Actelion-Aktien geben Teil der Gewinne preis - Neue Gerüchte zu J&J-Gesprächen

Zürich (awp) - Die Aktien von Actelion geben am Dienstag stark ab und sind mit Abstand die grössten Verlierer unter den Blue Chips. Offenbar prüft der Pharmakonzern mit der US-Gesellschaft Johnson&Johnson die Gründung eines ganz neuen Unternehmens. Zuvor hatten noch Übernahmespekulationen den Aktienkurs massiv getrieben.
29.11.2016 10:14

Actelion notieren gegen 10 Uhr 4,6% im Minus bei 181,30 CHF. Im bisherigen Tagestief erreichten sie gar 173,50 CHF. Der Gesamtmarkt gemessen am SMI notiert indes leicht tiefer mit -0,2%. Am Vortag legten die Actelion noch knapp 3% zu. Seit den ersten Übernahmespekulationen vergangene Woche legten diese bis zum Schluss am Montag rund 23% zu - auf zuletzt 190 CHF. Auf Jahressicht gehören sie sogar zu den grössten Gewinnern und liegen 30% im Plus.

Der Rückgang am Dienstag sei nicht überraschend, weil es nun eher nach einer Akquisition von J&J-Teilen im Gegenzug für eine Beteiligung aussieht, heisst es am Markt. Die Hoffnung auf ein hohes Barangebot von J&J für Actelion sinke daher. Actelion hatte am vergangenen Freitag Gespräche einer möglichen Transaktion mit Johnson&Johnson bestätigt, und in Marktkreisen war zuletzt von einem Transaktionspreis von bis zu 250 CHF je Aktie die Rede.

Nun ist die Rede von einer Kombination aus Teilen beider Unternehmen: Die Biotechnologiefirma werde nicht unbedingt im US-Konzern aufgehen, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf beteiligte Personen. Die Diskussionen mit den Amerikanern gingen vielmehr dahin, dass das Schweizer Unternehmen mit relevanten Teilen des Pharma-Geschäfts von J&J vereint werden könnte.

Die strukturierte Transaktion würde ein neues, grösseres Biotech-Unternehmen schaffen. J&J würde ein Grossaktionär der neuen Gesellschaft werden und könnte zudem etwas Cash einschiessen, um den Deal zu ermöglichen. Actelion und J&J haben laut FT eine Stellungnahme abgelehnt. Man habe der jüngsten Medienmitteilung nicht hinzuzufügen, heisst es am Dienstag von Actelion auf Anfrage bei von AWP. Beide Unternehmen hatten am vergangenen Freitag bestätigt, sich in Gesprächen hinsichtlich einer möglichen Transaktion zu befinden.

Arbitrageure und Spekulanten würden komplizierte Konstrukte hassen, so ein Kommentar im Handel. Diese Marktakteure gingen bisher von einer Barofferte bzw. einer vollständigen Übernahme von Actelion durch J&J oder einen anderen Rivalen aus. Dass nun andere Konstrukte im Gespräch sind, sorge für Verunsicherung - und folglich für Gewinnmitnahmen.

Sollte es zu einem Zusammenführen der Pharmaaktivitäten von Johnson & Johnson unter dem Dach von Actelion kommen, könnten sich die Hoffnungen auf eine hohe Übernahmeprämie als Illusion erweisen, heisst es auch bei der Luzerner Kantonalbank. Man bleibe zwar für das weitere Entwicklungspotential der Produktepipeline grundsätzlich weiter positiv eingestellt. Die Übernahmefantasien hätten den Aktienpreis jedoch allzu schnell nach oben getrieben.

Im jüngsten FT-Bericht heisst es auch, Actelion strebe nicht aktiv einen Verkauf der Gesellschaft an und wäge lediglich ihre Optionen ab. Und J&J habe von Anfang an angenommen, dass sich Actelion-Gründer und CEO Jean-Paul Clozel nicht von seiner Firma trennen will. Die Diskussionen seien daher mit dem Ziel angestossen worden, eine Lösung zu finden, die sowohl für Clozel als auch für die Aktionäre attraktiv wäre.

ys/cp

(AWP)