Actelion-Aktie mit Kurssprung - J&J angeblich an Kauf interessiert

Zürich (awp) - Die Actelion-Aktien legen zum Wochenschluss ein veritables Kursfeuerwerk hin. Verantwortlich dafür sind Berichte um ein angebliches Kaufinteresse von Johnson & Johnson (J&J). Ist an der Geschichte etwas daran, könnte dies andere Interessenten anlocken und einen Bieterwettbewerb lostreten, meinen Experten.
25.11.2016 09:50

Gegen 9.45 Uhr notieren Actelion bei sehr hohen Volumen satte 9,3% höher auf 172,60 CHF; am Vortag hatten sie bereits 1,9% zugelegt. Die Jahresperformance der Papiere beträgt somit aktuell 22%. Der am SMI gemessene Gesamtmarkt notiert derweil am Freitagmorgen 0,54% höher.

Der US-amerikanische Pharma- und Konsumgüterriese habe bei Actelion angeklopft, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg Donnerstagabend unter Berufung auf gut informierte Kreise. Actelion habe Berater konsultiert und erörtere weitere Optionen. Die Gespräche befänden sich aber noch in einem sehr frühen Stadium und könnten auch scheitern.

Über die Pharmabranche rollt derzeit eine Übernahmewelle. Viele Patente laufen aus und die Kosten für Forschung und Entwicklung sind hoch, weswegen aussichtsreiche Produkte gern zugekauft werden.

Nach Ansicht der ZKB-Analystin Sibylle Bischofberger ist es durchaus möglich, dass J&J tatsächlich an Actelion interessiert ist. Denn grundsätzlich sei es Aufgabe jeder Gesellschaft, stetig nach Übernahmeobjekten zu suchen. Und so wie Actelion stets nach Ergänzungen für das eigene Portfolio suche, dürfte dies auch bei den Amerikanern der Fall sein. Zumal der eigene Blockbuster Remicade 2017 den Patentschutz verlieren werde.

Giaccomo Mazzola von JP Morgan zufolge könnte sich J&J Actelion bequem leisten. Er setzt in seinen Schätzungen eine Prämie von 30% auf den gestrigen Schlusskurs an und kommt so auf einen Kaufpreis von 22 Mrd CHF. Und sollte wirklich etwas an der Geschichte etwas dran sein, dürften Mazzola zufolge Begehrlichkeiten bei anderen Pharmariesen geweckt werden und ein Bieterwettkampf könnte losgehen. Als möglichen weiteren Interessenten nennt der Analyst die französische Sanofi.

Etwas irritiert ist Mazzola vom Timing J&J's. Denn "President-Elect" Donald Trump habe zuletzt signalisiert, dass er es den amerikanischen Multis ermöglichen wollte, ihre im Ausland gebunkerten Cash-Berge steuergünstig zu repatriieren. J&J hätte also auch die Möglichkeit, sein Geld stattdessen in US-Biotech zu investieren.

Noch etwas erwähnen Bischofberger und Mazzola: Bis anhin sei das Actelion-Management um CEO Jean-Paul Clozel nie daran interessiert gewesen, übernommen zu werden. So hatte sich etwa die Actelion-Spitze von rund fünf Jahren mit Händen und Füssen - und erfolgreich - gegen den Raider Elliott Advisors gewehrt. Dieser forderte seinerzeit einen Verkauf von Actelion.

Übernahmegerüchte um die Allschwiler sind nicht neu hat es in den vergangenen Jahren in schöner Regelmässigkeit immer wieder gegeben. Seit vielen Jahren schon werden im Handel die verschiedensten Interessenten für Actelion genannt; sehr oft stellten sich diese Berichte aber als sogenanntes "Freitagsgerücht" heraus.

Zuletzt hatte vor rund einem Jahr eine milliardenschwere Anleihenemission der US-Pharmafirma Gilead und ein Bericht über alternative Übernahmeziele des irischen Shire-Konzerns die Fantasie der Anleger bei Actelion angeregt. In früheren Jahren war vor allem von einem Käufer Amgen die Rede.

ra/cp

(AWP)