Adidas wächst schneller als die Konkurrenz - Reebok-Umbau kommt voran

(Ausführliche Fassung) - Der Sportartikelhersteller Adidas kann weiter auf die Zugkraft seiner Hausmarke und vor allem auf ein starkes Wachstum in den USA bauen. Während der US-Konkurrent Under Armour erst vor wenigen Tagen wegen schleppender Geschäfte in seiner Heimat einen Konzernumbau angekündigt hatte, erzielte Adidas ein dickes Umsatzplus von währungsbereinigt 26 Prozent auf dem weltweit wichtigsten Sportmarkt. Auch den Branchenriesen Nike hängten die Franken in punkto Wachstumstempo ab.
03.08.2017 13:42

Nachlassen will Adidas-Chef Kasper Rorsted jetzt nicht. "Wir werden weiter ganz aggressiv investieren", sagte er am Donnerstag. Erst am Vortag hatte der Konzern seinen Ausrüstervertrag mit der amerikanischen Fussballliga, der Major League Soccer, vorzeitig bis zum Jahr 2024 verlängert. Damit will der Konzern noch näher an die jungen Konsumenten rücken.

Bei der jungen Käuferschaft steht Adidas derzeit hoch im Kurs. Insbesondere die modischen Kategorien wie Adidas Originals und Neo laufen gut. Dass der sogenannte Athleisure-Trend, bei dem die Grenzen von Sport und Mode verschwimmen, bald abebben könnte wie manche Analysten befürchten, glaubt Rorsted nicht. "Das hat gerade erst angefangen."

Auch der schwächelnden Fitness-Tochter Reebok verhalf die Retro-Welle mit Neuauflagen alter Klassiker weiter nach oben. In Nordamerika sinken die Umsätze aber weiterhin. Vier Jahre hat Adidas für den Umbau veranschlagt, spätestens dann soll Reebok wieder profitabel sein. Das erste halbe Jahr der Neuausrichtung hat die Marke nun hinter sich, und die ersten Zeichen, dass alles in die richtige Richtung gehe, seien da, so Rorsted.

Weiter nachbessern muss Adidas auch in Russland, wo die Umsätze nach wie vor zurückgehen. Von den geplanten 160 Ladenschliessungen in diesem Jahr hat der Konzern inzwischen mehr als die Hälfte umgesetzt. Überall sonst zeigt die Umsatzkurve nach oben. Wie Adidas bereits bei der Vorlage vorläufiger Zahlen vergangene Woche gemeldet hat, zogen die Erlöse zwischen April und Juni im Konzern um ein Fünftel auf 5 Milliarden Euro an.

Das Betriebsergebnis verbesserte sich um 18 Prozent auf 505 Millionen Euro und der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft um 15,5 Prozent auf 347 Millionen Euro. Der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn ging wegen aufgegebener Geschäftsbereiche um 45,5 Prozent auf 158 Millionen Euro zurück. Adidas hatte seine Eishockeymarke CCM sowie sein Golfausrüstergeschäft verkauft. Beides stand mit einem höheren Wert in den Büchern als beim Verkauf erzielt wurde.

Seine Prognose für das Gesamtjahr hatte der Konzern ebenfalls vergangene Woche angehoben. Adidas erwartet 2017 nun ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 17 bis 19 Prozent. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft soll um 26 bis 28 Prozent steigen. "Wir erwarten ein sehr starkes zweites Halbjahr", sagte Rorsted. Gegen Ende des Jahres trudeln bereits die ersten Bestellungen für die Fussball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ein.

Die Adidas-Aktie reagierte am Donnerstag mit einem Minus von zuletzt 0,26 Prozent auf 191,35 Euro. Sie hatte allerdings im Zuge der Prognoseanhebung kräftig zugelegt und ein Rekordhoch bei 194,15 Euro erklommen. Im bisherigen Jahresverlauf zählen Adidas-Aktien mit einem Kursgewinn von rund 29 Prozent zu den Favoriten im deutschen Leitindex./she/men/fbr

(AWP)