagte er.

GEGENWIND IN PROZESSINDUSTRIE HÄLT AN

Zum Quartalsverlauf hiess es, dass Versorgungsunternehmen weiter zurückhaltend geblieben seien, jedoch erneut gezielte Investitionen zur Integration von erneuerbaren Energien und zur Verbesserung der Versorgungssicherheit vorgenommen hätten. Die Automobilbranche und die Konsumgüterindustrie hätten die Nachfrage dagegen auch im zweiten Quartal gestützt. Die Nachfrage in der Prozessindustrie wiederum sei aufgrund rückläufiger Investitionsaufwendungen verhalten und der Transport- und Infrastrukturmarkt uneinheitlich gewesen. Die Prozessindustrie verzeichnet laut Spiesshofer "massiven Gegenwind", was sich auch in den kommenden Monaten kaum ändern dürfte.

Nach Regionen betrachtet verzeichnete Europa ein bereinigtes Wachstum des Auftragseingangs von 2%, vor allem dank des Bausektors und der Nachfrage in den Bereichen Integration von erneuerbaren Energien und energieeffiziente Transportlösungen. In Grossbritannien sind die Basisaufträge wegen der Unsicherheiten rund um den Brexit indes zurückgegangen. In den USA war vor allem die schwache Prozessindustrie für den Rückgang des Bestellungseingangs um 5% verantwortlich. In Asien konnte die starke Entwicklung in China und Indien die Rückgänge in Saudi-Arabien und Südkorea nicht kompensieren, so resultierte insgesamt ein Minus bei den Bestellungen von 10%.

MARGE KLAR VERBESSERT - KOSENMASSNAHMEN GREIFEN

Besser als Umsatz und Auftragseingang hat sich der operative Gewinn entwickelt. Der operative EBITA erhöhte sich um 5% auf 1'106 Mio USD (LW +7%) und die operative EBITA-Marge um 100 Basispunkte auf 12,7%. Die Verbesserung auf vergleichbarer Basis sei hauptsächlich auf Nettoeinsparungen zurückzuführen. Die Margenverbesserung sei zudem gestützt vom Turnaround in der Division Stromnetze, von einer Verbesserung in der Division Elektrifizierungsprodukte sowie durch die fortlaufenden Produktivitäts- und Kostensenkungsmassnahmen. Spiesshofer bezeichnete es als eines der Highlights des Quartals, dass mittlerweile alle Divisionen wieder eine Marge im Zielbereich aufwiesen.

Der Reingewinn schliesslich gab dennoch um 31% auf 406 Mio nach. Belastet wurde dieser durch Restrukturierungskosten und restrukturierungsnahe Aufwendungen in der Höhe von 367 Mio USD. Damit hat ABB die Erwartungen der Analysten mit dem Auftragseingang und dem Umsatz verpasst, mit den Gewinnziffern dagegen übertroffen.

Mit Blick nach vorne sagte Spiesshofer, dass in der Öl- und Gasindustrie vor allem der Upstream-Bereich, also das Fördergeschäft, sowie das Minengeschäft weiterhin schwach bleiben dürften. Der Brexit in Grossbritannien habe die Erwartungen für Europa insgesamt gedämpft und zu Unsicherheiten im Land selber geführt. Dies und die Ereignisse in der Türkei und in Frankreich seien Beweis für die derzeit sehr unsichere und volatile Welt. An den mittelfristigen Zielsetzungen für den Zeitraum bis 2020 hält ABB indes fest.

cf/ra

(AWP)