ABB spürt im Q4 schwieriges Marktumfeld - dennoch höhere Dividende

(Ausführliche Fassung)
03.02.2016 08:21

Zürich (awp) - Der Industriekonzern ABB hat im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2015 klar weniger Umsatz und Auftragseingang erzielt. Dabei litt das Unternehmen unter dem schwierigen Marktumfeld und dem starken US-Dollar. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte blieben Umsatz und Auftragseingang sowohl im Quartal als auch aufs gesamte Jahr gesehen praktisch stabil und die operative Marge wurde gar leicht verbessert. Der Reingewinn war dagegen wegen der Kosten für die verschiedenen Restrukturierungsprogramme rückläufig. Dennoch soll die Dividende erhöht werden.

Der Auftragseingang von ABB ging im vierten Quartal um 12% auf 8,26 Mrd USD zurück. Bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseinflüsse ergab sich ein Minus von 2%, wie der in der Energie- und in der Automationstechnik tätige Konzern am Mittwoch mitteilt. Die Basisaufträge verringerten sich dabei bereinigt um 6%, wogegen die Grossaufträge zum Vorjahresquartal um 27% anzogen. Die Aufwertung des US-Dollars gegenüber der Vorjahresperiode führte beim gebuchten Auftragseingang zu einem negativen Umrechnungseffekt von 9%.

Der Umsatz reduzierte sich um 11% auf 9,24 Mrd, während sich auf bereinigter Basis ein Minus von 1% ergab. Die Nachfrage sei auch im vierten Quartal verhalten geblieben, was die fortgesetzten makroökonomischen Unsicherheiten und Herausforderungen in vielen Märkten spiegle, so ABB.

MEHR DIVIDENDE TROTZ GEWINNRÜCKGANG

Der operative EBITA sank um 6% auf 1'081 Mio, die EBITA-Marge stieg dagegen um 60 Basispunkte auf 11,7%. Auf vergleichbarer Basis erhöhte sich der EBITA um 1%. Die verbesserte Marge sei auf den Turnaround der Division Energietechniksysteme sowie auf die laufenden Kostensenkungsmassnahmen zurückzuführen.

Der Reingewinn brach im Quartal um 70% auf 204 Mio USD ein, auf das Gesamtjahr gesehen ergab sich ein Minus von 25% auf 1,93 Mrd USD. Die Dividende soll dennoch auf 0,74 von 0,72 CHF je Aktie erhöht werden. Die Grundlage für diese "nachhaltige Dividendenpolitik" bilde der starke Cashflow. Der Rückgang des Reingewinn war insbesondere auf Restrukturierungskosten und damit verbundene Aufwendungen von insgesamt 626 Mio USD zurückzuführen. Zu den laufenden Verbesserungsprogrammen von ABB gehören Kapazitätsanpassungen und Massnahmen zur Produktivitätssteigerung im Angestelltenbereich (White Collar Productivity, WCP).

Die Erwartungen der Analysten wurden mit Umsatz und Auftragseingang in etwa erreicht, mit dem EBITA übertroffen und mit dem Reingewinn verpasst. Der AWP-Konsens für den Umsatz lag bei 9,27 Mrd USD, für den Auftragseingang bei 8,27 Mrd, für den EBITA bei 998 Mio und für den Reingewinn bei 215 Mio USD.

ZURÜCKHALTENDER AUSBLICK

Mit Blick nach vorne bleibt ABB zumindest kurzfristig weiterhin zurückhaltend. Makroökonomische und geopolitische Entwicklungen würden auf ein uneinheitliches Szenario mit anhaltenden Unsicherheiten hinweisen. Weiter positiv seien einige makroökonomische Signale in den USA. In China rechnet die ABB-Führung mit einer Fortsetzung des Wachstums, wenn auch auf geringerem Niveau als 2015. Die Märkte werden durch das verhaltene Wachstum in Europa und die geopolitischen Spannungen in verschiedenen Teilen der Welt weiter belastet, schreibt ABB weiter. Das Unternehmensergebnis werde durch den Ölpreis und Effekte aus der Währungsumrechnung voraussichtlich weiterhin beeinflusst.

CEO Ulrich Spiesshofer spricht im Hinblick auf seine Erwartungen für das laufende Jahr von "fliegen auf Sicht in einem schwierigen Marktumfeld", wie er in einer Videobotschaft des Unternehmens sagte. Die Aussichten für den Öl- und Gasmarkt seien weiterhin gedämpft, wogegen es für andere Bereiche ermutigende Anzeichen gebe.

Die im September 2015 angekündigte Stufe 2 der Next-Level-Strategie habe im vierten Quartal bereits erste positive Ergebnisse gezeigt, so ABB weiter. Im Gesamtjahr 2015 seien die Kosten um insgesamt annähernd 1,2 Mrd USD oder rund 5% der Umsatzkosten gesenkt worden.

ABB sieht sich zudem auf Kurs, die gesetzten Ziele im Hinblick auf die Komplexitätsreduzierung zu erreichen. Auf diese Weise will ABB bis Ende 2017 Einsparungen von 1 Mrd USD pro Jahr erzielen. Die verschiedenen Teilprojekte liegen gemäss Mitteilung im Zeitplan, um 2016 Bruttoeinsparungen von annähernd 400 Mio USD zu erzielen - zusätzlich zum bereits laufenden Kostensenkungsprogramm, bei dem Einsparungen in Höhe von 3-5% der Umsatzkosten pro Jahr angestrebt werden.

cf/gab

(AWP)