Actelion von Johnson & Johnson wegen möglicher Übernahme kontaktiert

(Ausführliche Fassung)
25.11.2016 17:44

Zürich (awp) - Das Allschwiler Biopharmaunternehmen Actelion ist als möglicher Übernahmekandidat ins Visier des US-Konzerns Johnson & Johnson (J&J) geraten. Actelion bestätigte am Freitagabend die seit Tagen an den Börsen kursierenden Gerüchte. Es bestehe aber keine Gewissheit, dass eine Transaktion zustande kommen werde, heisst es in der Mitteilung des Schweizer Unternehmens.

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Donnerstagabend berichtet, die Gespräche befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium. Actelion habe Berater konsultiert und erörtere weitere Optionen, hiess es in dem Bericht. Zuvor hatte ein Händlerportal in den USA über ein Kaufinteresse aus den USA berichtet. Johnson&Johnson hatte bisher noch keine Stellung zu den Berichten genommen.

Actelion erweckt nicht zum ersten Mal Kaufinteresse. Allerdings hatte Firmenchef Jean-Paul Clozel in der Vergangenheit stets betont, dass das Unternehmen unabhängig sein wolle. So hatte sich etwa die Actelion-Spitze von rund fünf Jahren mit Händen und Füssen - und erfolgreich - gegen den Raider Elliott Advisors gewehrt, der seinerzeit einen Verkauf von Actelion gefordert hatte.

Übernahmegerüchte um die Allschwiler hat es in den vergangenen Jahren in schöner Regelmässigkeit immer wieder gegeben. Seit vielen Jahren schon werden im Handel die verschiedensten Interessenten für Actelion genannt, zu diesen waren bereits etwa der irische Shire-Konzern oder der Konkurrent Gilead gezählt worden.

Der Finanzchef von J&J, Dominic Caruso, hatte zuletzt erklärt, weitere Zukäufe nicht auszuschliessen, wenn die Kandidaten das Portfolio sinnvoll ergänzen würden. Die Amerikaner schlugen erst Mitte September beim Augenheilkunde-Geschäft von Abbott Laboratories für 4,3 Mrd USD zu. Im Sommer machte J&J zuvor beim Bieterwettstreit um den Shampoohersteller Vogue International das Rennen.

Analysten zufolge könnte sich J&J Actelion bequem leisten. So rechnete der JP Morgan-Spezialist mit einer Prämie von 30% auf den Schlusskurs vom Donnerstag und kam so auf einen Kaufpreis von 22 Mrd CHF. Zudem hoffen einige Analysten auf Begehrlichkeiten bei anderen Pharmariesen und einen Bieterwettkampf. Genannt werden etwa die französische Sanofi aber auch die Basler Nachbarin Novartis.

An der Schweizer Börse zogen Actelion am Freitag im Tagesverlauf auf ein Allzeithoch von 187,70 CHF an und schlossen um 17% im Plus bei 184,50 CHF. An der US-Börse wurde die Nachricht freundlich aufgenommen, Johnson&Johnson legten um knapp 1% auf 113,85 USD zu.

tp/cf

(AWP)