Adecco steigert Umsatz und Gewinn deutlich - Hoffen auf Macron

(Zusammenfassung) - Adecco hat im ersten Quartal 2017 den Umsatz gesteigert und sich unter dem Strich deutlich verbessert. Das Management des weltgrössten Stellenvermittlers sieht sich auch für die kommenden Monate gut aufgestellt. Hoffnung macht nicht zuletzt der neue französische Präsident.
09.05.2017 13:51

Adecco ist eines der "französischsten" Unternehmen an der Schweizer Börse. Denn das westliche Nachbarland ist mit einem Anteil am Umsatz von über einem Fünftel der wichtigste Markt. Für CEO Alain Dehaze haben sich die Aussichten in diesem Land seit dem letzten Sonntag und der Wahl von Emmanuel Macron zum neuen Staatspräsidenten markant aufgehellt.

"Macron wird die Reform des französischen Arbeitsmarktes sehr rasch angehen, wahrscheinlich schon im Sommer", sagte er am Dienstag nach der Publikation der Q1-Zahlen. "Das wird die Flexibilität erhöhen, Investitionen auslösen und am Ende Jobs schaffen."

Das Frankreich-Geschäft ist allerdings schon im letzten Quartal gut gelaufen. Der Umsatz wuchs um 8%, und es konnte eine leicht höhere EBITA-Marge von 6,0% erzielt werden. Sehr gut sei die Nachfrage aus der Automobilindustrie, aber auch vom Bau und aus der Logistikbranche gewesen, hiess es dazu.

HÖHERE PRODUKTIVITÄT

Der Gesamtkonzern weist für das Startquartal 2017 leicht tiefere Werte aus. So erzielte der Konzern ein um Arbeitstage bereinigtes organisches Wachstum von 6% (nicht bereinigt 7%). Der Umsatz in der Berichtswährung Euro nahm derweil um 7% auf 5,73 Mrd EUR zu.

Der Bruttogewinn stieg im Einklang mit dem Umsatz um 7% auf 1,08 Mrd EUR. Die entsprechende Marge verringerte sich jedoch minimal um 20 Basispunkte auf 18,8% ab, was unter anderem mit Preis- und Mixeffekten begründet wurde. Angst vor einem steigenden Preisdruck hat das Management nicht. Der Preisdruck sei kontinuierlich und gehe vor allem von Grosskunden aus. "Wir sehen dabei keine Veränderungen", so Dehaze.

Die Zahlen unter dem Strich verbesserten sich überproportional. Der EBITA (ohne Einmaleffekte) erhöhte sich um satte 20% auf 273 Mio EUR und die Marge auf 4,8% von 4,3%. Auf Stufe Reingewinn wurde sogar ein 22% höherer Wert von 176 Mio EUR erreicht. CEO Dehaze hob dazu die Kostendisziplin und die höhere Produktivität hervor. Das Umsatzplus sei mit einem nur um 1% höheren Personalbestand erreicht worden, betonte er.

ARBEIT IN DEUTSCHLAND

Aufgeschlüsselt nach Geschäftstätigkeiten entwickelte sich die allgemeine Temporärvermittlung (+8%) deutlich besser als die Fachkräfte-Temporärvermittlung (+4%).

Und nach Regionen betrachtet erzielte nur Italien (+26%) ein höheres Wachstum als der Hauptmarkt Frankreich. Auf der anderen Seit fiel das Wachstum in Nordamerika und Grossbritannien (+3%) und vor allem in der Region "Deutschland, Österreich, Schweiz" (+1%) unterdurchschnittlich aus - wobei allerdings für die Schweiz allein mit +8% ein vergleichsweise hoher Wert ausgewiesen wurde.

"Wenn wir die BIP-Entwicklung anschauen, können wir nicht viel mehr erwarten", kommentierte der CEO die Entwicklung in den USA. Und zu Deutschland meinte er: "Wir leiden noch immer unter dem Effekt, dass ein Kunde aus der Automobilindustrie unsere Temporärarbeiter fest angestellt hat."

"MOMENTUM HÄLT AN"

Mit Blick auf den weiteren Ausblick hielt Adecco fest, dass das positive Momentum im März und April angehalten habe. Das um Arbeitstage bereinigte organische Wachstum lag demnach bei 5-6%. Zwischen den beiden Monaten habe es keine grossen Unterschiede gegeben, stellte CFO Hans Ploos van Amstel klar. Abgesehen davon gelten die Mittelfristziele laut dem Management unverändert, es wird also zum Beispiel eine EBITA-Marge von 4,5% bis 5,0% über den Zyklus angepeilt.

Dazu beitragen soll auch eine intensivierte Onlinestrategie. So wurde eben eine einfache Plattform mit dem Namen Adia lanciert, auf der Kunden aus dem Gastgewerbe und dem Eventbereich Temporäre rekrutieren können. Damit würden primär neue Kunden angesprochen, sagte CEO Dehaze.

An der Börse kommen die Resultate gut an. Die Adecco-Aktien legen bis um 13.40 Uhr um +1,9% zu (SMI: +0,5%). Analysten zeigten sich in ersten Kommentaren überrascht von den Zahlen, die durchs Band über den Konsensschätzungen lagen.

rw/uh

(AWP)